Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 154 Dr. Blocks Wochenschrift. in Saloniki mit Gewalt zu unterdrücken. Es gibt nämlich in Saloniki noch immer eine hübsche Anzahl Juden, die es einfach nicht übers Herz bringen, ihren ottomanischen Patriotismus sich gewaltsam zu unterdrücken und haben auch unter der neuen Aera nicht aufgehört, den Fez zu tragen. Dieser Tage erschien nun der Polizeidirektor von Saloniki beim Oberrabbiner und verlangte von diesem, daß er auf die Juden einen Druck in der Richtung ausüöe, daß sie den Fez ablegen. Oberrabbiner Jakob Meir hat sich auf den richtigen Standpunkt gestellt, als er gegen eine solche verfassungswidrige Einmischung der Polizei in die privaten Verhältnisse der Juden protestierte und sich bei dem Regierungschef darüber beschwerte. Das Vorgehen des Polizeidirektors sei um so schwerwiegender, als er angab, im Namen des Gouverneurs von Mazedonien vorzugehen. Nach der Haltung, welche das offiziöse Blatt „Neaimera" in der Sache einnimmt, darf vielleicht angenommen werden, daß die Regierung Gouverneur und Polizeidirektor von Saloniki darüber belehren werde, daß in einem wirklich freien Staate jedermann seine Kopfbedeckung nach freiem Ermessen wählen kann. Diese Affäre hat jedoch schon bis jetzt großen Schaden angerichtet, da die griechischen Blätter sie zum Anlaß nehmen, gegen die Juden zu hetzen. Jüdisches im christlichen Leben. Lu der Frage, inwieweit jüdische Elemente in das Leben der christlichen Kirche übergegangen sind, hat jüngst Prof. D. Doktor Hoennicke (der schon 1908 ein interessantes Buch über das Judenchriftentum im ersten und zweiten Jahrhundert veröffentlicht hat.) in einer Sitzung der „Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde" in Breslau interessante Beiträge geliefert. So ist nach ihm die Bausorm der christlichen Basilika durch den Grundriß des jüdischen Tempels beeinflußt, wie die Einteilung in Vorhalle, Schiff und Sanktuarium zeigt; das Wasserbecken hält er (mit Recht?) für eine Nachbildung des im salomonischen Tempel vorhandenen Beckens. Ws Vorbild für die Priestertracht, die starke Wandlungen durchgemacht hat, ist wahrscheinlich nicht die hÄdnische, sondern die jüdische Priesterkleidung anzusehen. Meßopfer und Abendmahlsfeier sind aus jüdische Brudermahle zurückzusühren; auf das Abendmahl hat die Passahfeier eingewirkt. Die Ordnung des Gottesdienstes (Schristverlesung, Predigt, Gebet), die Woche, ja, anfangs auch die Sitte, die Festtage mtt dem Einbruch der Dunkelheit zu beginnen, wurde übernommen. Von den Festen stehen, Ostern, Pfingsten, Weihnachten, aber auch Lichtmeß zu jüdischen Festen in Beziehung; auch die Einrichtung des A lm o se n ko sten s ist jüdischen Ursprungs. Weniger einleuchtend fchemt die Zurückführung der Beichte auf das Sündendekenntnis, wie es bei den Juden am Versöhnungstage und auf dem Sterbebette üblich ist. Von Interesse ' dagegen — und von Prof. Hoennicke nicht behandelt — ist die Rück w a nd e r u n g Mischer Elemente auf dem Umwege über das Christentum ins Judentum. So ist z. B. die christliche Predigt zweifellos «ne Tochter der jüdischen Schrifterklarung, die neben der Schriftverlesung den ältesten Teil des jüdischen Gottesdienstes bildete; wahrend des Mittelalters verfiel aber dann die Sitte der regelmäßigen Ansprache in den Synagogen und fand erst im 19. Jichrchundert — unter christlichem Einfluß — vielerorts wieder Aufnahme. Aehnlich steht es mit dem geordneten Gemeindegesang, den zunächst das Christentum vom Judentum übernahm; später verfiel er in den deutschpolnischen Gemeinden und fand erst im Zeitalter der Emanzipation vielfach wieder Eingang. Man denkt an ähnliche Rückwanderungen in der Sprachgeschichte: aus dem deutschen „Balken" bildet der Italiener sein „balcone". das dann wieder als „Balkon" ins Vaterland zurückkehrte. Hn. Frauzr Gü-emarr«. Fräulein Franzi Güdemann, die älteste Tochter des Herr» ObeMckbiners Dr. Moriz Güdemann, ist Dienstag de» 24. v. M. nach langem schweren Leiden im 18. Lebensjahr vom Tode ereilt worden. Die Teilnahme für die schwer- HeprWev Eltern ist umso allgemeiner, als das dahingeschiedene FÄknlein »o« der Natur mit seltenen Vorzügen ansgestattet dabei gruudgütigen Herzens, voll Bescheidenheit und kindlicher Frömmigkeit war. Eine junge Blüte von zarter Aymut unb: keuschem Glanze, deren Anblick das Auge erfreute, M einem schauerlichen Frühlingsreif zum Opfer. Die Beerdigung fand Donnerstag den 26. Februar vom Zentral-Friedhofe statt. Oberkantor Don Fuchs rezitierte die Trauerpsalmen und Herr Rabbiner Dr. Max Bach sprach an der Bahre tiefergriffen Worte des Trostes dem zu, der so oft an dieser Stelle anderen Trost spendete. Unter den Trauergästen waren zu bemerken: Präsident Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn undI.Hofrat Dr. B. Rap.paport, die Vorstandsmitglieder Professor Dr. S. Ehrmann, Em. Grünw ald, Ernst Hirsch, Em. H offmann, Moriz Edler von Kuffner, Dr. Arthur Kur an da, .Professor Dr. Josef Pollak, Ad. Schrame!, Dr. Mark. Spitzer, Sam. Steiner und kais. Rat Jonas Weil, die Rabbiner Dr. G r u n w a l d, Dr. A b e l e s, Dr. Bauer, Dr Gel bh a u s, Dr. Kaminka, Dr. M a n d }, Kramer, Meyersohn, Dr. Ro s e um ann, Dr. Taglicht, die Sekretäre kais. Rat Dr. Theodor Lieben und Dr. Emil Ä d l e r. die Bethausvorsteher Anton Beck, Karl Freund, Theodor. Kohn, Rudolf K^o h n, Dr. Elias^M ü n z ^und S. A. Wasse rvogel, Obmann des Ottakringer Tempelvorstandes S. Wei tzmann, k. k. Hof- und Kammerphotograph, die Vorsteher der Allianz Dr? Felix Katzau und W. P.a p p e n h e i m, Hofrak Professor Dr. A. Politzer, die Vorsteher der Chewra- Kadischa S. Gold mann und S. Simon, Oberkantor Morgenstern, die Ersten Kantoren Jurherger, Schleifer, Kaufmann, Smotri tzky,Serebren ik, Gemeinderat Stein, die Bankdirektoren Hammers chl a g und K u r a » d a, Prokurist N e u rat h, Prof. . Dr. Krau s, Schulräte^T s ch i a ßny undlsL a n g f e l d e r, die. Religions- Professoren M. Äntscherl, M. Kanitz, Dr. H. Pollak und Dr. Ad. W e i ß, die Advokaten Dr. Marcell H o f f m a n n und Direktor der Nordbahn Dr. Ad. S t e i n, Dr. A. K a p r a l i k und Emil Jelinek, Dr. Fleißig, Kinderarzt Doktor Haase, Direktors,Max Fischer, für den Verein „Seehospiz" Frau Präfidentm. Sofie G r ü n f e l d, Vizepräsident Dr. Eomuud Kohn, Schriftführer Dr. Julius Graf. Prim. Dr. I. Za^ppert, Kurator, Frau Dr. Adele Zins vom „Ferienheim", die Präfidentm des Frauenvereines XXI. Bezirk Frau Henriette Grünwald, die Inhaberin der Fortbildungsschule in der Werdertorgafse, Frau Stern, und die Direktorin dieser Anstalt, Fräulein Malvine Friedmann, mit einer Abordnung ehemaliger Mitschülerinnen der Verblichenen, Schriftstellerin Frau Clotilde Benedikt, Frauenarzt Dr. Josef Bond i, die Vertreterinnen humanitärer Anstalten: die Damen Hermine Kadisch und Marthe Stiaßny, Frau Salo Cohn, kais. Rat Doktor. Arnold Ascher, der Chef der Firma Schenker & Co. Emil Karpeles, in Vertretung des Tempelvereines „Bet Hachneteth" Herr Vorsteher Baß u. v. A. m. Emigranten-Fürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates Februar 1914 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz zu Wien insgesamt 117 Emigranten, davon 106 russische, und. 11 rumänische, weiterbefördert, und zwar 85 nach den Vereinigten Staaten, 1 nach Argentinien, 8 nach Kanada, .4 nach England, 18 nach Frankreich und 4 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbefördert wurden 33 Rückwanderer. ' Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Februar für 31 Personen zusammen 66 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 24 Personen zusammen 66 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Es fuhren zu ihren Männern 11 Frauen, zu Eltern (resp. Kindern) 16 Erwachsene und 21 Kinder,- zu...Geschwistern 26 Erwachsene und 2' Kinder, zu sonstigen Verwandten 37 Erwachsene, ohne Verwandte 4 Personen.