Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 Sette 153 Dr. Bkochs Wochenschrift. Der Bodenresormpolitiker Josef Fels gestorben. (Ein schwerer Verlust der Jto-Organisation.) Der neue Präsident Staatssekretär Dr. Leopold Vadaß erwiderte auf die Begrüßungsrede des Dr.- Julius Fischer folgendermaßen: „Die unmittelbare Wätme der schönen und elogenten Worte seiner Ehrwürden sind in hohem Grade geeignet, in meiner Seele das Gefühl jenes Dankes zu vertiefen, den ich für die mir zuteil gewordene große und bisher durchaus noch nicht verdiente Ehrung zum Ausdruck bringe. Ich danke Jh!nen, meine Herren, für diese Ehrung, die durch Ihr Vertrauen und angesichts der großen und schönen Zwecke der Gesellschaft nur umso größer wird; dabei aber durchdringt und erhebt mich auch das Gefühl, daß ich im Präsidentensitze der Nachfolger jener hervorragenden und edlen Männer sein darf, die wahre und strahlende Zierden unserer Konfession gewesen. Ein solcher Mann auf diesem Sitze war auch mein unmittelbarer Vorgänger, der verewigte Baron Josef Hatvany. Ich weiß, daß meine Worte ein aufrichtiges Echo finden werden, wenn ich mit den Gefühlen aufrichtiger Hochachtung, Wertschätzung und Sympathie feiner gedenke. Indem ich den Präsidentensitz mit solchen Gefühlen und Gedanken einnehme, will ich bestrebt sein, die edlen Ziele unserer Gesellschaft nach meinen schwachen Kräften, aber mit warmen Eifer zu fördern. Die wahrhaft edlen Ziele, meine Herren, sind immer universell. Universell sind auch die Aufgabe und das Wirken dieser Gesellschaft, dient sie doch den großen, edlen Interessen unserer Konfession, des Üngartums und der Literatur zugleich. Sie dient jenen' zu gleicher Zeit in ungleichem Maße, ist doch kein Gegensatz zwischen jenen; sind sie doch nur einzelne Stimmen in jener großen ungarischen Sinfonie, die in der Seele jedes gebildeten ungarischen Juden tönt. (Eljenrufe.) Und wenn unsere süße, uns allen teuere ungarische Sprache uns ein kräftiges, aber auch biegsames, ein machtvolles und zugleich zärtliches Instrument liefert, mit dem wir zum Ausdruck bringen können, was in der Seele des Juden lebt, so tragen wir auch stolz und glücklich alle Schätze unserer jüdischen Seele, dieser durch eine jahrtausendalte Kultur differenzierten, durch die Kämpfe einer leidvollen Vergangenheit für alles menschliche Elend empfindlich gewordenen Seele in den großen Fluß,, der die ungarische Kultur vorwärts trägt. (Eljenrufe und Applaus.) Diese ungarische Kultur pflegen wir in unserer Ungarischen Israelitischen Literarischen Gesellschaft! Und «wenn dieser Gedankenkreis etwas enthielte, das zur Pflege der besonderen jüdischen Interessen mahnte, so haben wir dieses besondere Interesse wieder nur in der Universalität zu suchen. Denn kann der ungarische Jude ein größeres Interesse und einen heißeren Wunsch haben als den, daß hier in unserem Vaterlande die Bildung, die den großen menschlichen Zielen mit denen der Natron gleichzeitig dient, das Wissen und als Blüte all dessen die Literatur, die ungarische Literatur sich entwickeln und ihre Wirkungen erstarken mögen? Schön und edel ist die Arbeit, die wir zu verrichten haben! Ich danke Ihnen, meine Herren, daß Sie mich gerufen haben und an der Arbeit der Führung teil nehmen lassen. Ich fühle, daß der zwischen Führendem Und Geführten notwendige Kontakt zwischen uns bald sich entstellen wird. Ja, er ist sogar schon vorhanden! Seit altersher, seit hundert, seit tausend Jahren ist er da! Unsere Seelen sind verwandt! Die Einheit unserer Gefühle, die Gemeinsamkeit unserer selbstlosen Ziele, die Kraft unserer heißen Sehnsucht nach Fortschritt mögen uns auf unserem Wege Führer sein. Es ist mir eine hohe Ehre, diesen Weg in Ihrer Gesellschaft wandeln zu dürfen. Ich danke Ihnen, daß Sie mich mit Ihrem Vertrauen auszeichnen und Litte Sie, meine Herren, mich auch weiter in Ihrem Wohlwollen zu behalten!" . Die Rede des Präsidenten wurde mit langanhaltenden begeisterten Eljenrufen ausgenommen. Aus Philadelphia kommt die Nachricht, daß dort im Alter von kaum 60 Jahren der berühmte Reformpolitiker Josef Fels, der Nachfolger Henri Georges, in der Bodenreformbewegung gestorben ist. Josef Fels, der ein Vermögen von vielen Millionen hinterläßt, hat für seine bodenreformatorischen Ideen sowohl in Amerika, als auch iu England sehr viel geopfert. Sein Bestreben, seine Ideen überall dort, wo sich dazu praktische Gelegenheit bietet, durchzuführen einerseits, andererseits feine unendliche Liebe für das Judentum, dem er in Treue anhing, brachten ihn Israel Zangwill näher, als dieser die Jto-Organisation ins Leben rief. Zwischen beiden hervorragenden Persönlichkeiten entwickelte sich eine intime Freundschaft und Josef Fels war so sehr überzeugt, daß Israel Zangwills Judenpolitik die einzig richtige ist, daß er nicht nur die Auswanderung der russischen Juden nach Texas moralisch und materiell förderte und auch das Studium der verschiedenen, der geographischen Kommission der Jto-Organisation vorgelegenen und noch vorliegenden Landprojekte finanziell unterstützte, sondern auch wiederholt erklärte, daß er bereit sei, falls es der Jto-Organisation gelingt, zur Ansiedlung der verfolgten Juden einen geschlossenen Landstrich zu erwerben, diesem Zwecke sein halbes Vermögen zu widmen. Allerdings hat Josef Fels dabei den Wunsch geäußert, daß diese jüdischen Kolonien nach dem System Henri Georges gegründet und eingerichtet werden mögen. Josef Fels hat in der Jto-Organisation sowohl in England, als auch in Amerika wiederholt Ehrenstellen bekleidet. Es bleibt abzuwarten, ob Josef Fels in seinen letztwilligen Verfügungen seinem Glauben an die Zukunft der Jtopläne Ausdruck verliehen hat. Die Jerusalem-Rente. Die „Newyork Times" weiß von einem eigenartigen Versicherungsgeschäfte zu erzählen, welches einzelne amerikanische Versicherungsgesellschaften seit einiger Zeit eingeführt haben. Diese Versicherungsgesellschaften verpflichten sich gegen Bezahlung einer Prämie, die nicht allzu hoch bemessen ist, Juden, welche das 65. Lebensjahr überschritten haben und den Wunsch haben, ihren Lebensabend in Jerusalem zu verleben und nach ihrem Tode dort begraben zu werden, mit Kost und Wohnung bis an ihr Lebensende zu versehen und für ihr Begräbnis in Jerusalem Sorge zu tragen. Wie nun der amerikanische Konsul in Palästina berichtet, gibt cs in Jerusalem dermalen über 1300 Juden, welche solche Versicherungen eingegangen sind und auf Kosten der betreffenden Versicherungsgesellschaft leben und ihrem Tode in der heiligen Stadt entgegensehen. Der Konsul fügt diesem Berichte noch hinzu, daß die Gesellschaft im großen und ganzen ein schlechtes Geschäft macht, wenn sie damit rechnet, daß der Jude, der den Wunsch äußert, in Palästina zu sterben, wirklich seinem Tode nahe sei; denn viele von ihnen genießen die sogenannte Jerusalemrente viel länger, als es der Gesellschaft lieb ist. Griechischer Terror. Die Läge der Juden in Neu-Griechenland und insbesondere in Saloniki wird immer schlechter. Die Regierung und Behörden bemühen sich wohl, die Differenzen, die Tag um Tag zwischen der griechischen und der jüdischen Bevölkerung auftauchen, zu vertuschen, aber die griechische Bevölkerung nimmt von diesen behördlichen Bemühungen wenig Notiz und übt ihren Terror immer empfindlicher aus. Sie wird darin ganz besonders durch die Polizei unterstützt. Der jüngste Skandal ist der Versuch der Polizei, das Feztragen der Inden