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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 14b zum Fratze preiszugeben, so »lachte er sich beim öimm, ihm ein Grab zu graben. Das war keine leichte Arbeit, doch brachte er sie vor Sonnenuntergang zu Ende und wollte sich gerade neben dem frischgeschaufetten Grabhügel schlafen legen, als er das Geräusch galoppierender Pferde vernahm und aufblickend eineil Trupp Reiter gewahrte. Er hörte, wie der Führer zu seinen EefähTten sagte: „Seht, dort ist ein heitiger Derwhch, der an einem frischen Grabe trauert. Der Tod hat seinen Reisegefährten ereilt, und er hat ihn. frommerweise an diesem einsamen Ort begraben. Wie traurig ist es, in einem so weltverlassenen Erdenwinkel zu sterben, wo inan nicht einmal Wasser finden kann, um den Leichnam zu waschen. Ich muh gehen, und ihnl Trost zusprechen.'‘ Ml?r diesen Worten ritt er auf Ali zu, grüßte ihn und fragte nach dein Namen des Verstorbenen. „Langohr", antwortete Ali, der sich eines ungewöhnlicheren Ausdruckes für Esel bedienen wollte. „O armer Scheuch Langohr," seufzte der mitleidige Reitersmann, und zu dem trauernden Ali sprach er: „Allahs Wege sind oft dunkel, aber last dich durch diesen Tod deines Gefährten nicht entmutigen. Sein Andenken wenigstens wird leben. Morgen früh werde ich dir Leute schicken, die über seinem Grabe ein prächtiges Heiligtum errichten werden..." und bevor Ali noch Zeit hatte, ihn über die tatsächliche Sachlage aufzurläcen, galoppierte der impulsive Edelmann mit seinen Leuten davon. Die Gedanken über seine sonderbare Lage ließen Ali in dieser Nacht nicht schlafen. Am nächsten Morgen, bald nach Sonnenaufgang, erspähte er am Horizont sich bewegende Punkte, die er bald als kalkbeladene Kamele und steintragende Esel unter der Anführung einer ganzen Anzahl von Maurern und Arbeitern unterscheiden konnte. Der Zug näherte sich Alis Standorte, und schließlich kamen die Leute direkt auf ihn zu, grüßten ihn ehrerbietig und teilten ihm mit, daß sie von dem Emir mit dem Aufträge gesandt seien, sofort das Grabmal des Scheikh Langohr zu errichten. Für eine Erklärung waren die Dinge jetzt schon zu weit gediehen, und es blieb Ali nichts anderes übrig, als der Arbeit zuzusehen, die jetzt unverzüglich ihren Anfang nahm. Zu allererst führten sie ein Ehrengrabmal auf inmitten eines Raumes von vorschriftsmäßiger Form und Größe, dann bauten sie eine offene Halle mit einer Nische für Betende und gäben so dein Ganzen das Gepräge einer geweihten Stätte. Auf der einen Seite der Halle, die dem Grabzfmmer gegenüber lag, wurde ein zweiter Raum zur Bequemlichkeit des Heiligtumswächters erbaut. Ganz zuletzt errichteten sie ein kleines Minarett, gruben einen Brunnen und umgaben das Ganze mit einer prächtigen Emfriedigungsmauer, die, einen großen Hofraum lassend^ an allen vier Seiten aus Säulengängen bestand. Die ganze Arbeit dauerte natürlich einige Zeit, aber da Ali von dem Emir erfahren hatte, daß er der Scheikh des Heiligtums (mit einem guten Gehalt) zu werden ausersehen sei, wartete er geduldig ihre Vollendung ab und unterzog sich zufrieden seinen neuen Pflichten^ Da die Lage des Ortes als Haltestelle für Reisende, die die Wüste zu durchqueren hatten, gut geeignet war, wurde das neue Heiligtum bald berühmt und von den alljährlich durchkommenden Pilgerzügen aufgesucht. Sie überschütteten seinen Scheikh mit Geschenken, Und;fein Reichtum begann sich bald in Kleidung und Gebaren zu zeigen. . Die Nachrichten von diesem neuerdings so viel gerühmten Heiligtum drangen in alle Lande und kamen zuletzt auch dem alten Scheikh Abdullah zu Ohren, der auf den Reisen seiner Jugend die meisten heiligen Stätten aufgesucht hatte, aber sich nicht erinnern konnte, auch nur jemals den Namen dieses Heiligtums gehört zu haben. In seiner Wißbegier entschloß er sich, die Pilgerfahrt zu „Scheikh Langohr" zu machen und Ursprung und Geschichte des Grabes im Geheimen zu erforschen. Am letzten Tage der Pilgermonate erreichte er den Begräbnisplatz und war erstaunt über die ungeheure Zahl von Pilgern. Noch mehr erstaunt war er aber, in dem Hüter des Heiligtums seinen Schüler Ali zu erkennen. Die beiden umarmten sich mit Freudengeschrei und gingen in 'Alis Wohnung, um sich aneinander zu erfreuen. Nach dem Abendessen faßte Scheikh Abdullah Ali fest ins Auge und sagte feierlich: „Mein Sohn, bei allen Heiligen und allen Propheten und allem, was uns Moslems heilig ist, beschwöre ich dich, vor mir nichts zu verbergen. , Was ist an diesem Platze begraben?" Der junge Mann erzählte seine Geschichte ohne Vorbehalt, und als er geendet hatte, fragte er: „Jetzt, Vater, sage mir, was liegt zu Hause bei deinem Heiligtum begraben?" Der Akte blickte beschämt zu Boden, aber auf Alis Drängen erwiderte er schließlich leise: „Gut, wenn du es wissen mußt es ist der Vater deines Esels." Kteratnr. O'Lib "->>') mbip n pm "y . j. »n kt; -2 *i 'zsa cnerp .p-i;;b, K'porwrr bssp rpjr '-rri'w Jüdische Streitschriften haben immer ein Interesse für den jüdischen Geschichtsforscher, denn sie ermöglichen den Einblick in lange, vergangene .^y.ua-VerhäUni-se, bringen vergessene oder wenig gekannte Persönlichkeiten wieder in Erinnerung und er schließen oft ganz unbekannte Kapitel jüdischer Geschichte. Es gibt im allgemeinen wenig solcher Schriften, die veröffentlicht wurden; aus London waren bisher nur zwei in Druck Ci. , j)ienen und Herr Dr. E. D u s ch i n s r y, der frühere A a b b i n c r in :>l o st e l war und seit mehreren Jahren in London als Privatgelehrter lebt, hat jetzt die dritte unter obigem Titel dem jüdischen Leserkreise zugänglich gemacht. Im Lause anderer Forschungen hat der genannte Herausgeber diese Blätter im British-Museum in London gefunden und wie er in der Einleitung schreibt sich überzeugt, daß dieselben nur in diesem einzigen Eremplar vorhanden sind, daher die Veranlassung, sie wieder herauszugeben. Die Arbeit ist zuerst in der hebr. Vierteljahresschrist."2 x.v »TT piss erschienen. Der Inhalt ist in lckürze folgender: Rabbi Israel Moschullam Emden, ein Sohn des berühmten Jakob Emden der Antagonist E i b e n s ch i tz's und Enkelsohn des Chacham Zewi Aschkenasi wird von dem Schreiber der Flugblätter Dajan Schalom Buzagli angeklagt, eine rabbinische Funktion, die llebergabe eines Scheidebriefes, verweigert zu haben, weil die Frau der der Scheidebrief von Amsterdam aus zugeschickt wurde keine Mittel besaß, ihm die darauf entfallende Gebühr zu entrichten. Emden wendete sich an den damaligen Prager Oberrabbiner Ezechiel Landau und auch an andere Rabbiner (Frankfurt a. M., Amsterdam), um von diesen Gutachten in dieser Angelegenheit einzuholen. Buzaglo aber nimmt die Entscheidung Landau's aus dem Grunde nicht an, weil er wie er sagt daran zweifle, ob Emden die Sachlage auch der Wahrheit entsprechend ihm vorgelegt habe. Die Flugschriften datieren vom Sommer (Tammus-Ellul) d. I. 524 1774. Der gelehrte Herausgeber hat eine interessante Einleitung und wertvolle Roten geliefert und wird die Publikation gewiß das Interesse nicht nur Londoner Üreise erregen, sondern auch aller, die für jüdische Geschichte etwas übrig haben. Der nur in 100 Eremplaren erschienene Nachdruck wird mit der Zeit gewiß sehr gesucht sein. Zum Schlüsse noch die Hoffnung, daß der Herausgeber, der ein meisterhaftes Hebräisch schreibt, auch noch mit anderen Werken die jüdische Literatur bereichern werde. B. Approbation. Die in unserem Blatte vom 24. Oktober 1913 besprochene hebräische Fibel „iiol Iehuda" von M. Stengel, Berlagsbüchhandlung Jos. Schlesinger, Wien, hat mit Erlaß des k. k. Ministeriums für Rultus und Unterricht vom 5. Dezember 1913, Z. 54.145, die Approbation erlangt.

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