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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 141 Orient hin und meint, daß es höchste Zeit sei. daß auch die Juden in Marokko endlich aus ihrer Lethargie erwachen und ihre Interessen selbst vertreten. Ueberfall auf ein jüdisches Theater. Aus Focfani kn Rumänien wird uns geschrieben: Schon seit Langem hat sich unter der hiesigen russischen Bevölkerung eine Bewegung bemerkbar gemacht, die einen Angriff auf die Juden vorbereitete. Die hiesige Judenschaft war von dieser geheimen Agitation in Kenntnis gesetzt und vermied daher alles, was die christliche Bevölkerung als eine Provokation hätte ansehen können. Bekanntlich ist aber dort, wo der Wille ist, auch ein Weg,- und so hat denn die antisemitische Liga das Erscheinen einer jüdischen Theatergesellschast als hinreichenden Anlaß angesehen, um eine regelrechte Judenhetze anzuordnen. Das Theater war gut besucht, als plötzlich ein Trupp von mehreren hundert Personen das Haus, in welchem die Theatergesellschaft spielte, zu stürmen begann. Die Antisemiten drangen in den Theatersaal ein. demolierten die Entrichtung und es entstand eiüe regelrechte Schlägerei, bei welcher zahlreiche Verletzungen entstanden. Erst nachdem die Angreifer von den Juden auf die Straße gedrängt wurden und die argen Szenen auf der Straße wieder ihre Fortsetzung fanden, erschien die Polizei und zerstreute die Menge. Ein jüdischer Förderer griechischer Literatur. Wie dem „Jndependant" aus Athen gemeldet wird, hat ein Athener Jude namens Alfred Rothschild einen Preis von 5000 Francs für das beste grammatikalische Werk, welches im Jahre 1914 erscheinen wird, gestiftet. Präsident der Jury ist Prinz Nikolaus. Diese Preisstiftung ist sowohl wegen ihres Stifters, als auch deshalb interessant, weil dieser Preis der größte ist, der in Griechenland bisher für literarische Arbeiten gewidmet wurde. Ein bemerlenswertrr Aufruf des Odessaer Rabbinates. Sämtliche Rabbiner von Odessa haben dieser Tage einen Aufruf erlassen, in welchem sie sich gegen die Art wenden, mit welcher jüdische Kantoren sowohl aus Rußland, als auch aus dem Ausland in Varietees und Konzertsälen synagogale Gesängskonzerte veranstalten. Die Rabbiner weisen darauf hin, daß Kantoren es seien, welche unsere heiligen Gesänge und sich selbst so sehr erniedrigen, daß sie Tingel-Tangel mäßig mit allen Begleiterscheinungen einer Varieteevorstellung unsere spnagogalen Gesänge herabwürdigen, unwürdig werden in Zukunft den Beruf eines Scholiach- Zibbur auszufüllen. Ausweisung eines zweijährigen Kindes. Ist natürlich auch 'in Rußland geschehen. Auf Grund einer Verfügung der Gouvernementsverwaltung wurde dieser Tage die Familie des jüdischen Zahnarztes Kahn in Kursk mit der Begründung ausgewiesen, daß er nicht ausschließlich sein Dentistenmetier betreibe. Da Rekurse erfolglos blieben, mußte Kahn mit seiner Familie die Stätte seiner langjährigen Tätigkeit verlassen. An dem Tage herrschte jedoch eine so grimmige Kälte, daß er sich gezwungen sah, seinen zweijährigen Knaben für einige Zeit bei einem Verwandten in Obhut zurückzulassen. Da wurde aber die Rechnung ohne den russischen Pristaw gemacht. Dieser erschien schon am anderen Morgen bei dem Verwandten und forderte diesen auf, das Kind binnen drei Tagen fortzuschicken, da es in Kursk kein Wohnrecht besitze. In diesen Ausweisungsbefehl gegen das zweijährige Kind wird auch angedroht, daß es, falls es nicht binnen drei Tagen die Stadt verlasse, ausgewiesen und im Etappenwege zu seinen Ellern gebracht werden wird. Antisemitische Roheit. In den letzten zwei Jahren hat eine antisemitische Gesellschaft in London wiederholt Versuchs gemacht, die Bewohner der englischen Hauptstadt gegen die jüdische Bevölkerung zu verhetzen. Am krassesten kam dies erst jüngst in dem bekannten Marconi-Prozesse zum Ausdruck, in welchem auch der soeben zum Pear ernannte Sir Rufus Jsaacs verwickelt wurde. Man erinnert sich noch, daß dieser hinterhältige Angriff mißlang. Nun hat sich diese antisemitische Bande eines Mittels bedient, dem wir se'bst in Rußland kaum begegnen würden. Die Antisemiten verbreiteten nämlich das Gerücht, daß im Ostend, dem jüdischen Geschäftsviertel eine lepröse Krankheit epide misch aufgetreten sei. Schon hatte sich der Erfolg dieses Gerüchtes dadurch fühlbar gemacht, daß die'e Geschäfts straßen vom Konsumentenpublikum gemieden wurden, als die jüdischen Geschäftsleute auf die Idee kamen, einen Preis von 1200 Kronen für denjenigen auszuschreiben, der auch nur einen Fall dieser ansteckenden Krankheit im ganzen Viertel nachweist. Der Preis ist bis heute nicht ausbezahlt worden, und der nüchterne Engländer sah bald ein. daß das Ganze eine gemeine Methode niederträchtiger Geschäftsantisemiten war. Ein Erfolg der Schomre Sckabboth in London. Die Aktion der Schomre Schabboth Organisation hat vielleicht nirgends so große Erfolge aufzuweisen, wie in London. Sie hat hier nicht nur auf die jüdischen Ar beitgeber günstig eiugeivirkt, sondern was gerade bei der sozialen Struktur der jüdischen Bevölkerung von Groß London besonders wichtig ist, auch die jüdischen Arbeiter oder zumindest einen großen Teil derselben dafür gewonnen, an ihrer Aktion teilzunehmen. Im Sinne dieses Programmes haben die jüdischen Schneidergehilfen an die Leitung des jüdischen Arbriterverbandes die For derung gestellt, mit aller Energie und mit allen Mitteln dafür einzutreton, daß auch der Sabbath als gesetzlicher Alternatioruhetag anerkannt werde. Da jedoch die Verbandsleitung, welche wie es scheint, auf streng sozialistischer Grundlage steht, dwse Forderung ^sich nicht zu eigen machen wollte, haben die jüdischen Schneider beschlossen, aus dem Verbände auszutreten und sich selbstständig zu organisieren. Da die jüdischen Schneider den größten Teil der jüdischen Arbeiterschaft in London repräsentiert, so hoffen sie ihre Aktion zu Gunsten der Anerkennung des Sabbaths mit Erfolg durchführen zu können. Eine VersicherungsgesMchaft jüdischer Farmer. Dieser Tage fand in Sentre Ville im Staate Newport die Jahresversammlung der kooperativen Feuerversicherungsgesellschaft der jüdischen Farmer von Sulivan und Umgebung statt. Diese Gesellschaft ist deshalb von Wichtigkeit, weil sie vor vier Jahren als Protest gegen einzelne Feuerversicherungsgesellschaften ins Leben gerufen wurde, weil diese den jüdischen Farmern bei Versicherungsanmeldungen unter dem Vorwände Schwierigkeiten gemacht haben, daß die Juden als Versicherer gegen Feuersgefahr unerwünscht seien. Die Versicherungsgesellschaft der jüdischen Farmer hat nun während ihres dreijährigen Bestandes den Beweis erbracht, daß die damaligen Beschuldigungen grundlose Verleumdungen waren, denn die Gesselschaft gedeiht und ist in der Lage, Dividenden zu zahlen. Ein jüdischer Sanitatschef in Rewpork. Aus Newyork wird uns geschrieben: Der bisherige leitende Direktor des jüdischen „Mount Sinai Hospitales", Dr. S. S. Goldwaler, wurde zum Chef des Sanitätsdepartements von Groß-Newpork ernannt. Dr.

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