Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 9 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 9 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 139 und -Historiker Karl August Hase, in Berlin den gleichwertigen Religionsphilosophen Neander zu hören, welche Episode (1845—1847) trotz der fast 70jährigen Vergangenheit stets zu seinen schönsten Erinnerungen zählt. Bei seinem Idealismus und seiner zähen Ausdauer konnte es nicht fehlen, daß er der von ihm vertretenen Religion, dem Protestantismus, große Dienste erweisen würde. Als nach dem Zusammenbruch des schwärzesten Regimes 1859 Oesterreich trotz der herben Verluste auf den Schlachtfeldern Italiens etwas erleichtert aufatmete, zog die Gleichberechtigung wenigstens für die Protestanten auch in die Armee ein, in der zuvor nicht daran gedacht wurde. Den unmittelbaren Anstoß dazu gab ein Ausspruch Kaiser Napoleons, wonach die Protestanten des österreichischen Heeres sich geistlichen Trost hei den französischen (evangelischen) Militärgeistlichen holen mußten. Als daraufhin auch bei uns zunächst 12 solche Stellen systemisiert wurden, erhielt als berufenster Anwärter Dr. Szeberiny, der bisher in Oberungarn, zuletzt in Schemnitz, als ev. Pfarrer fungiert hatte, den ersten Posten. Nun rastete er nicht, bis es ihm gelungen war, auch ein entsprechendes Gotteshaus durch die Huld unseres Monarchen zu erlangen, zu welchem Behufe die ehemalige Schwarzspanierkirche in Wien in Verwendung kam. In dieser erhielten nun die evangelischen MiliMrpersonen Unterricht und wurde auch der Gottesdienst in ihrer Muttersprache deutsch, ungarisch und slavisch abgehalten. Die Umwandlung dieser ehemaligen Jesuitenin eine Protestantenkirche bedeutet eine Großtat, für welche der heutigen Generation das Verständnis fehlen mag, die aber durch das Aufsehen erregende Ereignis gekennzeichnet ist, daß damals, man schrieb 1863, der allgewaltige Gendarmeriechef Freiherr v. Kempten eigens zur Wohnung des evangelischen Pfarrers Dr. Szeberiny vorfuhr, nur diesen Mann, dem so Unerhörtes gelungen, persönlich kennen zu lernen. Diesem Freimule und dieser freien Denkungsart mußte daher auch der, Ende der achtziger Iahre so brutal einsetzende Antisemitismus ein Greuel sein, und er folgte mit Freuden der Aufforderung Baron Suttners, in den von ihm 1892 gegründeten Verein zur Abwehr des Antisemitismus einzutreten, dem er nun seit 1907 als Präsident, bezw. Alterspräsident vorsteht. Vielen werden wohl seine tief empfundenen Ansprachen, die er bei Vorträgen im genannten Vereine hielt, in freudiger Erinnerung sein: er scheute sich auch nicht, bei jener imponierenden Protestversammlung im großen Sofiensaale, die dem Iustizskandal „Hiksner" am 18. März 1908 galt, den Vorsitz zu führen und dem Redner, dem leider verstorbenen Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Friedrich Elbogen, in besonderes inhaltsreicher Rede den Dank au'sgusprechen.*) In seiner militärischen Laufbahn brachte es Dr. Szeberiny bis zur höchsten Würde, jener eines Superintendenten, der eines Bischofs entsprechend. Allein ihm genügte diese Tätigkeit keineswegs: er folgte 1370 auch einem Rufe als Professor für evangelische Theologie an der Wiener Hochschule, welche Stellung er bis 1696 inne hätte. Für diese doppelte Betätigung erhielt er zahlreiche Anerkennungen und Auszeichnungen. Er kann somit auf ein reichhaltiges, ausgefülltes Leben zurückblicken, wie es wohl wenigen gegönnt ist. In seiner nunmehr 59 Iahre wahrenden Ehe fand er ein geraden beispielloses Glück, welches ihm stets Trost für alle Widrigkeiten des Lebens bot. Diesem harmonischen Bunde entsprossen 4 Töchter und ein bedauerlicherweise früh verstorbener Sohn. — Möge es dem ehrwürdigen greisen Jubilar, der sich voller geistiger Frische erfreut, noch langem lange vergönnt sein, die Früchte eines so ersprießlichen Lebend zu genießen! _ Verein zur Abwehr de ^Antisemitismus. *) Nr. 12 der „Wochenschrift" vom Jahre 1909. Der Glückwunsch der israelit. Kultusgemeinde. Anläßlich der Wiederkehr des 90. Geburtsfestes des Alterspräsidenten des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus, Herrn Militär-Superintendenten Universitätsprofesfor Dr. I. Szeberiny richtete die Kultusgemeinde zu Wien nachstehendes Schreiben an den Jubilar: Euer Hochwürden! Das seltene Fest des Eintrittes in Ihr neunzigstes Lebensjahr bietet mir den freudigen Anlaß, Sie, hochverehrter Herr Professor, der aufrichtigen Wertschätzung zu versichern und Ihnen im eigenen Namen sowie namens des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde aufs herzlichste Glück zu wünschen. Mit Stolz und innerer Befriedigung dürfen Ew. Hochwürden durch Gottes Gnade in bewunderungswürdiger körperlicher und geistiger Rüstigkeit den Abend eines Lebens genießen, das sich durch Verbreitung der Wissenschaft, gepaart mit Gerechtigkeit, auszeichnet. Bei aller Energie, mit welcher Sie die Interessen der eigenen Konfession stets vertreten, haben Sie es immer als den schönsten Ausdruck wahrer Religiosität angesehen, auch Andersgläubige, wenn-sie des Schutzes bedürfen, zu ihren Menschen- und Bürgerrechten zu verhelfen. Dieser tiefedle Gedanke gelangte auch zum Ausdrucke, als Sie bei Gründung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus in dessen Vorstand eintraten und vor mehreren Jahren das Präsidiuni übernahmen. Oft haben Ew. Hochwürden in Tagen, da das'öffentliche Gerechtigkeitsgefühl ins Schwanken geriet, aus der Tiefe Ihres edlen Herzens heraus Worte und Gedanken geholt, die uns Juden so wohl taten und von denen wir nur gewünscht Hätten, daß sie auch dort ein Echo erweckt hätten, wohin sie gerichtet waren. Möge die göttliche Gnade Ihren Lebensabend verschönen zur Freude aller guten Menschen. Mit den: Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung: Dr. Lieben m. p., Der Präsident: Erster Sekretär. Dr. Alfred Stern, m. p. In ähnlich warmen Tone war ein von der Oesterr. Israelitischen Allianz abgefaßtes Glückwunschschreiben gehalten. Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Ausweis über die Hilfstätigkeit des Verbandes in der Zeit vom 1. Jänner bis 31. Dezember 1913. Ansuchen wurden eingebracht von 466 Petentinnen, Hievon wurden zur Unterstützung bewilligt 457 Petentinnen. und abgewiesen 9 Petentinnen. Die bewilligten Unterstühungsfälle verteilen sich aus die einzelnen Monate wie folgt: Jänner 1913 Februar 1913 März 1913 April 1913 Mai 1913 Juni 1913 Juli 1913 45 Petentinnen, 41 27 46 38 39 45 Oktober 1913 40 November 1913 33 „ Dezember 1913 40 „ Die bewilligten Unterstützungsfälle verteilen sich aus die einzelnen Bezirke bezw. Derbandsoereine wie folgt: 1. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein) 1 Pet. 2. Bezirk (Israel. Frauen-Verein „Greisinnenfürsorge") 108 2. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein „Zuflucht") 79 „ 3. und 11. Bezirk (Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein „Providentia") 18 „