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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 138 Dk. BlvchS Der Präsident der israelitischen Kullusgemeindc Dr. Alfred Stern, ein Urenkel Aron LeideSdorfs, richtete bei der EnthüllungSfcier an die Versammln' g folgende Ansprache: Ich komme von dem hier nachbarlichen jüdischen Friedhofe her, woselbst ich im Vereine mit 10 frommen Männern das Kadifch und die übrigen an solchen Gedenktagen üblichen Gebete verrichtete. Und da las ich nun auf dem Sarkophage, der die Hülle des vor 100 Jahren dahingeschiedenen edlen Mannes Aron Leidesdorf und seiner Gattin deckt, folgende Inschrift: „Wie im Leben einst, so im Tode nun vereint, ruhet selig hier das würtize Ehepaar, we.chrs nrunundoirrzig (49) Jahre -Hand in Hand di; Bahn der Tugend wandeite, dessen ganzes Leven der Aurüdung wohltätiger Handling:n und der Unterstützung der lerSenden Menschh.il gewidmet war, Herr Aron Leidesdorf, wohlverdienter Vertreter der hiesigen Israeliten, und durch 30 Jahre tätiger Vorsteher iyres Krankenhauses, starb im 68. Lebensjahre am 19. Februar 1814 und seine Ehegattin Frau Ludowika, geb. Maier, starb am 24. Juni desselben Jahres im 67. Lebensjahre.. Friede seiner und ihrer Asche! „Als der fromme Mann starb, vernahm man Wehllagen in den Gassen unserer Stadt, Die Armen schrien mit tränenden Augen: Wo ist nun ein Unterstützer, ein Helfer? Die Waisenkinder klagen ob des Vaters, Tue Witwen ob des dahingeschiedenen Helfers. Die Kranken seufzen: wer soll nun unsere Gebrechen heilen? Trostlos spricht man einander zu: Vergebens jede bittere Klage, umsonst jede Trauer, Denn der Tod kommt wie ein reißender Strom, Erfaßt alle, den Schlechten, wie auch den, der immer Gutes tut. Vierzig Jahre hast. Du, o Aron. Dich bemüht, Bedrückten Leben einzuhauchen, ihnen zu helfen, Die durch Hunger und Sorgen Gebeugten hast Du durch Deine Freigebigkeit vom Tode errettet. Wohl Dir, du teuere Seele, ein herrlich Los ist Dir beschstwen, Denn Du schreitest hinauf einen Pfad der Unsterblichkeit, Um die Früchte Deiner Wohltaten zu ernten. Dort im Vereine mit den Gerechten wirst Du wohnen, Unter dem Seraphim wird Dein Sitz sein, Hier dagegen sind Deine Taten für ewig eingegraben." Ties sind die Worte, eingcgrabcn auf dem Sarkophage, welcher die Hülle des edlen Mannes deckt, und ihnen folgen gleich erhabene, lob- und preisspendende für die an seiner Seite ruhende gleich gute, edle, fromme, teuere Lebensgefährtin. Mir selbst ist noch aus meinen Kinderjahren erinnerlich, mit welch liebevoller Begeisterung meine Großeltern und andere alte Leute, die den Dahingeschiedencn gekannt hatten, über ihn sprachen. Reb Aron Naß, so sein Name in der Judenschaft, war der Inbegriff alles Guten uttd Edlen, der Inbegriff der Mildtätigkeit, Barmherzigkeit, der Aufopferung für die bedrückten Glaubensbrüder. Wurde der Name genannt, da sah man Tränen blinken in den Augen der Alten, denen er geholfen hatte, oder welche Zeugen einer Hilfeleistung an anderen, einer guten, edlen Tat gewesen waren, und jeder wußte immer und immer noch Besseres zu erzählen, und jeder überbot an Lobeserhebungen den anderen. Die Wiener Judengemeinde bestand damals nicht. Etwa zu Beginn der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts waren, wie ein altes Schriftchen besagt, die Keime für die Entstehung einer jüdischen Kultusgemeinde dadurch gelegt worden, daß im Jahre 1764, also heute genau vor 150 Jahren, int Wege einer kaiserlichen Verordnung bestimmt worden war, daß Juden unter gewissen Voraussetzungen der Aufenthalt iit Wien auf Lebensdauer zu gestatten sei; denn bis dahin war die Aufenthaltsdauer eines Juden in Wien von der Willkür der Behörden abhängig gewesen und von lebens- Wochenschrkft. Ar. 9 langer Dauer schon gar keine Rede. Dann folgte das Toleranzpatent, von dessen geradezu die Begeisterung, die stürmische Dankbarkeit der Juden auslösender Wirkung wir uns heute keine Vorstellung machen können, und als nun der Juden mehr wurden — man zählte 33 ansässige Familienhäupter mit ungefähr 550. Angehörigen und Bediensteten, denen der ständige, lebenslängliche Aufenthalt in Wien, allerdings unter verschiedenen Einschränkungen gebührte, und sie dann daran gingen, neben ihrem uralten Friedhofe in der Seegafse auch ein vorhandes kleines Krankenhaus umzugestalten, da mußte wegen der Beschaffung der Geldmittel, wegen des Eigentumserwerbes, wegen der rechtlichen Möglichkeit Verpflichtungen einzugehen, ein Rcchtsfubjekt geschaffen werden, es erfolgte die Anerkennung der Judenschaft Wiens, zwar nicht als Gemeinde (dies ließ noch mehr als ein halbes Jahrhundert auf sich warten), aber die Anerkennung der Judenschaft als solche, welche' zunächst durch drei alljährliche, aus ihrer Mitte zu wählende Vertreter handlungsfähig wurde. Und einer dieser drei wohlverdienten Vertreter war mein Urgroßvater, dessen Bild auch an der Wand des Sitzungssaales unserer Gemeinde in der Reihe der Bilder der um die Gemeinde hochverdienten Männer prangt. Was nun folgt, da-s ist eben hie Geschichte der Gemeinde, ihrer Entwicklung, ihres Aufschwunges, der Bedeutung, welche, sie erlangte und heute als die bedeutendste jüdische Kultusgemeinde Mitteleuropas, als Führerin der europäischen Judenschaft behauptet. Wenn in beit 25 Jahren, da ich der Gemeinde als Mitglied des Vorstandes diene, in den nun bald vollendeten 10 Jahren, seit mir die hohe Ehre zuteil wurde, das Präsidium zu führen, mein Streben stets dahin gerichtet war und ist, die Ehre, das Ansehen unserer Gemeinde, dieser Führerin der europäischen Judenschaft zu wahren und zu mehren, das Besterreichbare für sie zu schaffen, Streit und Zerklüftung von ihr möglichst fernzuhalten, da ist es, als ob in mir lebendig wäre die traditionelle Erinnerung an meinen Stammvater, an den edlen Mann, dessen gesegnetes Andenken in unserer Gemeinde fortleben möge!!nmrb> -er Herr Direktor Prof. F l e i s ch m a n n richtete an den Präsidenten Worte des Dankes, versprach das Bild in Obhut zu nehmen und lud die anwesenden Gäste ein, die neuen Adaptierungen, sowie die neu eingcführten Heil-Institute unter der Führung des Kultusvorstehers Architekten Jakob Gärtner zu besichtigen. Der Nestor des Akt-Liberalismus, Universitätsprofessor Dr. Szeberiny, feierte am 16. Februar a. c. im engsten Familienkreise den Eintritt in sein 90. Lebensjahr. Gemahnt schon das ehrfurchtgebietende Alter an die großen Propheten, so zeigt sich uns in ungleich höherem Maße fein ganzes Wirken im Lichte dieser Geistesgrößen, an deren Mangel die Neuzeit so schwer leidet. In der Tat, er bildet mijt seiner allumspannrnden tiefreligiösen Weltanschauung einen ragenden Pfeiler inmitten unserer in Clans und Grüppchen sich zerspaltenden und zerfleischenden Gegenwart, er anerkennt in echt alttestamentarischem Sinne nur die Einheit an, sowohl in der Gottheit, wie im Menschentum. Im Menschentum achtet er nur, was er spricht, nicht aber die Mundart. In der reaktionärsten Epoche ausgewachsen — er wurde 1825 geboren — verstand er es, trotz durchaus paftoraler Abkunft, gleichwohl sich von jeglichem Zelotismus fernzuhalten. Schon sein Bildungsgang zeigt eine höhere Linie, als bei den meisten seiner Berufsgenossen, die depn auch wesentlich dazu beitrug, seine freiere Lebensauffassung zu festigen. Ihm war es gegönnt, in Jena den großen Kirchenlehrer

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