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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 137 am stärksten und ausschlaggebend vertreten ist. Die sozialdemokratischen Mandatare mit dem Gehilfenobmann Karl Pick an der Spitze, sind nicht jedes jüdischen Angestellten unbedingtes Ideal, weil es erstens entgegen aller antisemitischen Lügen unwahr ist. datz alle Juden sich bedingungslos zur Sozialdemokratie bekennen und zum Rassenauch noch den Klassenhatz gesellen wollen, weil wir ferner meinen, datz die Zahl der jüdischen Funktionäre, an der Kopfzahl der jüdischen Angestellten gemessen, nicht im richtigen, sondern in einem uns etwas benachteiligenden Verhältnis steht und weil schließlich diese jüdischen Mandatare sich gar nicht als Juden, sondern eben nur als Sozialdemokraten gerieren. Aber von diesen mehr politischen Bedenken abgesehen, müssen wir sagen, datz die derzeitige Gehilfenvertretung klaglos funktioniert und so manches erreicht hat, besonders, wenn wir die antisemitische Gehilfenvertretung mit dem verflossenen Herrn Axmann dagegen halten. Wir jüdische Angestellte, die wir keine Sozialdemokraten sind, müssen uns bei dieser Wahl lediglich fragen, welches das kleinere Uebel ist. Da die sozialdemokratische Sippe Karl Pick und Kollegen keine anderen ernstlichen Gegner hat, als deutschnational-chriftlichsoziale Radauantisemiten, so kann in diesem Falle eine Stellungnahme gegen die sozialdemokratischen Kandidaten nichts anderes bedeuten, als eine indirekte Unterstützung der Antisemiten und um ein solches alle, auch die nichtjüdischen Angestellten, aufs allerschwerste schädigendes Resultat zu verhindern, müssen wir schon mit Hintansetzung aller sonstigen Einwände die Sippe Karl Pick und Kollegen talkräftigst unterstützen. Wir jüdische Angestellte haben einen doppelt schweren Eristenzkampf zu führen. Erstens teilen wir das immer schlechter werdende Angestelltenlos mit den christlichen Kollegen und finden dabei — und das ist unser speziell jüdisches Leid — wegen unserer Zugehörigkeit zum Judentum so manchen einkömmlichen Posten für immer verschlossen. Sollen wir dazu noch der antisemitischen Hetze in unserer Gehilfenvertretung Tür und Tor öffnen? Soll es wieder werden wie zu Armanns Zeit, wo selbst die Aerzte so antisemitisch verhetzt waren, datz sie die bei ihnen Hilfe suchenden Patienten in Juden und Nichtjuden einteilten? Hat doch in der Aera Armann ein damals angestellt gewesener Kassenarzt einen schwerkranken, sich in Schmerzen windenden Angestellten, der hilfesuchend zu ihm kam und zufällig ein jüdisches Aussehen hatte, dabei aber gar kein Jude war, mit dem im Eisenbachjargon gesungenen Worten empfangen: „Ru, was werden wir denn miteinander handeln?" Soll es wieder dahin kommen, datz wir in den Geschäften, statt gemeinsam unsere Interessen zu verfechten, mit den christlichen Kollegen in steter Fehde liegen? Nein! Die Gegensätze, die uns von der Sozialdemokratie trennen, werden wir auf dem Boden der Politik mit ihr ausfechten. Als nüchtern den Tatsachen ins Auge sehende Menschen müssen wir uns sagen, datz wir, derzeit zumindest,! die Antisemiten, die noch dazu die Stirne haben, den reifen Wiener Angestellten einen jungen Menschen als Kandidaten zu präsentieren, der erst vor kaum drei Monaten aus einem böhmischen Dorfe nach Wien importiert wurde und von Wiener Verhältnissen keinen blauen Dunst hat, nicht anders als durch Abgabe unserer Stimmen für: Karl Pick und Kollegen bekämpfen können, und darum ist es Pflicht der jüdischen Angestellten männlichen und weiblichen Geschlechts, in diesem Sinne ihr Wahlrecht auszuüben! Unverbürgte Gerüchte besagen, datz diesmal auch die jüdischnationalen Angestellten mit einer eigenen Kandidatenliste in den Wahlkampf treten wollen. Die Gründe, die ^hiefür maßgebend sein mögen, in affen Ehren, aber ein solches Beginnen scheint uns denn doch ein zu gefährliches Erperiment, da es geeignet ist, gerade die gegenteilige als die erwünschte Wirkung zu erzielen. Man könnte ja auch einwenden, datz es in uns rer Gehilfenvertretung und in der Gremialkrankenkasse, die - man mutz hier wirklich alle Parteilichkeit beiseite lassen — musterhaft geleitet wird, kaum Agenden zu erledigen gibt, die religiösen oder nationalen Einschlag haben. Aber hievon abgesehen, könnte eine solche Kandidatenliste doch nur der nichtantisemitischen und niemals der antisemitischen Liste Stimmen wegnehmen und, da doch keinerlei Aussicht besteht, datz die Jüdischnationalen die Mehrheit erlangen könnten — Stichwahlen gibt es bei Gehilfenwahlen nicht nur den Antisemiten zu einem billigen Triumph verhelfen. Wir meinen daher, datz ein solches Erperiment besser unterbliebe und datz es, wenn dennoch gewagt, kaum die Unterstützung nüchtern und vernünftig denkender jüdischer Angesteffter finden kann und wird. Um zu rekapitulieren: Wir jüdische Angestellte haben uns zunächst zu fragen: Wissen wir bei der derzeitigen Gehilfenvertretung unsere allgemeinen Interessen schlecht aufgehoben? Wenn wir dies gerechterweise verneinen, so müssen wir ihr, da etwas besseres mit Aussicht auf Erfolg dermalen nicht zu sehen ist, wieder unsere Stimmen geben, weil wir nach Verneinung obiger Frage nur noch die Ehrenpflicht haben, die antisemitische Gefahr, die sich wieder in die Reihen der Angestellten schleichen will, zu bannen. Die Parole der jüdischen Angestellten bei der Gehilfenwahl am 8. März mutz daher lauten: für Karl Pick und Kollegen! "A. Ikorrespon' nzen. Die Leidesdorf-Feier im Spirale der israelitischen Kultusgemeinde. Anläßlich der hundertsten Wiederkehr des Todestages des „wohlverdienten Vertreters der Wiener Israeliten und durch 40 Jahre tätigen Verwalters ihres Krankenhauses", Aron Leidesdors s. A., fand am Mittwoch, den 25. Februar, 12 Uhr mittags, die Enthüllung des Bildnisses des Dahingeschiedenen im Zitzungssaale des Zpitales der israelitischen Kultusgemeinde, XVIII., Währinger Gürtel 07, statt. Zu der Feierlichkeit hatten sich eingefnnden u. a.: Präsident Dr. Alfred Ster n, sein Neffe Dr. G o l db e r g e r, dessen Gattin, eine Urenkelin Leidesdorfs, Schöpferin des zu enthüllenden Bildes, I. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n, die Vertreter Prof. Dr. Josef Pollak, Adolf Schrämet, die Kultusvorsteher Prof. Tr. S. Ehrmann, Architekt Jakob Gärtner, Ernst H i r f ch, Eni. H o f f m a n n, Eduard Schwär z, S. Steine r, Mar Z i r n e r, die Bethausvorsteher Karl Freund, Theodor Kohn, Dr. Elias Münz, Spitals- ' drrektor Dr. Fleifchmann, Prim. Prof. Dr. Zuckerkand l, Prim. Prof. Tr. Braun, Prim. Dr. B r e u e r, sämtliche Spitalsärzte mit dem Verwalter Dr. K o r a n v i I. Sekretär Dr. Theodor Lieben, Sekretär Dr. Emst Adler, Amtsleiter Braun, Vizesekretär G.; Fuchsgelb, Verwalter Josef Steine r, B ea <, *;: : Alfred Meißner, die Präsidentin des Damen-Kr»»ii: Frau Jda Diamant, der Vereinsrabbiner des DöbO : er Tempels Feldprediger Dr. Arnold Frankfurter, v : der Bezirkskommission Währing-Döbling d'' V" e-: Engel de Ianosi und Markstein, die Betha>'.s- : > Vereinsvorfteher Josef Nossig, Dr. Jakob Kohn, Ignaz Winter.

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