Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 9 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022099--22911-3048082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 136 Dr. Blochs Wocheuschrjft. Nr. 9 Zur Vollendung des Krankenhauses, welches nach seiner Fertigstellung 112 Betten und alle Räumlichkeiten, die die moderne Medyin und Hygiene erfordern, enthalten wird, fehlen jedoch noch 16Q.000 M. Da eine ganze Anzahl von Zeichnern größerer Beträge die Bedingung stellte, daß die Verwaltung der Gelder von einem europäischen Komitee geschähe, hat sich nach langwierigen und eingehenden Verhandlungen mit der bisherigen Jerusalemer Verwaltung des Bikur Lholim-Hospitals ein Zentral-Komitee mit dem Sitz in Hamburg gebildet, welchem die Zentralisierung der Geldsammlungen und ihre Verwaltung und die Kontrolle über den fortzuführenden Neubau, insbesondere unter Berücksichtigung der modernsten hygienischen Forderungen, übertragen wurde. Den Vorsitz hat Herr Oberrabbiner Dr. S. Spitzer übernommen, das Amt des stellvertretenden ^Vorsitzenden Herr W. Wreschner. das des Schatzmeisters Herr Moritz S. Wolff, des Schriftführers Herr Leopold Landau. Ferner gehören dem Zentralkomitee die Herren Rechtsanwalt Dr. Cäsar H e ck s ch e r. Siegfried Levy, Dr. med. S. Möller und Dr. S. S o s k i n an. Das Bureau des Zentralkomitees befindet sich in Hamburg, Große Bleichen 67/1. Es ist zu erwarten, daß die Erkenntnis der Notwendigkeit eines großen, allen Ansprüchen genügenden jüdischen Gemeinde-Krankenhauses in Jerusalem diesem Werk ein ebenso tatkräftiges Interesse sichern wird, wie es die eingangs erwähnten wissenschaftlichen Forschungsbestrebungen fanden, darf doch bei Arbeiten, die im wesentlichen der zukünftigen Besserung der sanitären Verhältnisse Palästinas gellen, die bedürftige Gegenwart nicht übergangen werden. Achtung des religiösen Empfindens. Unter vorstehendem Titel' druckt die katholische ..Schles. Volksztg." folgende Zuschrift ab: Breslau, den 15. Febr. 1914. Sehr geehrte Redaktion! In Ihrer heutigen Morgenausgabe beschäftigen Sie sich mit einem Rundschreiben, das der Allgemeine deutsche Sprachverein anläßlich eines bevorstehenden Maskenfestes in Myslowitz verschickte, worin er unter anderen Masken auch die eines Kapuziners und die des Shylock vorschlug. Der Landtagsabgeordnete Goebe! strich hieraus die Gestalt des Kapuziners in dem vollkommen berechtigten Empfinden, daß ..das katholische Ordensgewand nicht in die Serie der Fastnachtskostüme eingereiht werden dürfe". Gestatten Sie mir. als einem Israeliten, auch gegen den Vorschlag des ..Shylock" Protest zu erheben, obwohl ich nicht dem Allgemeinen deutschen Sprachverein allgehöre. Die ganze Gestalt des Shylock ist eine große Beleidigung für das Judentum, und sie entspricht außerdem noch einer geschichtlichen Unwahrheit. Denn in der Gestalt des Shylock will der Dichter die Rachsucht als Wesen des Judentums kennzeichnen. Wenn nun allerdings der jüdische Gott zwar ein Gott der Gerechtigkeit ist, so ist er doch nicht Mitnder ein Gott der Liebe. Zahlreiche Stellen des Alten Testamentes drücken dies aufs bestimmteste aus. so zahlreich, daß es hier nicht möglich ist, sie alle zu zitieren. Den Hauptbeweis aber für das Gebot der Liebe im Alten Testament bietet die Erscheinung Christi selber, der dann die Liebe in deü »Mittelpunkt seiner Lehre stellte. Erst wenn man Nachweisen könnte, daß Christus seiner Herkunft nach mit dem Judentum überhaupt nichts zu tun hätte, könnte man das Gebot der Liebe als eine Neuschöpfung betrachten. Dieser Nachweis aber ist nicht gelungen. Das Gegenteil ist richtig, wie es Weinet in schönen Worten ausdrückt: „Die Gestalt Jesu trägt in den drei ersten Evangelien soviel Lokalfarbe, das Aramäische, Jesu Muttersprache, schimmert überall so deutlich durch, daß ein griechischer Italiker des zweiten Jahrhunderts niemals eine solche Figur hätte erfinden können. Nicht am Hofe der Kaiser, nicht im .Rom des zweiten Jahrhunderts, nicht im Kopfe eines hellenischen Dichters, sondern in Galiläa und in der Wirklichkeit ist Jesus Zu Hause. Am See, wo die Fischer ihre Netze auswerfen, auf dem Berge, wo die Feuerlilien blühen und das Korn im Abendwinde rauscht, wo die kleinen Vögel in den Büschen dem Schöpfer ihr Abendlied singen, da ist seine Heimat, da hat er wirklich gelebt, und dieses Leben glüht noch heute in seinen Worten." (Dgl. Dr. Reinhold, der Alte und der Neue Glaube, 1909, p. 189.) Und noch -ein dritter Beweis dafür, wie tief die Empfindung der Liebe in Israel wurzelte! Das ist der Friedensgedanke seiner Propheten, die Hoffnung auf jene Zeit, wo die Schwerter zu.Sicheln und die Lanzen zu Winzermessern umgeschmiedet werden, und kein Volk wider das andere das Schwert erhebt. Dieser Friedensgedanke, dessen Verwirklichung aber nur durch die Religion möglich ist, entspringt reinster Menschenliebe. Er steht in scharfem Gegensatz zu den mannigfachen Ausbrüchen des Hasses in heutiger Zeit, insbesondere auch zu jener infamen und traurigen Erscheinung, die als Rassenantisemitismus weite Kreise des deutschen Volkes ergriffen hat. In vorzüglicher Hochachtung _Univ.-Professor Dr- Arthur Sachs. Dazu bemerkt die Redaktion der „Schles. Volksztg": „Wir haben die vorstehende Zuschrift gern wiedergegeben, wenn wir uns,.auch nicht mit jedem Worte des geschätzten Herrn Einsenders identifizieren möchten. In der Sache selbst sind wir durchaus mit Herrn Professor Sachs der Meinung, daß auch die Person des Shylock aus der Reihe der Karnevalsgestalten auf dem Fest der Myslowitzer Ortsgruppe des Deutschen Sprachvereins ausscheiden sollte, weil die Israeliten sich dadurch verletzt fühlen müssen. Wir wüßten nicht, warum die Gläubigen aller Religionen nicht alle gebotene Rücksicht auf einander nehmen sollten._ Die Grhilfenmahlen der Wiener Handels angestelUe« Von einem jüdischen Handelsangestelllen. Die dreijährige Funktionsperiode des Gehilfenausschusses im Gremium der Wiener Kaufmannschaft und des Vorstandes der Gremialkrankenkasse geht zu Ende und Sonntag, den 8. März, finden im Saale der Börse am Schottenring die Neuwahlen statt. Während sich die Gehilfenwahlen in den meisten anderen Gewerbegenossenschaften in aller Ruhe, von der Oeffentlichkeit fast unbemerkt, abwickeln, tobt regelmäßig um die seit 12 Jahren von Sozialdemokraten besetzten Mandate der Gehilfenvertretung der Handelsangestellten ein so heftiger Kampf, afe ob es sich um politische Wahlen und nicht um Wahlen in rein wirtschaftliche Verwaltungskörper handeln würde. Der Grund hiefür ist wohl darin zu suchen, daß die Angestellten eine neue, immer stärker werdende Mittelschicht bilden, die zum großen Teile ohne festen Halt zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft hin und her pendelt und sich nicht entschließen kann, sich in die Reihen dieser oder jener Klasse einzugliedern. Daher der immer heftigere Formen annehmende Kampf unter den Parteien um die Gunst und die Stimmen der Angestellten. OhUe uns in diesen politischen Kampf mengen zu wollen, halten wir jüdische Angestellte uns doch verpflichtet, zu diesen Wahlen deshalb Stellung zu nehmen, weil gerade in dieser Berussgruppe das jüdische Element