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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 13b Prozeh, der eigentlich ein allgemein jüdischer Prozeh war, erweckt hat, und wie stark der Anteil war. den man überall an meinem Schicksal genommen hat. Da ich mich seit meiner Befreiung noch immer nicht vollständig beruhigen konnte, und meine Lage überhaupt noch unbestimmt ist, so daß mir die Möglichkeit fehlt, jedem besonders zu antworten, fühle ich mich doch jetzt, bevor ich Europa verlasse, verpflichtet, im Wege des „Haint" allen jenen, denen meine Leiden so sehr zu Herzen gingen und die auch an der Freude über meine Befreiung teilnahmen, den tiefsten Dank auszusprechen. Ich kann nur sagen, dah ich bis an mein Lebensende nicht die unendliche Freude vergessen werde, die mir alle diese Briefe und Begrüßungen bereitet haben. Sobald ich mit Gottes Hilfe im Heiligen Lande angekommen und, wie ich hoffe, ein stilles, friedliches Heim gefunden haben werde, werde ich mich bemühen, soweit möglich, alle diese Briefe und Telegramme schriftlich zu beantworten und jedem besonders ineinen Dank abzustatten. Triest, 9. Schebath 5674- Mendel Veilis." Der Dank des Grafen Bobrinski an den jüdischen Advokaten. Aus Marmaros-Sziget wird uns gemeldet, dah der Verteidiger der angeklagten Ruthenen in dem fenf^ tionellen politischen Prozesse, Dr. Klein, von dem Grafen Bobrinski aus Petersburg, der bekanntlich einer der äußersten chauvinistischen Reaktionäre ist. ein in lobenden Ausdrücken sich ergehendes Dankschreiben für seine hervorragende juristische und humane Tätigkeit im Interesse der ..verfolgten Ruthenen" erhielt. Graf Bobrinski hat auch in seinem panslavistischen Klub in Petersburg des jüdischen Advokaten Dr. Klein in Marmaros-Sziget lobend gedacht und unter anderem gesagt, es wäre zu wünschen, dah auch Ruhland sich solcher Männer wie Dr. Klein rühmen könnte. Eine Meldung der „Rossija" aus Palästina. Aus Petersburg wird geschrieben: Ziemliches Aufsehen erregt hier eine Mitteilung des Jerusalemer Korrespondenten der offiziösen ..Rossija" über die Juden im Heiligen Lande. Laut dieser Meldung seien die russischjüdischen Kolonisten in Palästina die besten Vertreter und Verbreiter der russischen Sprache, russischen Kultur und der russischen Sitten wie auch der russischen Waren in Palästina. Der Dragoman der russischen Botschaft habe dem Korrespondenten erklärt, dah man die Kolonisation der russischen Juden in Palästina fördern und unterstützen mühte, da sie das beste Mittel sei, die deutsche Kolonisation in Palästina zu verdrängen. Vodenkauf ausländischer Juden in Palästina. Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Dieser Tage weilte hier eine Abordnung in Palästina lebender ausländischer Juden, welche dem Grohrabbiner der Türkei Chaim Nahum den Dank für seine erfolgreichen Bemühungen wegen Abschaffung des ..Roten Zettels" aussprach, ihm aber gleichzeitig die Bitte vorlegte, nunmehr auch 'mit Energie dafür einzutreten, dah den ausländischen, nicht ottomanischen Juden in Palästina der Erwerb von Grund und Boden gestattet werde. Dieses Verbot lastet auf den Juden viel schwerer als der „Rote Iudenpah" es tat, auf Grund dessen man bekanntlich die Erlaubnis von einem bloß dreimonatigen Aufenthalt in Palästina erhalten hatte. Während nämlich die Maßregel mit dem „Roten Zettel" in den letzten Jahren niemals strikte ausgeführt wurde, wird das Verbot des Bodenerwerbes ausländischer Juden mit aller Strenge gehandhabt. Der Grohrabbiner versprach,- natürlich auch in dieser Angelegenheit mit Nachdruck zu intervenieren, war auch in der Lage, mitzuteilen, dah die Regierung jetzt den Juden günstiger gestimmt sei, mußte aber zugeben, dah sie bei allen Versuchen, den Ankauf von Grundbesitz durch ausländische Juden zu erleichtern, auf den heftigsten Widerstand der Araber stößt. Die Regierung wolle daher diese Erleichterung auf Umwegen gewähren, indem sie die Erlangung der türkischen Staatsbürgerschaft durch die Juden in der weitestgehenden Weise erleichtert. Bezeichnender Weise machen jedoch die Juden, ja selbst die russischen Juden, von diesen Begünstigungen bei der Naturalisation nur in sehr geringem Maße Gebrauch. Diese Erscheinung wird damit erklärt, daß es der türkischen Regierung bisher noch nicht gelungen sei, in den Provinzen jene Mißwirtschaft und Beamtenherrschaft aufzuheben, welche noch zur Zeit Abdul Hamids aeherrscht hat. Demzufolge genießen die Juden in Palästina eire viel größere Sicherheit und einen nachhaltigeren Schutz, wenn sie einem fremden Staate, und sei es selbst Ruß' land, angehören, als wenn sie der Willkür der türkischen Beamten ausgesetzt sind. Sanitäre Bedürfnisse in Jerusalem. Eine Anzahl jüngerer Organisationen, welche sich die Erforschung Palästinas in sanitärer Beziehung und eine planmäßige Bekämpfung der dort seuchenartig auftretenden Krankheiten zur Aufgabe gemacht haben, sind gerade in letzter Zeit wiederholt an die Oeffentlichkeit getreten. Der unter Protektorat der deutschen Kaiserin stehende „Deutsche Verein zur Bekämpfung der Malaria" hat bereits in Gemeinschaft mit dem von dem amerikanischen Philantropen Nathan Strauß unterhaltenen „Iewish Health Bureau" und der von der „Gesellschaft jüdischer A e r z t e und R a t u r Wissenschaftler für s a n i t ä r e Interessen in P a lä st i n a" ins Leben gerufenen Station für Seuchenbekämpfung als „Internationales Gesundheitsamt" in Jerusalem unter Leitung des Prof. Mahlens vom Hamburger Tropenhygienischen Institut seine Arbeiten begonnen. Berichte, welche neuerdings in der Tagespresse und in Wochen- und Fach-Zeitschriften zahlreich erscheinen, legen beredtes Zeugnis dafür ab. wie umfangreich das Arbeitsgebiet dieses Institutes ist und wie reformbedürftig die bisherigen sanitären Einrichtungen in Palästina, ganz besonders aber in Jerusalem sind. Tausende fallen jäh'lich allein in Jerusalem Krankheiten und Seuchen zum Opfer, lediglich dadurch, daß es an Krankenhäusern, dieser Elementarforderung moderner Hygiene, fehlt. Den Bekennern der christlichen Konfessionen stehen zwar ausgezeichnete Krankenhäuser zur Verfügung: sehr schlecht steht es jedoch um die Krankenversorgung der ca. 60,000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung Jerusalems. Das Krankenhaus der dortigen jüdischen Gemeinden, das „Bikur Cholim- Hospital". welches vor etwa 70 Jahren errichtet wurde und vorzugsweise von dem ärmeren Teil der Bevölkerung ausgesucht wird, hat sich längst als zu klein erwiesen: auch entsprechen die hygienischen und medizinischen Einrichtungen bei weitem nicht mehr den modernen Ansprüchen. Wegen Platz- und Geldmangel müssen täglich unzählige Kranke abgewiesen werden. Aus diesen Gründen bemühen sich seit vielen Jahren die Jerusalemer Gemeinde-Institutionen, das Hospstal zu erweitern und einen Neubau aufzuführen. Die Bewohner Jerusalems selbst haben ansehnliche Beträge hierfür gezeichnet. Aus Amerika und Rußland sind gleichfalls größere Summen bewilligt und versprochen worden, so daß die Jerusalemer Verwaltung den Neubau in Angriff nehmen ließ. Die für den 1200 Quadratmeter groben Bauplatz und die bisherigen Bauten verausgabten Kosten von 90,000 M. wurden durch Sammlungen aufgebracht-

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