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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 130 Dr. Biochs Wochenschrlsl. *■. 9 gesagt: „Nach dem Manne sei dein Verlangen." Durch Arbeit und Liebe werdet chr euch selber ein Paradies schaffen, das solchen Namen in Wahrheit verdient, aus dem niemand die Menschen fürder wird vertreiben können. In bezug aus die Opferung Isaaks schreibt er z. d. (p. 14): „Selbst wenn man die genaue Erzählung, so wie sie ist, wärt-' lich nimmt, kommt man zu den grellsten Widersprüchen. Der allwissende Lenker der Welt hätte doch ohne diese Probe die Ergebenheit und den blinden Gehorsam Abrahams rennen sollen. Selbst ein Sterblicher, der sich auf seine Menschenkenntnis etwas einbildet, mutz doch wissen, wie weit er auf die Ergebenheit eines Menschen rechnen kann. Die grausame Probe war also von Gott eine überflüssige Farce, deren Ausgang ihm ohnedies im vorhinein bekannt sein mutzte, oder die vielgerühmte Allwissenheit ist in Frage gestellt." Mit solcher Oberflächlichkeit wird über eines der sinnigsten Kapitel der alten Literatur abgeurteilt, welches zum erstenmal gegGn die Greuel des Menschenopfers einen Protest enthält, indem es erzählt, wie Abraham bereit gewesen wäre, seinen einzigen Sohn Gott zu opfern und davon Abstand nahm nicht etwa aus Mitleid und väterlicher Schwäche, sondern weil er die Gottesstimme vernahm: „Strecke nicht die Hand aus nachdem Knabe n." Daß diese Geistestat, diese erleuchtete und erleuchtende Erkenntnis dem ältesten Patriarchen, schon Abraham zugeschrieben wird, ist von jener elementaren Gewalt, die nur verspürt, wer nicht an der Oberfläche haften bleibt, sondern in der Dinge Tiefen dringt. Aus den Werken christlicher Bibelkritiker hat der Autor erfahren, daß der Pentateuch aus verschiedenen Bestandteilen besteht, die in einer späteren Zeit zu einem einheitlichen Ganzen umgeschaffen worden sind, lieber die Ursache der Erscheinung und über den Hergang ist Dr. Blum natürlich völlig in Unkenntnis. Ein wenig Nachdenken hätte ihm die Aufklärung selber gebracht. Die uralten mosaischen Urkunden waren bei den alten Hebräern im Tempel als Geistesschatz aufbewahrt. Schreib¬ und Schriftkunde waren vor drei Jahrtausenden nicht verbreitet, es gab nur vereinzelte Exemplare. Bei jeder staatlichen Katastrophe wurde diese Literatur mitbetroffen, zum Teil nur in Bruchstücken gerettet, von verschiedensten Exemplaren verschiedene Bestandteile. Nach der Restauration war man selbstverständlich bemüht, die überlieferte Literatur nach Möglichkeit wieder herzustellen. Solche staatliche Katastrophen haben sich aber wiederholt, und da darf man sich nicht wundern, daß der Text hie und da eine Beschädigung erfahren, mancher hohe Gedanke nicht in der alten Prägnanz und Schärfe erscheint. Dr. Blum schreibt aber über die Urkunden der hebräischen Bibel: „Die Autoren des Alten Testaments sind uns überhaupt nicht bekannt. Die Vermutung führt auf ganz obskure, höchst bedeutungslose Männer, die bei ihrer Arbeit weder den Sinn für geschichtliche Wahrheit, noch das Bestreben einer vernünftigen Auswahl des Stoffes besaßen, sondern entweder ganz blindlings alle mündlich und schriftlich vorliegenden Ileberlieferungen zu Papier brachten, oder, da sie Priester waren, ihren pfäffischen Zwecken gemäß die Erzählungen zurechtstutzten, und wenn das nicht ging, entsprechendere erfanden. Jede Lüge, jede Eeschichtsfälschung war ihnen willkommen, sie scheuten sich nie, ihr erbärmliches Machwerk unter dem Namen großer Autoritäten zu lanzieren, es fehlte ihnen jede Spur von Ehrlichkeit und Verläßlichkeit, sie hatten nicht einmal das Gefühl ihrer Niederträchtigkeit und glaubten sogar ein gottgefälliges Werk zu vollbringen, indem sie der Menschheit, mit einigen wässerigen Moralprinzipien vexiert, ihre eigenen Erfindungen ausbanden." Schon die Zügellosigkeit der Sprache, der Mangel jeder Spur von Pietät vor Geistesdenkmälern von einem 3000jährigen Alter zeigt die trüben, übelriechenden Quellen, aus welchen der Autor seine Kenntnis geschöpft. Es ist traurig und beschämend zugleich, daß Juden in die Niederungen eines solchen Jargons verfallen. Diesem Dr. Blum jüdische Urteile entgegenzuhalten, wäre vielleicht unangebracht, da er es grundsätzlich vermeidet, jüdische Männer der Wissenschaft zu Rate zu ziehen. Es sei indeß daran erinnert, wie hoch der Dekalog von einer so anerkannten Autorität im Reiche der Wissenschaft, wie es der berühmte Leipziger Physiker und Philosoph Wilhelm Wundt ist, eingeschätzt wird: „Der unvergleichliche Wert des Dekalogs besteht darin, daß er in seiner ausdrucksvollen Küi^e das ehrwürdigste Zeugnis für die Unvergänglichkeit der sittlichen Grundsätze selbst ist, das wir besitzen. Ihn verbessern wollen, würde ein Attentat gegen den Geist der Geschichte, ihn durch einen Dekalog moderner Erfindung nachahmen wollen, ein törichtes Unternehmen sein. Der Religionslehrer mag ihn für unsere Zeit interpretieren, wie dies Luther für seine Zeit getan hat. Von dem Dokument selbst lasse er die Hände!" Dem israelitischen Prophetismus hat — in seinem gleichnamigen Werke — der bekannte Alttestamentler Prof. Cornill das schöne Zeugnis ausgestellt: „Die Geschichte der gesamten Menschheit hat nichts heroorgebracht, was auch nur entfernt sich mit dem israelitischen Prophetismus vergleichen ließe. Durch seine Propheten ist Israel der Prophet der Menschheit geworden." Prof. Gunkel-Gießen nannte an einem Anfang dieses Jahres von Hamburger kirchlich-liberalen Kreisen veranstalteten Vortragsabend über das Thema: „Was haben wir mit dem Alten Testament noch zu schaffen?" die Propheten des Alten Testaments zum großen Teile Dichter ersten Ranges: „Sie reden mit majestätischem Schwünge, erfüllt von einem brausenden, glühenden Zorn oder überquellender Begeisterung, dann wieder hinschmelzend vor Erbarmen oder sich emporraffend zu mutigem Glauben. Die ganze Welt der alttestamentlichen Lyrik ist geradezu ergreifend. Alle übrige Dichtkunst der alten Völker ist der israelitischen unterlegen." An den biblischen Geschichtsschreibern rühmte Prof. Gunkel ihre „bewunderungswürdige TenLenJl o s i g k e i t": „Ueberail im Orient stehen die geschichtlichen Ueberlieferungen Um Dienste der Tyrannen, in Israel aber beugen sich die Geschichtsschreiber nicht unter die Könige. Diese streng geschichtlichen und mehr poetischen Erzählungen haben vor allen modernen Erzeugnissen große Vorzüge, nämlich ihre Schlichtheit und Einfachheit, dann ihre künstlerische Schönheit. Sie eignen sich daher ganz besonders für den Unterricht der Kinder." In bezug auf das Deuterononium wird von Dr. Blum ein Wort von St. Roß angeführt: „Woher wußte denn Hilquia, als er das Buch angeblich im Tempel gefunden hatte, daß es von Moses sei?" „Welche Beweise haben wir dafür, daß es nicht etwa von Hilquia selbst geschrieben wurde." Dr. Blum selber fügt hinzu: „Der Stil und Inhalt weist allerdings auf einen beschränkten, habgierigen Pfaffen (!), dem wir als Autor des Priesterkodex, als Verfasser eines großen Teiles des Pentateuch begegnen." Man mag billig bezweifeln, ob Dr. Blum das V. Buch Mose auch nur in deutscher Uebersetzung je wirklich gelesen hat. Wir zitieren nur eine Stelle: „Denn der Ewige, Euer Gott, ist pin Gott der Götter, groß, stark und furchtbar, der kein Ansehen der Person achtet, den Dein Gebet und Opfer nicht besticht, er schützt das Recht der Witwe und Waise, er liebt den Fremdling ihm zu geben Brot und Kleid: So sollt Ihr 4>en Fremdling lieben, denn Fremdlinge ward auch Ihr im Lande Mizrajim. Also sollt Ihr den Ewigen Deinen Gott fürchten, ihm dienen, ihm anhangen, bei seinem Namen schwören: Das sei dein Ruhm. Und er ist Dein Gott, der für Dich vollbracht hat all die großen,'und furchtbaren Taten, die Deine Augen gesehen." (5. Buch Mose, Kap. 10,17—22.,1 Aehnlich heißt es Kap. 27, 19: „Verflucht sei, wer das Recht beugt dem Fremdling, der Waise und der Witwe, und das ganze Volk spreche Amen." Ob dieser ethische Imperativ heute nach drei Jahrtausenden schon überholt ist und ob das Buch, welches diese Mahnungen seit Jahrtausenden den Völkern

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