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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-20 · 8 (20.2.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 120 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 Eine Gedenkfeier für jüdische Kriegshelden. In der Lemberger großen Synagoge fand vorige Woche eine erhebende Feier zum Andenken an die jüdischen Helden des 30. Regiments, welche vor 50 Jahren im Feldzuge gegen Dänemark sich durch ihren besonderen Heldenmut ausgezeichnet haben, statt. In diesem polnischen Regiments kämpften sehr viele Iuden, von denen die Kriegsgeschichte viel Bewunderrungswürdiges zu erzählen weih. In der Kriegsgeschichte des Regiments wird ganz besonders hervorgehoben, daß die Juden wie Löwen gekämpft hätten. So wird unter Anderem erzählt, daß als ein Angriff der Dänen eine ganze Kompagnie des dreißigsten Regiments zu vernichten drohte, einer der jüdischen Soldaten namens Gruental vor die Front lief, und die ganze Kompagnie mit solchem Feuereifer zu heldenmütigem Ausharren anfeuerte, wodurch die Mannschaft von solchem Mute beseelt worden sei, dah die Gegner nach kurzem Gefechte zur Kapitulation gezwungen wurden. Von einem anderen jüdischen Soldaten wird erzählt, dah er trotz seiner schweren Verwundung in der entscheidenden Schlacht das Lazareth, in welches er gebracht wurde, verlieh und sich an die Spitze einer Kompagnie Lemberger „Jungens" gestellt pnd sie zu sieghaftem Kampfe angeführt hat. Bei der oberwähnten Feier zu Ehren dieser jüdischen Kriegshelden war das Lemberger Offizierskorps durch eine Abordnung von Offi» zieren mit einem StabsoffiZier an der Spitze vertreten. Auch die Mannschaft delegierte eine Abordnung. Nach einer ergreifenden Haskara, in welcher die Namen aller in jenem Kriege gefallenen jüdischen Soldaten genannt wurden, hielt der Feldrabbiner Dr. Guttmann eine wirkungsvolle patriotische Rede, in welcher er darauf hinwies. dah jene jüdischen Kriegshelden nur im Geiste der jüdischen Religion und der Tradition gehandelt haben, als sie ihr Lebenfür das Vaterland in die Schanzen lchl-'gen und d(N Posten, auf den '’e gestellt wurden, mit dem Einsatz ihres Lebens bis zum letzten Tropfen Blut verteidigten. Auszeichnung eines jüdischen Gendarmerieinspektors. Wie das türkische Amtsblatt mitteilt, hat der Sultan über Vorschlag des Kriegsministers Enver Pascha dem Chef der Generalinspektion der Gendarmerie Jsäac Iessua Bey zum Offizier des Medgige-Ordens ernannt. Der Ausgezeichnete hat sich um die Reform des Gendarmeriewesens große Verdienste erworben. Mieden eines bedeutenden kroatischen Juden. Aus Agram wird uns geschrieben: Vorigen Samstag verschied hier der Präsident der Chewra Kadifcha und Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde, Bürger der Stadt Agram, Jonas Alexander im Alter von 82 Jahren. Ein richtiger Self-made man war Alexander der Typus jener Männer, die sich aus eigener Kraft verdientes Ansehen verschaffen und 1>te ihre Ehrlichkeit und Arbeitskraft in den Dienst jeder kulturellen und Humanitären Sache stellen. Der Verstorbene hat an der Hebung und Begründung des größten Teiles der Agramer industriellen und finanziellen Unternehmungen mitgewirkt. Er war auch Zensor der österreichischungarischen Bank. Im öffentlichen Leben Agrams spielte Alexander eine bedeutende Rolle. Im Jahre 1867 erwarb er sich das Bürgerrecht der Stadt, war vom Jahre 1892 bis 1904 Mitglied des, Stadtgemeinderates, sowie. Mitglied der Agramer Handels- und Gewerbekammer, von deren im Jahre 1874 erfolgten Gründung ununterbrochen bis 1907. Auch am jüdischen Kultusleben nahm er lebhaften Anteil, gehörte bis zu seinem Ableben dem Vorstande der Kultusgemeinde an und war Präsident der Chewra Kadischa. Für seine Verdienste im öffentlichen Leben wurde er vor drei Jahren mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet. An seinem Leichenbegängnisse haben außer den Vertretern der Kultusgemeinde und zahlreicher jüdischer Organisationen, auch die Delegierten der Landes- und städtischen Behörden teilgenommen. Jüdische Zeugen im ungarischen Ruthen enprozeß. Aus Marmaros-Sziget, woselbst jetzt der sensationelle Prozeß gegen die Ruthenen geführt wird, wird uns geschrieben: Gleich nach der aufsehenerregenden Aussage des Grafen Bobrinski aus Petersburg wurde eine Anzahl jüdischer Zeugen verhört. Der Gastwirt Benjamin Groß sagte aus, daß die russenfreundliche Ruthenenbewegung vor einigen Jahren schon begonnen hat. Die Agitatoren gingen von Haus zu Haus und legten bei einzelnen Häusern anonyme Drohbriefe auf die Fenster. An Sonntagen seien in großen Konventikeln russische Zeitungen die über Krieg und die Vertreibung von Juden handelten, verlesen. Groß ermahüte die Leute, daß daraus für sie ein großes Unglück entstehen könne, aber sie hörten nicht auf ihn. Im selben Sinne sagte auch der jüdische Korbhändler Chaim Kalima aus, und fügte hinzu: „Die Führer der. Bewegung haben sich den Juden gegenüber verschlossen gezeigt, und ihnen ihre Geheimnisse nicht anvertraut. Seitdem die russenfreundliche Bewegung unter den Ruthenen überhand genommen hat, war das zwischen den Ruthenen und Juden früher recht freundliche Verhältnis .gespannt geworden, es scheint, daß die russischen Akteure nicht nur gegen die österreichisch-ungarische Monarchie, sondern auch gegen die Juden Mißtrauen gesät und Feindselgikeiten erweckt Haben." Auch der jüdische Fleischhauer Israel 'Jeköwitsch wies darauf hin, daß die Beziehungen «wischen den Ruthenen und Juden seit drei Jahren, ,da die russenfreundliche Propaganda eingesetzt hat, eine starke Trübung erfahren haben. Die Verurteilung eines antrsemitischen Professors. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Die polnischen Mittelschulprofessoren Galiziens treten immer offenkundiger in ihrem Antisemitismus in der Schule hervor. Besonders rücksichtslos gebärdete sich in dieser Richtung der Realschulprofessor I. Kaniowski in Iaroslau, der seine Judenhetze soweit trieb, daß ein jüdischer Universitätshörer namens Lipper sich veranlaßt sah, Kaniowski in einem längeren Schreiben zu ermahnen, von seinen Judenverfolgungen in der Schule zu lassen, weil er sich sonst veranlaßt sehen würde, gegen ihn wegen Verfolgung der jüdischen Studenten und wegen erwiesenen Majestätsbeleidigungen im Zusammenhänge hiemit bei den kompetenten Behörden einzuschreiten. Die Schuldirektion, welcher Kaniowski von dem Briefe Mitteilung machte. Abergab die ganze Angelegenheit der Staatsanwaltschaft, welche das gegen Professor Kaniowski eingeleitete Verfahren bald einstellte, hingegen gegen Lipper die Anklage wegen Erpressung und Verleumdung erhob. Bei der vor einigen Tagen statt gefundenen Verhandlung haben sämtliche jüdischen Schüler die Behauptungen Lippers bestätigt, während die vom Professor Kaniowski als Zeugen angegebenen christlichen Schüler ihren Professor entlasteten. Diese entlastenden Aussagen waren jedoch so widerspruchsvoll und die belastenden Aussagen so einwandfrei, daß der Gerichtshof die Behauptungen des Lipper als erwiesen ansah und diesen freisprach. Ts fragt sich nun, ob dieser Jugendbildner, dem auf solche Weise in öffentlicher Gerichtsverhandlung Majestätsbeleidigung und systematische Parteilichkeit zu ungunsten der jüdischen Schüler nachgewiesen wurde, auch nochAuciter straflos wird seines Amtes walten können.

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