Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 118 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 8 L8. Februar 185L Von Moritz Frühling. Zum 61 male jährte sich am 18. dsder Tag. an dem der Schneidergeselle Livenyi einen Angriff auf das Leben des damals so jugendlichen Monarchen verübte. „So erging es meinen braven Soldaten in Mailand" waren die ersten Worte, die der Kaiser noch unter dem Eindrücke des am 6. Feber desselben Jahres in Mailand niedergerungenen Aufstandes, wobei viele kaiserliche Soldaten verwundet, mehrere ermordet wurden, an seine Lebensretter richtete. Es ist interessant, wie dieses spontane Erinnern des ritterlichen Fürsten an seine Soldaten bei mehreren jüdischen Bürgern einen speziell auf dieses Empfinden agierenden Resonanzboden traf, was in drei Militärstiftungen zum Ausdrucke kam, — meines Wissens bisher unbekannt - während das angeblich aus gebildetere arische Taktgefühl an diesen schönen Ausspruch keine einzige, besondere Erinnerung schuf. Der damals initiierte Bau der Votivlirche kann doch nur als religiöses Tankesopfrr angesprochen werden, keinesfalls als Ausflutz der Bewunderung für die im Momente kaum entronnener Lebensgefahr bekundete ritterliche Gesinnung des Monarchen. Gleich nach diesem Erägni se stiftete das damals bestandene Grotzhandlungshaus Stametz, Mayer v. Cie. ein Kapital von 1030 fl. C. M, dessen Interessen alljährlich am 18. Februar durch das Armeeoberkommando an 10 Invaliden des Wiener Invalidenhaufes zu verteilen sind. (Die Stiftung wurde übernommen in die ..Verwaltung des Kriegsministeriums unter Sektion III, Abteilung 4, Nr. 4 318 vom 12. November 1853.) Die Israelitische Kultusgemeinde in Töplitz stiftete die 5 perzentige Staats-Schuldverschreibung N. 2171 per 200 fl. C. M, wonach mit den Interessen in jedem Jahre, an dem Tage, an welchem 1853 das Genesungsfest Sr. kais. königl. Majestät Franz Josef I. gefeiert wurde, nämlich am 12. März, einer von den in Mailand am 6. Februar 1853 verwundeten Soldaten, der die meiste Berücksichtigung verdient, durch seine ganze Lebensdauer beteilt werden soll, nach desten Absterben aber diese Interessen an zwei verdiente Invaliden auszufolgen sind, (llebernommen in die Verwaltung des Kriegsministeriums unter Sektion III, Abteilung 4, Nr. 1862, vom 28. Februar 1856/) Der Armeelieferant Samuel Kann in Pretzburg eine viereinhalb perzentige Staats-Schuldverschreibung per 100 fl. L. M aus Anlatz der Lebensrettung Sr. kais. königl. Majestät, für verdiente Krieger des Tyrnauer Invalidenhauses. (Uebernommen in die Verwaltung des Kriegsministeriums unter Sektion III, Abteilung 4, Nr. 5104 vom 12. Dezember 1853). Ein Gnadenaff Sr. Majestät.. Der ehemalige Kaufmann Ludwig Grotz aus Grotzwardein in Ungarn hatte den Befehl erhalten, als Trsatzreservist bei seinem Regiment einzurücken. Trotz leistete diesem Befehle Folge, obgleich er Vater von fünf unmündigen Kindern und der alleinige Erhalter seiner alten tranken Mutter ist. Er liefe seine Familie in der größten Not zurück. Da sein Gesuch, in diesem Jahre von der militärischen Hebung befreit zu werden, abschlägig beschieden wurde, liefe er ein von seiner Frau und seinen fünf Kindern unterfertigtes Majestätsgesuch an die Kabinettslanzlei absrnden. Gerührt über das traurige Schicksal des Ersatzreservisten, liefe der Kaiser der FamAie aus feiner Privatschatulle 3000 Kronen anweisen. Die Familie wird den Betrag in drei Raten erhalten. In der israelitischen Gemeinde in Grotzwardein herrscht über diesen Gnadenakt unseres erhabenen Monarchen enthusiastische Freude. Ludwig Groß, ist Jude; Kaiser Franz Josef I hat durch diesen Gnadenakt abermals bewiesen, datz er keinen Unterschied macht, zwischen seinen Landeskindern. ^Ojähriges Jubiläum der Chewra Kadischa Baden bei Wien. Aus Baden bei Wien wird uns berichtet: Die Chewra Kadischa Baden beging am 11. ds. ihr 40jähriges Gründungsfest in feierlicher Weise. Aus diesem Anlasse fand im grotzen Speisesaale des Hotels Rausnitz in Baden ein Festmahl statt. Der hübsche Saal war herrlich dekoriert und machte einen stimmungsvollen Eindruck. Oberhalb des Ehrenplatzes inmitten der Tafel prangte ein Baldachin aus reichgesticktem Samt, und im Hintergründe desselben erhob sich inmitten Blattpflanzen die Büste unseres Kaisers. Zu dem Festmahle halten sich eingefunden: Der Vorstand der Chewra Kadischa, bestehend aus den Herren Moriz Leitner, Präsident, Anton Schneider, Sigmund R a u s n i % Gustav Oeden bürge r, Leopold Blau und Mar L ö b l, ferner vom Kultusausschutz dir Herren Simo^ M a n d l, Adolf Raa b, Jakob K o h n, Bernhard R o s n e r, Ludwig Lacken buche r, Alexander Brau n,i Alfred Leitner, weiters Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich, Dr. I. S. Bloch, Oberstabsarzt Dr. Anton Fischer, in Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde Wr.-Neustadt die Vorstandsmitglieder Vorstand Dr. Wilhelm Wolf und Beirat Redakteur A. Weitz, in Vertretung der Chewra Kadischa Wr.-Neustadt deren Obmann Herr Adolf Mayer, in Vertretung der Chewra Kadischa Neunkirchen die Herren Gerstl und Jaul, die Aerzte kais. Rat Dr. Raab, Dr. Siegfried Lackenbacher, Dr. Siegmund Krautz, Dr. Maximilian D o r f n e r, Dr. Otto L e i p e n, sämtliche aus Baden,' Dr. Siegmunb Brötzler aus VöSlaU, Dr. Mar Bauer aus Traiskirchen, Dr. Robert Polatschek aus Wien, der Besitzer der Landschafts-Apotheke in Baden, Herr Otto Haberfeld, der Sohn des Präsidenten der Chewra Kadischa, Bankvorstand des Merkur, Herr Arthur Leitner, das Enkelkind des Gründers, Herr Ma.r Scheu, Advokat Dr. Julius Eisler u. v. a. Der Präsident, Bankdirektor Moritz Leitner. begrützte die Festgäste und brachte zunächst ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Oberkantor Leo Z o l d a n intonierte die Volkshymne, welche von den Anwesenden mitgesungen wurde. Nach dieser patriotischen Kundgebung hielt Rabbiner Reich eine grotzangelegte und geistreiche Festrede, in welcher er in schwungvoller Weise und beredten Worten die Bedeutung der Chewra Kadischa auseinander setzte und leerte zum Schlüsse sein Glas auf die tatkräftige und tüchtige Vereinsleitunn. Er .gedachte ar ch der verdienstvollen Mitglieder, welche die Chewra im letzten Jahre durch den Tod verloren habe, und. zwar der Herren Ignaz Fleischmann, Moriz Daniel und Jakob Weitzmann. Die Rede des Herrn Rabbiner löste enthusiastischen Beifall aus. Als nächster Redner schilderte Vorstandsmitglied Herr Anton Schneider in interessanter Weise die Entstehungsgeschichte der jubilierenden Chewra Kadischa und wies auf das wohltätige Wirken derselben hin. Er leerte sein Glas auf die Meister, welche an der Spitze der Gemeinde zur Ehre derselben stehen. Dann ergriff Rabbiner Reich neuerdings das Wort, um eines Mannes zu gedenken, welcher zur Gemeinde Baden durch Jahrzehnte in freundschaftlichen Beziehungen stand und den ebenfalls bereits das Zeitliche gesegnet. Es ist dies der gewesene Vorsteher der Kultusgemeinde Wr.-Neustadt, Herr Ignaz S chi sch a, dessen Andenken