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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-20 · 8 (20.2.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 117 Der nationale Ausgleich in Galizien und die Inden. Das Land Galizien, das geflissentlich von vielen Westösterreichern als ein Kulturland zweiten Grades dargestellt wird, hat durch den am letzten Samstag in der galizischen 'Landesstube zu Lemberg geschlossenen Frieden zwischen Polen und Ruthenen den Beweis erbracht, daß es politisch auf einer viel höheren Stufe steht, als das große Kulturland Böhmen, dessen zwei Nationen, Deutsche und Tschechen, trotz jahrzehntelangen Ausgleichsversuchen den nationalen Frieden in diesem für Oesterreich so wichtigem Lande nicht herzustellen vermögen. Den Polen und Ruthenen, die trotz aller Hindernisse, die sich übrigens naturgemäß bei derartigen Ausgleichsoerhandlungen ergeben, es verstanden, in verhältnismäßig kurzer Zeit ein so bedeutendes Friedenswerk zu vollbringen, gebührt vom staatlichen Standpunkte beurteilt, ungeteiltes Lob. Die Mär, daß die Slaven Oesterreichs keine so guten Patrioten sind wie die Deutschen, dürfte somit, was die Polen und Ruthenen anbelangt, gründlich zerstört worden sein. Die Neugestaltung der politischen Verhältnisse in Galizien erfordert auch vom jüdischen Standpunkte eine Erörterung. Galizien ist nicht nur unser größtes Kronland, dort wohnt auch der größte Teil der österreichischen Judenschaft: die politische Umgestaltung des Landes wird auf dir Iudenschaft desselben nicht nur politisch, sondern im ebensolchen Maße wirtschaftliche Rückwirkungen haben. Die Ruthenen des Landes, die wohl der Zahl nach sehr bedeutend sind, haben bis nun, in Anbetracht des Umstandes, daß sie hauptsächlich Landbewohner sind, nicht den so wichtigen Einfluß auf die Städtebewohner ausüben können. Für die Juden war es deshalb naheliegend, mit den Polen, die die Städte und Landesverwaltung ausschließlich in Händen hatten, ein freundschaftliches Einvernehmen zu pflegen, dieses Einvernehmen hat auch seine historische Berechtigung. Seit Jahrhunderten leben die Juden unter den Polen, und diese Nation in ihrer großen Mehrheit, hat ihnen den Aufenthalt, wenigstens nicht in diesem Maße erschwert, als es leider bei den anderen Nationen der Fall war und noch ist. Auch unter den Polen gibt es einen nicht unbeträchtlichen Teil, der den Juden nicht besonders gewogen ist, und gerade jetzt kommt in Galizien eine Strömung zur Geltung, die den wirtschaftlichen Boykott der Juden praktisch propagiert. Vor dieser Erscheinung dürfen die maßgebenden Elemente des polnischen Volkes nicht achtlos vorübergehen, und schon mit Rücksicht auf die sehr vernachlässigte ökonomische Entwicklung dieses Landes derartige Ausschreitungen nicht dulden. Mit den Ruthenen des Landes hatten die Juden bis nun nicht sehr viel Reibungsflächen, dies eben aus dem Grunde, weil die Ruthenen als ein ackerbautreibendes Volk nur auf dem flachen Lande beschränkt waren und dort die Judenschaft nicht in Betracht kommt. So lange die Ruthenen sich von der polnischen Nation als vergewaltigt und unterdrückt fühlten, suchten sie zwar jüdische Hilfe, heute, nach dem in Lemberg abgeschlossenen Ausgleich, werden sie wohl schwerlich in die Lage kommen, auf politische Dienste der Juden zu reflektieren. Nicht ganz berechtigt ist es deshalb, wenn man jüdischerseits den Ruthenen Vorwürfe daraus macht, daß sie bei der Durchführung der galizischen Landtagswahlreform nicht für eine gerechtere Berücksichtigung der Juden eingetreten sind. Dafür können wir nur die Polen verantwortlich machen, zu denen die Juden Galiziens auch nach der neuen Wahlreform gehören. Herr Dr. v. Löwenstein hat es auch nicht unterlassen, im Namen der Juden im Landtage die Erklärung abzugeben, daß sie wohl die Wahlreförm freudigst begrüßen, und daß sie zur Finali,- sierung derselben viel beitrugen, trotzdem aber mit der für die Juden in Aussicht genommenen Zahl der Mandate nicht einverstanden sein können. Seine Deklaration entsprach den Wünschen und Bedürfnissen der jüdischen Wählerschaft Galiziens. Auch hier zeigt es sich, daß die Vertreter der Judenschaft Galiziens politisch sich wesentlich von den anderen jüdischen Vertretern in Oesterreich unterscheiden. Die beiden Nationen in Galizien. Polen und Ruthenen, bewiesen durch ihren nationalen Ausgleich, daß sie festen Willens sind, ihr Land und ihre Bevölkerung wirtschaftlich zu heben. In keinem zweiten Lande wie eben in Galizien ist jüdische Intelligenz, jüdische Willenskraft und jüdischer Fleiß zur Hebung der Volkswohlfahrt so notwendig, wie eben dort. Die Juden Galiziens lieben ihr Mutterland, zum Wanderstabe greifen sie nur dann, wenn sie schon gar keine Möglichkeit sehen, sich im Lande zu erhalten, den Patriotismus, den sie bekunden und ihren Willen zur Arbeit dürfen die zwei Nationen des Landes schon im eigenen Interesse nicht bagatellisieren und die Juden in ihren Bestrebungen nur unterstützen. Für die galizischen Juden aber müßten die Juden Böhmens als warnendes Beispiel dienen und nicht wie diese in einem einseitigen nationalen Chauvinismus aufgehen, in nationalen Fragen, die die Polen und Ruthenen betreffen, dürfen sie nicht nach dem Muster des Prager deutschen Kassine- Judentums Vorgehen. Der nationale Ausgleich wird auch eine ganz besondere kulturelle Hebung der ruthenischen Sprache bewirken, die Juden, die durch ihre freien akademischen Berufe, durch Handel und Gewerbe mit beiden Nationen im Lande gleich in Berührung kommen, dürfen das nationale Ehrgefühl auch der Ruthenen nicht verletzen, sie müssen mit ihnen in ihrer Sprache so korrekt wie mit den Polen in der ihrigen verkehren. Die galizi'che jüdische Jugend möge schon heute darauf sehr bedacht sein und die Erlernung der ruthenischen Sprache für eben so obligat betrachten, wie die polnische. _ _ I. Gro b t u ch. Korrespondenzen. Großloge für DeiitWaud VIII. XL. O. B. B. Erklärung des geschäftsführenden Ausschusses zum jüdischen Parteikampf. Die Verbitterung im jüdischen Parteikampf hat eine Höhe erreicht, die als gefahrdrohend bezeichnet werden muß: der Kampf wird in einer Form geführt, die ein gemeinsames Arbeiten auch auf denjenigen Gebieten erschwert, wo Einhelligkeit möglich ist. Die allgemeine Oeffentlichkeit nicht die jüdische bloß sieht mit Vefremdung diese gegenseitige Zerfleischuna. Eine Minorität, die von allen Seiten von Feinden umgeben ist, ist nicht in der Lage, sich eine derartige Bekämpfung zu leisten. Ein Wort der Mahnung ist darum geboten Diese Mahnung wird im gegenwärtigen Augenblick nicht die Wirkung haben können, daß Friede und Versöhnung auf den heiß umstrittensten Punkten des jüdischen Parteikampfes urplötzlich sich einstellt, aber eines wird und darf sie vielleicht erzielen, daß der Kampf in ruhigerer, mehr unpersönlicher Form geführt wird, daß für gewisse Streitpunkte der Pressekampf eine Zeitlang eingestellt wird, ohne daß die Gegner ihre sachlichen Positionen auszugeben brauchen. Dieses Wort des Friedens wird bei allen denen Gehör finden, die es angeht.. Es ertönt aus dem Rahmen des Ordens, der als einzige jüdische Organisation die verschiedensten Parteiungen und Richtungen im Judentum auf eine gemeinsame Basis zu einigen verstanden hat, es kommt aus derjenigen Organisation, die durch drei Jahrzehnte hindurch eine wahre Friedensorganisatiön gewesen ist. Ter geschäftsführende Ausschuß der Groß löge für Deutschland VIII. N. O. B. B gez. Timendorfer.

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