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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-20 · 8 (20.2.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Scite 116 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 scvelt unter anderem: „Mit Recht weisen Sie auf meine Sympathien für die Juden hin. In meiner Heimat zähle ich sehr viele Juden zu meinen Freunden. Während meiner Präsidentschaft hatte ich sogar einen jüdischen Minister, Mr. Oscar Strauß, der gleichzeitig mein Freund ist. Auch in meinem Regimente hatte ich 25 jüdische Soldaten. Eines Tages, nach einer Schlacht, lieh ich fünf Soldaten, die sich durch besonderen Mut hervorgetan haben vorücken. Ich habe hierbei selbstredend nicht nach dem Bekenntnisse dieser Soldaten gefragt. Aber ich erfuhr später zufällig, daß von diesen 5 .Soldaten 2 Katholiken, 2 Protestanten und einer Jude waren. Was ich fordere, ist nicht bloß die Duldung der Konfessionen, sondern die vollständige Freiheit der Religionen. Ich werde auch in Zukunft nicht aufhören, dafür zu kämpfen, daß niemand für sein religiöses Glaubensbekenntnis verfolgt werde, u. dah jeder Mann u. jede Frau Gott nach ihrem eigenen Gewissen anbeten können. Ich bin ein Freund derjenigen, die 'ihre Mitmenschen dieselbe Religionsfreiheit zubilligen. die sie für sich in Anspruch nehmen. Ich werde nicht aufhören daran zu arbeiten, dah der glückliche Tag, wo alle Religionen Freunde, alle Männer Brüder und alle Frauen Schwestern sein werden, so bald als möglich anbreche." Zum Schlüsse dankte Rossevelt dem Rabbiner und der Abordnung für das hübsche Geschenk, welches er stets in Ehren halten werde. Die Gaioestonemigration im abgelaufenen Jahre. Einem Berichte der Kiewer jüdischen Emigrationsgesellschaft (Jto) entnehmen wir, dah die durch diese Gesellschaft geleitete Emigration russischer Juden nach Teras via Galveston im abgelaufenen Jahre 1913 wieder Zugenommen hat. Es haben in diesem Jahre 2700 Emigranten gegen 1509 des Jahres 1912 die Intervention der Gesellschaft in Anspruch genommen. Die Gesellschaft veröffentlicht auch die dreizehnte Liste jener Emigranten, welche im Verlaufe des Sommers ,1913 mit Hilfe der Jto in den verschiedenen Städten der südlichen und westlichen Staaten der nordamerikanischen Republik anaesiedelt und mit Arbeitsgelegenheit versehen wurden. Aus dieser Liste ist tzu ersehen, haß der gröhte Teil dieser Emigranten schon in der ersten Zeit 10—12 Dollar verdienen, und nur ein ganz geringer Teil bloß einen Verdienst von 7 9 Dollar wöchentlich hat. Hingegen finden sich unter den 362 Emigranten, die in dieser Liste angeführt werden, 40, welche mehr als 20 Dollar wöchentlich verdienen. Die Gesellschaft hat auch eine neuerliche Herabsetzung der Schiffspreise für ihre Emigrantenschützlinge erwirkt. Cine jüdische Amme. In Moskau, der alten Zarenstadt, lebte eine sehr reiche, durch ihr Geld auch einflußreiche jüdische Familie, der nach längerer Hoffnung endlich ein Sprößlmg .geboren wurde. Wo aber in ganz Moskau eine jüdische Amme aultreiben? Hat ja doch eine Jüdin der niederen Gesellschaftsschichten in keinem Falle in Moskau Wohnrecht' es gibt dort eben nur echt russische Ammen. Da verfiel der verzweifelte Vater wie die „Kleine Presse" Nr. 304 vom 30. Dez. 1913 erzählt, ans den Gedanke-n, sich an die hohe Polizei zu wenden, und die Erlaubnis für eine jüdische Amme bei ihr durchzusetzen. Der Polizeimeister, dem er mehrere leichtverständliche Händedrücke gab, versprach auch, höheren Ort sich für seinen Wunsch einzusetzen und gab tatsächlich das Gesuch an die Stadthauptnmnnschast weiter. Diese schüttelte nur über das seltsame Gesuch ihr weises Haupt, hielt sich aber für verpflichtet, dasselbe im ordnungsmäßigen Jnstanzwege lveiterzureichen. Tie chrussjschen Beamten haben es aber, was übrigens auch in anderen Ländern Vorkommen soll, nicht so furchtbar eilig mit derartigen Gesuchen' noch dazuwenn es sich, ivie in diesem Fall, um einen Israeliten handelt. Der arme Vater lief wochenlang zur Polizei, um seinem Sohne die Amme zn verschasfen, dort abe , zuckte man nur vielsagend die Achseln und verwies ihn tröstend darauf' daß sein Gesuch ja schon i Ministerium sich befinde und jederzeit znrückerwartet werde. Inzwischen wuchs der Sohn heran, wurde größer und gößer, aus dem Knaben wurde ein Jüngling, und die Amme brauchte er nun eigentlich nicht mehr. Als er 21 Jahre alt geworden war, sollte sich auch an ihm jene harte Bestimmung erfüllen, wonach er, der kein Wohnrecht in Moskau besaß, die Stadt verlassen und sich von seinen Eltern zu trennen hatte. Der junge Mann hatte gerade seine Sachen fertig gepackt und schickte sich an, von feinen Eltern Abschied zu Nehmen, da traf versiegelt und gestempelt ans dem Ministerium ein Brief ein. In höchster Neugier öffnete man ihn — hurra! die jüdische Amme \mx bewilligt worden. Bei der Abreise konnte der junge Mann das tröstliche Bewußtsein mit sich nehmen, daß er nun seine jüdische Amme hatte, nach der sein Vater sich so vergeblich gesehnt hatte. Uebertritt russischer Bauern zunt Judentum. In der russischen Stadt Grosno erlebte die dortige Stadtbehörde vor einigen Tagen eine recht merkwürdige Ueberraschung. Es meldete sich eine Anzahl Bauern aus der Umgebung, welche um einen Auslandspaß ansuchten, um nach Amerika auszuwandern.. Als nun der Beamte in die Dokumente dieser Bauern Einsicht nahjm, gewahrte er zu seiner Ueberraschung daß diese rite zum Judentum übergetreten waren. Auf eine Frage des Beamten erklärten sie, daß sie nach reiflicher Ueberlegung zur Ueberzeugung gekommen seien, daß nur der jüdische Glaube den Menschen seelische Beruhigung zu bieten vermöge. Sie erzählten auch, daß in ddn umliegenden Ortschaften die Zahl dieser Bauern, die das Judentum angenommen haben, eine sehr große sei. Rach dieser Enthüllung wurde den Bauern die Auslandspässe verweigert, und in der ganzen Angelegenheit eine strenge Untersuchung emgeleitet..:.)^,,.^; Ein Lehrstuhl für jüdische Wissenschaft an der Athener Universität. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Zu den vielen Fragen, welche die Juden Neugriechenlands außer den volkswirtschaftlichen beschäftigen, gehören zwei, deren Erfüllung jetzt mit aller Kraft angestrebt wird. Die eine Frage ist, wo der künftige Sitz des Großpabbinales von Griechenland sein solle: in Athen oder in Saloniki. Es ist begreiflich, daß die mazedonischen Juden großes Gewicht darauf legen, daß der Sitz des Großrabbinates in Saloniki sei, da die Mehrzahl der nunmehr zu Griechenland gehörenden Juden in Saloniki und Umgebung wohnen, und andererseits Athen so weil von Saloniki entfernt ist, daß das Großrabbinat in zu geringem Kontakte mit den mazedonischen Juden sein könnte. Es sei jedoch hier bemerkt, daß der Oberrabbiner von Saloniki Jakob Meir, nach seiner Rückkehr von Athen dahin aussprach, daß seiner Meinung nach für die Juden besser wäre, wenn das Großrabbinat in Athen seinen Sitz hätte, wo es mit den staatlichen Behörden in steter Fühlung bleiben könnte. Im übrigen werde diese Angelegenheit einen Beratungsgegenstand des im Frühjahre stcrttfindenden Kongresses bilden. Diesen Kongreß wird aber auch eine andere wichtige Frage beschäftigen, und zwar die Schaffung eines jüdischen Lehrstuhles an der Athener Universität. Die Juden der von Griechenland eroberen Gebiete sind nämlich der Meinung, daß die von den Griechen geforderte Verbrüderung der Juden mit ihnen nicht nur einseitig vor sich gehen dürfe, es müsse auch von griechischer Seife Zeichen aufrichtiger Anerkennung der Juden auch auf geistigem und kulturellem Gebiete geboten werden. Der erste Schritt hiezu wäre die Schaffung der erwähnten Lehrkanzel an der Athener Universität.

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