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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-20 · 8 (20.2.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Bkochs Wocheufchrist. Seite 11b soll dem Hofrat Schick in Gegenwart von Zeugen in Ischl gugerufen haben: „Wenn Sie auch Hofrat sind, ist das doch von Ihnen eine Gemeinheit." Der Angeklagte Pick wurde in Ischl freigesprochen, worauf Hofrat Schick die .Verufungsklage in Wien einbrachte. Aber auch hier ging das Gericht mit einem Freispruch vor. Cs wurde nämlich nachgewiesen, daß Hofrat Schick dem Beklagten zugerufen habe: „Frechheit, grüner Junge, Iudenjunge." Das Gericht nahnt an, daß die inkriminierte Antwort des Direktors Pick eine berechtigte Kritik über die Aeußerung des Klägers enthält. Schick und P i ck sind Juden. Schick dazu noch Hofrat, und dieser kennt kein anderes Schimpfwort als - Iudenjunge. Wie qualifiziert man einen solchen „Herrn Hofrat?" Em Jude Landesgerichtspräsident von Mannheim. Aus Baden wird uns gemeldet: Der bisherige Oberlandesgerichtsrat Dr. Nathan Stein ist zum Präsidenten des 'Landgerichtes Mannheim ernannt worden. Es ist dies der erste Fall, daß in Deutschland ein Jude zum Präsidenten eines Gerichts ernannt wird. BeMs in Jaffa. Aus Jaffa wird berichtet: B e i l i s, der sich bekanntlich als Farmer in Palästina ansiedeln will, ist dort eingetroffen. Er wurde von der jüdischen und arabischen völkerung begeistert begrüßt und hach dem jüdischen Stadtteile Talawiw gebracht. Ein jüdischer Senator in der Türkei. Die türkische Regierung hat Emmanuel Effendi Carasso, den Erdeputierten von Saloniki, zum Senator ernannt. Bisher gab es nur einen türkischen Senator jüdischer iNationalität, Behor Effendi Eskenasy.. Der Knadenmvrd in Fastow. Die Affäre des Knabenmords in Fastow scheint sich zu einer neuen Deilis-Affäre entwickeln zu wollen. Die Verhaftung des Schneiders Paschkow und seines Gesellen Gut Herz entspricht mutatis mutandis vollständig der Verhaftung des Veilis, während der als Mörder geltende KauerDonks charuk und sein mutmaßlicher Komplize die Rolle der Wera Tscheberjak und ihrer Freunde zu übernehmen scheint. Wie ,Mjetsch" meldet, wurden schon am 7. Feber in Fastow mehrere Hausdurchsuchungen vorgenommen. Am 9. ds. erfolgte die Verhaftung Ephraim Pafchkows und seines Gesellen, worauf sie am 10. ds. nach Kiew transportiert und dort im Lukjanowschen Gefängnis interniert wurden. Die Zweite Obduktion der Leiche Iossel Paschkows wurde in größter Heimlichkeit vorgenommen, die Ortspolizei aber nicht zugelassen, nicht einmal der Kreisarzt. Obgleich bei der ersten Obduktion konstatiert worden war, daß der Knabe nach jüdischem Ritus beschnitten wurde, wurde /die Leiche d'es Ermordeten nach Kiew zur nochmaligen Untersuchung geschickt. Eine gewisse Frau Sokolowskajia soll erklärt haben, sie erkenne in dem ermordeten Knaben Iossel ihren aus Shitomir entflohenen Neffen, den Sohn des Iustizbeamten Taranewitsch, und auch dieser soll im 'Bilde Iossels seinen Sohn erkannt Haben. „Nowoje Wremja" läßt sich bereits aus Kiew telegraphieren: „Einige Juden wurden verhaftet, darunter der Vater des Ermordetem der nicht beweisen konnte, daß der Knabe sein Sohn sei. Die Glaubwürdigkeit der Version steigt, daß der Knabe ein Christ war, von Juden erzogen, beschnitten und Ende November ermordet wurde. Die Leiche wurde in der Hotzniederlage des Juden K a g a n gefunden." Das nationalistische Blatt i.Kiewljanin", das bekanntlich im Beilis-Prozeß die Haltung der Behörden einer vernichtenden Kritik unterzog, widmet nun der neuesten Knabenmordaffäre in Fastow einen Artikel, in dem es die Bemühungen der Behörden, aus dem Morde einen „jüdischen Ritualmord" zu machen, schildert und die Haltung derselben abfällig bespricht. Das Blatt sagt: „Untrügliche Beweise dafür sind vorhanden, daß der ermordete Knabe wirklich der Iudenknabe Iossel Paschkow ist, der in Fastow geboren, erzogen und aufgewachsen ist, den viele christliche Nachbarn, darunter auch der städtische Arzt, genau kannten, und dennoch wurde die .Angelegenheit plötzlich in die Richtung eines jüdischer Ritualmordes gelenkt. Die Arbeiten der Untersuchungskommission werden streng geheim gehalten, aber man erfährt dennoch, daß der ermordete Knabe schon längst nach jüdischem Ritus beschnitten wurde, daß die Agnoszierung des Knaben durch die christliche Zeugin Sokolowskaja als ihren Neffen hinfällig, daß aber die Aussage des Efraim Paschkow, daß der Ermordete sein Sohn Iossel ist, vollkommen wahr ist. Und dennoch. . ." - Wie „Utro Rossii" meldet, ist der Kreispolizeichef von Fastow, Malicki, der erklärte, in dem Ermordeten den Iudenknäben Iossel Paschkow erkannt zu haben, seines Amtes enthoben worden. --- Lin Telegramm aus Petersburg meldet des weiteren: Der Knabe Boris Taranenko, der in dem ermordeten Iossel Paschkow vermutet wurde, ist, wie die Schitomirsche Polizei bekannt gibt, noch am 10. ds. in Schitomir gesehen worden. (Die Leiu-e des ermordeten Iudenknäben Paschkow wurde Anfang November aufgefunden. Anmd. Red.). Ein christlicher Gutsbesitzer, der um geschachtetes Fleisch genießt Ein interessanter Fall ereignete sich vor einigen Tagen, wie russische Blätter melden, auf dem Gute Posen im Poltawaer Gouvernement. Der Besitzer dieses Gutes, der gleichzeitig Semstwovorsteher ist, sandte einen Boten in das nahegelegenr Städtchen Babalin, mit dem Aufträge, den dortigen jüdischen Gemeindeschächter auf das Gut zu holen, damit er ein Rind ganz streng nach jüdlschem Ritus schlachte und auch nach der Schlack cu:g vorschriftsmäßig auf die Gesundheit des Rindes hin k.e Untersuchung vornehme. Als der Schächter seine Verwunderung hierüber ausdrüate, gab ihm der Gutsbesitzer die Erklärung, daß. er in letzter Zeit in der Stadt Len Vorgang bei der rituellen Schächtung und der darauffolgenden Untersuchung des geschlachteten Tieres genau beobachtet und dabei die Ueberzeugung gewonnen habe, daß diese Methode sowohl vom hygienischen als auch vom humanen Standpunkt aus die einzige richtige ist. Als der Schächter die Schlachtung vorgenommen und nach genauer Untersuchung das Vieh vom rituellen Gesichtspunkte für durchaus genießbar erklärte, entrichtete der Gutsbesitzer die übliche Schlachtgebühr und bat den Schächter um vollständig beruhigt zu sein, sich von dem Fleische des Viehes in ganz frisches Geschirr ein Mahl zuzubereiten, um zu sehen, ob er es auch wirklich ganz rituell einwandfrei gemacht hat. Theodor RooseveÄ und vre Juden von Buenos-Aires. Anläßlich seiner Reise durch Südamerika hielt Thedor Roosevelt auch in Buenos Aires Station. Hier empfing er eine Abordnung der dortigen Iudenfchaft, welche die Gelegenheit wahrnahm, um die üeks bewiesen»? Iudenfreundlichkeit des großen amerikanischen Staatsmannes zu ehren. Der Führer der Deputation Rabbiner Dr. F. Halfon überreichte dem Erpräsidenten zum Andenken an diesen Besuch eine künstlerisch entworfene Plakette in Gold und gedachte in seiner Ansprache der großen Verdienste, die Roosevelt üm Freiheit und Gleichberechtigung erworben hat. In seiner Antwort sagte Roo-

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