Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 7 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift. Teile 10M bent Gesetze nach dop?Recht hatten, selbst düH Permögen der Juden einzuziehen/ da.diese wegen ihrer Schulb ewiger Knechtschaft verfallen seien: inan solle jedoch, dem Beispiele der Apostel folgend, auch gegen Ungläubige edel handeln, uttb daher sei es richtiger, von ben jüdischen Einwohnern nur die Abgaben zu fordern, welche sie bisher geleistet hüben: neue Steuern hingegen sollten von ihnen nicht eingetr-ieben werden. Falls aber die .Inden nichlts anderes Mätzen, als was sie durch Geldgeschäfte erworben hätten, so sei es der Herzogin nicht erlaubt das Geld zu behalten, und auch den Inden dürfe man es nicht belassen. Ls sei daher die Pflicht der Herzogin, das Geld der rechtmäßigen Eigentümer wieder zuzführen, und falls dieser nicht aufzufinden sei. müsse man es nach dem Rate des Bischofs zu frommen Zwecken oder zum Nutzen des Landes verwenden. Zu wohltätigen Zwecken sollten auch das Geld und die Kostbarkeiten verwendet werden, welche die Iuden als Geschenke anbieten, wenn sie kein anderes Vermögen besitzen als dajenige, welches sie durch Darlehensgeschäfte erworben haben. Allein das Vermögen, welches sie durch Handel gesammelt haben oder durch Zinsen, die ihnen von hristen freiwillig geschenkt worden sind, obgleich sie bereit waren, sie wieder herauszuzahlen, dürfte die Herzogin für sich behalten. Auf die Frage der Herzogin, ob die jüdische Bevölkerung in ihrem Herrschaftsgebiete angehalten werden sollte, ein von den Christen unterscheidendes Kennzeichen zu tragen, antwortete.der Kirchenlehrer, daß nach der Bestimmung des 4. lateran. Konzils von 1215 die Iuden in allen christlichen Ländern sich durch die Tracht von den anderen Völkerschaften unterscheiden müssen, ..wie ihnen dies auch in ihrem eigenen Gesetze befohlen ist." Nach den Ratschlägen des Thomas, von Aguin behandelte auch die Herzogin die jüdische Bevölkerung. Die Iuden wurden gezwungen,C in ihrer -Kleidung sich von den Christen zu unterscheiden und in einem besonderen Stadtteil ihre Wohnungen zu nehmen, aber sie wurden keineswegs von der Regentin verfolgt oder in ihrem Handelsverkehre durch Steuern gehemmt. Und da sie zu jener Zeit auch mit der einheimischen Bevölkerung friedlich auskamen und mit ihr in lebhaftem Geschäfts verkehre standen, konnten sie allmählich zu Wohlstand und Ansehen gelängen. Als Johann I., der Sohn Heinrichs III. und der Alir zur Herrschaft gelangte, setzte er die Politik seiner Vorgänger gegenüber den Juden fort: er verlieh ihnen Rechte und Privilegien und nahm sie unter seinen besonderen Schutz. . Roch günstiger gestaltete sich ihre Lage unter seinem Sohne und Nachfolger Johann II. Die Regierungszeit Johanns II. können wir als die Blütezeit der jüdischen Gemeinden Belgiens betrachten. Im ganzen Lande erstanden jüdische Gemeinwesen infolge der Vertreibung der Juden aus England (1290) und aus Frankreich (1306). Zahlreiche englische Flüchtlinge hatten sich bereits nach dem Jahre 1290 in Belgien niedergelassen, andere waren dem Jahre 1290 in Belgien niedergelassen, andere waren Frankreich verschlagen worden und dann im Jahre 1306 mit den aus Frankreich vertriebenen Juden nach dem belgischen Grenzgebiete gewandert. Eine neue Heimat fanden sie insbesondere im Herzogtum Brabant, wo sie von Johann II, mit offenen Armen ausgenommen wurden. Der Herzog wies ihnen in seinem Lande günstige Aufenthaltsplätze an und erteilte ihnen das Recht zur Gründung von Bankhäusern. Für diese gastliche Aufnahme waren sie allerdings verpflichtet, dem Landesherrn eine bestimmt Steuer zu zahlen, wofür aber der Herrscher sein Volk ermahnte. ,,den Juden nichts Schlechtes zu tun, denn sie stehen unter dem-Fürsten." Allein die judenfreundlichen Bestrebungen des Fürsten fanden bei der christlichen Bevölkerung keinen Anklang; sie war den eingewanderten Juden gegenüber feindlich gesinnt, weil der massenhafte Zuzug von jüdischen Kaufleuten aus England und Frankreich den ganzen Handelsverkehr umgestaltete. Dieser im Verborgenen glühende Fremdenhaß mutzte zu Judenverfolgungen führen, sobald sich eine günstige Gelegenheit bot und diese kam. als um 1310 der Kreuzzug in Belgien.gepredigt wurde. Im Herzogtume Brabant rüstte man sich zum Kampfe wider die Ungläubigen. Die Bauern griffen zu den Waffen und fielen über die wehrlosen Juden her. Viele wurden getötet, ihre Häuser verwüstet: arndere muhten zum Bettelstäbe greifen, d-a ihr Hab und Gut von den ..Gläubigen" geplündert wurde. Der Herzog, der allem Anscheine nach von diesem Schauspiele überrascht wurde, fürchtet-e infolge der Diebstähle und Plüderungen noch größeres Unheil. Er wollte retten, was noch zu retten war. und zog daher die Juden in das schloß von Genappe, wo sie jedoch von den nachziehenden Räuberbanden wieder belagert wurden. Allein der Herzog rückte im Augenblicke der Gefahr mit einer starken Truppenmacht heran, er schug die Belagerer in die Flucht und sühnte das Verbrechen durch eine strenge Bestrafung der Rädelsführer. aNch dieser bewegten Zeit kamen wieder einige Ruhejaher. D ie Brabanter Juden konnten abermals zu Wohlstand und Ansehen gelangen und einige durften selbst bei Hofe verkehren, denn Herzog Johann III. war ihnen bei Hofe verkehren, denn Herzog Johann III. war ihnen, wie seine Vorgänger freundlich gesinnt. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts nahm jedoch die Autorität Johanns III. bei feinem Volke ab. seine Macht schwand immer mehr, so datz die Juden bei Ausbruch von Unruhen nicht mehr wie ehemals auf den Schutz des Herzogs sich verlassen konnten. Auf den Schutz der Behörden hatten sie bensowenig zu rechnen, da diese selbst sich manchmal an ihnen vergriffen. So war denn die jüdische Bevöllerung um 1348 49 den Mordgelüsten eines fanatisierten Volkes schutzlos preisgegeben. Literatur. Entwicklung und Judentum. In einer kritisches, Darstellung „Die Entwicklungstheorie" 1. Teil Entwicklung und Judentum hat es Dr. med. A. .aopciowski unternommen, auf biblischem und traditionell-jüdischem Standpunkt futzend, die allgemeine naturwissenschaftliche Entwicklungstheorie in Einklang zu bringen mit den Lehren des traditionellen Judentums. Es ist dies besonders in unserer Zeit, in der die naturwissenschaftlichen Lehren bei nicht vollständig durchgebildeten Menschen in geradezu grassierender Weise den Hang zeitigen, die Worte der Bibel als eine reine Sage hinzustellen, nicht nur eine bemerkenssondern auch eine dankenswerte Arbeit. Wir werden vertraut, in Einklang zu bringen, die Entwicklung und mosaische Kosmogenie, die Dauer der Schöpfungstage, die Ileberzeugung, die religiösen Satzungen,» die Allmacht Gottes und schließlich den Fortschritt mit den Anschauungen und Lehren einerseits des Judentums, andererseits der Naturwissenschaft. — So wollen wir denn hoffen, datz diese Schrift, die im Verlage der Hebräischen Buchhandlung C. Boas N a ch f., Berlin C 2, Neue Friedrichstratze 96 zum Preise von Mk. 2. - erschienen ist, in weiten Kreisen Eingang findet, j»u Nutz und Frommen sowohl des Judentums als auch der jüdischen Jugend, aus der heraus ganze Menschen entstehen sollen, die nicht der zerstörende Zweifel, sondern das Wissen und die Ueberzugung gebiert. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Büro für Statistik der Juden. Berlin C 2. An der Spandauer Brücke 15. Schriftleitung: Dr. Bruno Blau, Berlin. 10. Jahrgang. Heft Nr. 1. Januar 1914. Inhalt: 1. Abhandlungen. Dr. oec. publ. Jakob 2 e g a l l, Berlin: Die jüdischen Frauen-Vereine in Deutschland. — Hora 1 or: Die Bevölkerungsbewegung der Stadt Wien von 1900 bis 1911 mit besonderer Berücksichtigung der Juden. — 2. Berichtigung. Le Traducteur, The Translator. Jl Traduttor, drei Halbmotatsschriften zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. — Diese Lehrschristen, deren ersteere soeben den 22. Jahrgang antritt, machen sich zur Ausgabe, das