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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 101 in eine neue Heimat, so werden sie des Mangels an Patriotismus geziehen, und ihnen der Vorwurf gemacht, daß sie die Negierung in ihrer Aktion zu Gunsten der Juden gehindert hätten. Gehen sie aber darauf ein. und das ist jetzt seit der letzten 'Mobilisierung der Fall und halten mit ihren Klagen zurück, so stehen sie vollends schutzlos dem antisemitischen Studenten- und Beamtenpöbel preisgegeben da. Ein Beweis hiefür ist Iaffp. Wie uns mitgeteilt wird, ist man sowohl bei der Ica als auch in den Zentralstellen der anderen großen jüdischen Hilfsorganisationen in Europa und Amerika darauf gefaßt, daß die verschiedenen vagen Versprechungen von rumänischer Seite auch diesmal nicht in Erfüllung gehen werden. Man ist aber für diesen Fall auch fest entschlossen, den undenkbaren Zuständen dadurch ein Ende zu machen, daß die Inden, welche von Rumänien als Last betrachtet werden, und die unter solchen Knebelungen moralisch und wirtschaftlich vollends zugrundegehen müssen, aus dem Lande emigrieren und in freiheitlichen! Lande eine neue Tristenz suchen werden. Henry Bergson. . Der bekannte Philosoph Henri B e r g s v.n ist für dvs Jahr 1914 zum Präsidenten der Iemlchnia hh-:meui>6 ckes x,äoneo8 morales et politipuos.ernannt worden. lieber die Popularität Berg so ns schreibt ein Fenilletonist: Seit einigen Jahren hat Paris eine Neuheit, die noch kaum dagewesen sein dürfte: Einen Philosophen, der so in Mode ist, wie eine Tänzerin, ein Damenschneider- oder ein Teesalon, und der von denselben Kreisen verhimmelt und gehört wird, die sonst, ziemlich abseits von Metaphysik, sich mehr unl Tango, die neuesten Schöpfungen Pvirets und das neueste Fiveo clock-Etablissement bekümmern. Dieses seltene Philosophengeschick ist Herrn Henri Bergson beschixden, der im College de France Vorlesungen über reine Philosophie hält und jetzt auch, dank seiner Beliebtheit, Kandidat in die Academie Francaise ist. D ie Studenten haben gegen das Ueüerflnten ihrer Hörsäle durch die große Gesellschaft bereits Protest erhoben und drohen mit neuen Skandalszenen. Sie erklären in einer Denkschrift, die sie dem Rektorat übergeben, daß die Vorlesungen Bergsous einfach ein Skandal sind. Es ist ein Salon, kein Hörsaal. Man kommt hin, wie man zum Zuckerbäcker geht, um nachmittags Backwerk zu knuspern. Und diejenigen ö ie Bergsvn verstehen könnten, finden keinen Einlaß mehr. Die Studenten luden Vertreter der Zeitungen ein. sich einmal selbst von den Zuständen im College de France zu überzeugen. Die Vorlesung des Philosophen ist für 5 Uhr angekündigt — schon dies ein Unfug, daß man dem unerklärlichen Sensationsbedürfnis der vornehmen Gesellschaft so entgegenkommt und einen ernsten Kurs für eine Stunde ansetzt, wo sie frei ist und sich nach einer vergnüglichen Beschäftigung umsieht. Um 2 Uhr stellen sich bereits die ersten Hörerinnen und Hörer vor der Tür seines Hörsaales an. Bald schien das Vestibül des ernsten College de France ein Rendezvonsort der aristokratischen Pariser Gesellschaft Damen in kostbaren Mänteln und farbengeschmückte Hüte auf dem Kopfe, setzen sich, des Stehens müde, einfach auf die nicht ganz staubfreien Stufen nieder, die zu dem berühmten Hörsaal Nummer acht führen. Wenn man zuhört, so konstatirt man. daß sie Philosophie und Toiletten durcheinander besprechen. Um 3 wird endlich der Hörsaal geöffnet und gleich von der Menge gestürmt. Um Uhr ist kein Plätzchen mehr frei. Die Damen ziehen aus den Perlenridiküls, die sie, getreu der letzten Mode, tragen, philosophische Werke/ sowohl die des Professors Bergsvn wie andere, aus die er sich in seinen letzten Vortrügen bezogen hat, und lesen sie eifrig durch. Noch ist ein anderer Kurs zu absolvieren, i>or eines unglücklichen Nativualökvnvmen, der vor einem vollen Saale spricht, ohne daß auch nur ein Mensch ihm wirklich zuhört. In den vorhergehenden Fahren hatten die Damen die eigenartige Sitte eingeführt, daß sie ihre Dienerschaft zu der Vorlesung Bergsons vorangehenden Vorlesung schickten, die ihnen die Plätze zu halten hatte, bis sie selbst zusammen mit ihrem geliebten Philosvphieprvfessvr den Eintritt in den Hörsaal vornehmen. Diese Beguemlichkeit wurde ihnen über energisches Einschreiten des Prosessvrenkvlleginms genommen. Jetzt müssen sie selbst sich vorzeitig herbemühen und -einen Kurs über die Fiuauzen Frankreichs unter Ludwig dem Vierzehnten über sich ergehen lassen, ehe sie zu ihrem Vergnügen kommen. Um halb 5 Uhr ist der Saal zum Erdrücken voll. Aus den Gängen, aus den Stufen des amphitheatralisch gebaüten Hörsülen stehen elegante Damen und Herren, und immer kommen noch neue Hörep. Infolge der Beschwerde der Studentenschaft hat man den vorweisen können — denn das College de France ist eine freie Hochschule, und jeder der sich korrekt benimmt, bat ohne weiteres Eintritt zu den Vorlesungen — einige Bänke reserviert, zu denen man durch eine eigene Tür gelaugt. Es herrscht, obwohl der würdige Herr auf dem Katheder noch immer über sein Thema spricht, eine fröhliche Stimmung im Saale. Einige Damen, denen man zn nahe kommt, kreischen, ferner ein Schieben ,Rascheln, einige Studenten ahmen Katzen nach. Einege Minuten vor fünf endigt endlich der Nationalötonom seinen Vortrag und um Punkt fünf Uhr erscheint Herr Bergson, von dem mit Handschuhen bekleideten Händen seiner Zuhörerschaft mit gedämpften Klatschen begrüßt. Herr Bergson entpricht in feiner äußeren Erscheinung gewiß nicht dem Ideal seiner zahlreichen Zn Hörerinnen. Er ist klein, mager, ziemlich kahl, ganz glatt rasiert. Ter Professor fetzt, sich blickt um sich und scheint ganz erstaunt über die Menge und die Dualität seiner Xubörerschast. Einige besonders kühne und geschickte Damen haben es sogar gewagt, gleich hinter dem Meister das nur für den Vortragenden bestimmte Katheder zn besetzen und haben sich dort häuslich niedergelassen und Heftchen mitgenommen, in denen sie fleißig mitschreiben werden: Ein liebevoller Blick des Professors streift sie, so das alles zu lachen beginnt: Tann fängt er feinen Vortrag an: Tiefer gilt diesmal der ..Mechanik des Weltalls". Die Damen verfolgen mit leuchtenden Augen die Gedankenarbeit des Meisters, in der er langsam seine Theorien analysiert und entwickelt. Ihre Gesichter sind gespannt und hochrot, als ob sie einem besonders verwegenen Tango beiwohnen würden. Geheimnis. Mysterium und Unergründlich,- teil der Philosophie! * * Eine Bergson Plakette: Ans Paris wird uns geschrieben: Ein Komitee, dem unter anderen G. W. Balfonr, Professor Driesch in Heidelberg, Professor Dr. Jerusalem und Dr. Rudolf Bi ach in Wien, F. E. 2. Schiller in Lrford angehören, hat den Bildhauer- Henri Kautsch mit der Ausführung einer Plakette beauftragt. Die Plakette kommt nicht in den Handel, sondern wird nur an Subskribenten abgegeben: die eingegangenen Beträge werden einem von Professor

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