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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 100 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 7 vielen Jahren, besonders durch die leider nicht wirkungslose Agitation der Christlich-Sozialen gegen den indischen Kaufmanns- und Gewerbestand, haben sich einzelne Wiener jüdische Persönlichkeiten für die Schaffung von leichten u. billigen Kreditmöglichkeiten zugunsten dieser Stände interessiert. Tiefem Interesse entstand vor 14 Jahren die „Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft, r. G. m. b. H." und einige Jahre später der „Wiener Spar¬ und Vorschuß-Verein, r. G. m. b. H.". Beide Institute verfolgen ein und denselben Zweck, ihren Mitgliedern die sich aus dem Kleingewerbe rekrutieren, zu möglichst bequemen Bedingungen Geldkredit zu gewähren. Auch der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde, obwohl die Losung derartiger wirtschaftlicher Fragen nicht in seinen Wirkungskreis fällt, verfolgt mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen alle Anregungen auf diesem Gebiete. Ter leider zu früh verstorbene Kultusvorsteher und Gemeinderat, Herr Mar Frau k. hat wiederholt gelegentlich. d er Budgetdebatte in seiner Eigenschaft als Finanzreferent im Kultus-Vorstände auf die Schaffung eines den Bedürfnissen entsprechenden, jüdischen Kreditinstitutes hingewiesen. In diejem Blatte wurde vom Gefertigten vor mehreren Jahren in einigen Artikeln die Notwendigkeit eines solchen Institutes, speziell für Wien, erörtert und auch darauf hingewiesen, in welchem Matze der Wiener Kultus-Vorstand ohne Ueberschreitung seiner Kompetenzbefugnisse dabei helfend eingreifen könnte. Durch die munifizente Spende des verstorbenen Präsidenten Ritter von Morawitz, tritt nun neuerdings diese Frage, und diesmal besonders für den Kultus-Vorstand in den Vordergrund des Interesses. Der verstorbene Wohltäter, der als hervorragender Geschäftsmann und Finanzier einen Weltruf genotz und der, wie eben diese Spende beweist, trotz seiner grohzügigen Arbeit auch die Zeit zur Beobachtung der Verhältnisse des kämpfenden Mittelstandes sich verschaffte, hat mit seinem Legate zweifelsohne auch weitere jüdische Kreise auf die Not des jüdischen kleinen Mannes aufmerksam machen wollen. Cr wußte ganz gut, daß der Betrag von 250.000 Kronen wohl als Spende eines einzelnen reichen Mannes nicht genug einzuschätzen aber den Bedürfnissen leider noch lange nicht entsprechend genug ist. Die Aufgabe des Kultus-Vorstandes wird es sein, den nun von R. v. Morawitz mit seiner Spende gemachten Anfang fortzusetzen. Bei dieser seiner Aktion mützte er sich von rein kaufmännischen Gesichtspunkten leiten lassen. Kaufmännisch richtig ist es. niemandem etwas zü schenken. Zinsenfreie Darlehen sind als Schenkung anzusehen. So manchem Kaufmann oder Gewerbetreibenden wäre mit einem Darlehen von 1000 Kronen sehr geholfen und die Wiener Baron Hirsch- Stiftung würde es ihm mit Rücksicht auf seine Anständigkeit und seine sowie die Bonität seiner Bürgen ruhig gewähren,' trotzdem ihm dieser Umstand auch bekannt ist verzichtet er auf diese Wohltat. Mit Recht sagt er sich: „Die Baron Hirsch- Stiftung gilt als ein philantropisches Institut, gewährt zinsenfreie Darlehen, als Kaufmann oder Gewerbetreibender kann ich mir mit Hilfe des gewährten Darlehens verdienen und will mir nichts schenken lassen." Cr befürchtet auch übrigens nicht mit Unrecht, datz es ihm bei seinen sonstigen Kreditgebern schaden könnte, wenn er bei philantropischen Vereinen Hilfe sucht. Dieselben, sogar in noch größerem Matzstabe berechtigten Bedenken treten auf, wenn die Kultusgemeinde als solche in ihren Büroräumen und ausschliehlich unter ihrer Leitung ein derartiges Institut kreieren sollte. Die Kultusgemeinde, die hauptsächlich für den Kultus und Unterricht zu sorgen hat, und die in Wien überdies eine sehr intensive charitative Wirksamkeit entfaltet, kann nicht gut eine ausschließliche wirtlchaftliche Institution nach kaufmännischen Prinzipien leiten. Agenden des Tempels, und der Chewra Kadischa lassen sich nicht leicht '.njt ihr identifizieren. Soll der Intention des edlen Spenders entsprochen werden und dem wirklichen Bedürfnisse, die Besserung der derzeitigen Lage des Wiener jüdischen Gewerbe- und Kaufmannstandes Rechnung getragen werden, wäre es angezeigt, datz der Vorstand der Kultusgemeinde mit Berücksichtigung der zwei eingangs erwähnten Institute, sich einen Plan zu Recht legt, ein großes Kreditinstitut, das weniger in seiner äußeren Bezeichnung, dafür aber mehr in seiner Geschäftsgebahrung sich seiner Aufgabe dem Wiener Judentum gegenüber bewußt ist, ins Leben zu rufen. Ein derartiges Institut muß wohl ganz unter dem Einflüsse des jeweiligen Wiener Kultus-Vorstandes stehen. Die Statuten müßten so abgefäßt werden, datz für immer die Delegation des Kultus-Vorstandes im Vorstande des Instititus die Majorität behalte, denn nur dadurch wäre die Gewähr vorhanden, daß ein solches Institut auch den jüdischen Bedürfnissen immer entsprechen würde. Das Institut selbst aber mützte streng kaufmännisch geleitet werden und nach außen hin, im Interesse desselben, jede Gemeinschaft mit der Kultusgemeinde vermeiden. Die Großbanken, von deren Wohlwollen derartige Gründungen ja hauptsächlich abhängig sind, könnten beim besten Willen in einem anderen Falle ihre Unterstützung nicht gewähren. Die Tschechen, deren Bakgründungen in erster Reihe nur dazu dienten, die Besserung der ökonomischen Verhältnisse ihres Volkes zu bewerkstelligen, ließen und lassen sich auch noch heute ausschließlich von kaufmännischen Grundsätzen leiten. Und wen.n nun die Zivnostenska Banka jetzt zur Erhöhung ihres Aktienkapitals von achtzig Millionen Kronen .auf hundert Millionen schreitet, verdankt sie es eben nur diesen Grundsätzen. Für die Schaffung eines Kreditinstitutes für die Bedürfnisse des kleineren jüdischen Mittelstandes ist die Notwendigkeit gerade jetzt noch mehr denn je gegeben. Die letzten zwei Krisenjahre haben niemandem mehr so geschadet, als gerade diesen. Aber auch die Mittel könnten bei gutem Willen ebenfalls beschafft werden. Karl Ritter von Morawitz zeigte sie an. Mehr als Geld wäre für dieses zu schaffende Wert) notwendig. daß die jüdischen Berufsgenossen des verstorbenen Präsidenten R. von Morawitz im Vereine mit den in Betracht kommenden jüdischen Korporationen sich hiefür mit Wärme einsetzen sollten. Dem Vorstände der Wiener Kultusgemeinde obliegt es, das Interesse hiefür wachzurufen. Mit der Schaffung eines modernen Kinderspitals sorgt der Vorstand für die Gesundheit der Kinder, mit der Hilfeleistung zur Gründdung einer wirtschaftlichen Institution wird es das Bedürfnis nach Versorgungshäusern restringieren. I. Grobtuch. tl)om Jahrmarkt des Lebens. Tie unerträgliche Lage der Juden in Rumänien. Das Zentralbureau der ,/Ica" hat, wie uns von eingeweihter Seite berichtet wird, aus Rumänien verläßliche Daten darüber, daß die Lage der Juden in Rumänien nachgerade unhaltbar geworden ist. Gerade der Umstand, daß ihnen von verschiedenen und selbst von allerhöchster Seite bloß Vertröstungen auf die Zukunft zuteil werden, und andererseits von Regierungskreisen weder eine entschiedene Ablehnung, noch eine strikte Zusage hinsichtlich der Forderungen der Juden gemacht wird, hat ihre Situation so unangenehm wie möglich gestaltet. Wenden sie sich jetzt ganz offen an die großen jüdischen Organisationen um Hilfe, und um Beförderung

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