Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite' 89 für das Wohl des Judentums und das Aufblühen des Vaterlandes arbeiten zu können. Am griechischen Neujahrstage erschienen Jakob Meir und die Deputation in der Kathedrale, wo das offizielle Tedeum zelebriert wurde. Nach dem Tedeum zog der König den Großrabbiner in ein längeres Gespräch, an dessen Schluß er Nabbi Jakob Meir huldvoll die Hand reichte. Enver Pascha Wer die jüdischen Soldaten. Anläßlich des Besuches, den der Großrabbiner der Türkei Rabbi Hain Nahunr dem Kriegsminister Enver Pascha vor einigen Tagen abgestattet hat, kam der Kriegsminister auch auf das Verhalten der Juden während der letzten Balkankriege zu sprechen und hob ganz besonders die ausgezeichnete Haltung der jüdischen Soldaten, selbst in den kritischesten Situationen hervor. Enver Pascha sagte unter Anderem, daß die türkische Regierung dieser patriotischen Haltung der Juden stets eingedenk sein, und ihr Verhalten den Juden gegenüber auch darnach einrichten werde. Es sei bekannt, daß die Regierung in fünf Wahlbezirken jüdische Kandidaten nominiert hat. Hauswirtschasts-klnterricht und jüdischer Kochunterrichl in Frankfurt a. M- Ein bemerkenswerter und recht erfreulicher Bescheid ist der Jüdischen Haushaltungsschule E. Vin Frankfurt a. Mvon der Kgl. Provinzialbehörde in Eassel zugegangen. Auf ein bezügliches Gesuch wurde der Jüdischen Haushaltungsschule die Genehmigung erteilt, für jüdische junge Mädchen, die sich im Haushaltung-Seminar des Frauenbildungs-Vereins ausbilden wollen, einen besonderen Kochkursus nach jüdischen Ritus einzurickten. Dieses rituelle Kochen wird bei der staatlichen Prüfung als gleichwertig anerkannt, und ist dafür eine sachverständige jüdische Dame zu ernennen, die bei der Prüfung dieser jüdischen Seminaristinnen der Prüfungskommission angehört. Für alle Freunde und Förderer bedeutet diese behördliche Verfügung einen warm?.u begrüßenden Fortschritt. denn bis jetzt konnten religiöse Jüdinnen, da sie sich am Kochunterricht nickt aktiv beteiligen konnten., nicht zur Prüfung zuaelassen werden. Wenn man verfolgt, welch eminente Wichtigkeit der hauswirtschaftlichen Erziehung von den bekanntesten Pädagogen und Volkswirtschaftlern zuerkannt wird, und wie bereits der größte Teil der deutschen Staaten den Hauswirtschasts-Ilnterricht als obligatorisch für Volks- und Mittelschulen aufaenommen haben, so wird man die Bedeutung dieses behördlichen Bescheids zu würdigen wissen. Die Schwierigkeit bei Einführung des Hauswirtsckgfts-Ilnterrichtes laa zuerst am Manael einer in der rituellen Küche ausae- Hldeten Lehrkraft. und fetzt, da diese Ausbildungsmöa lichfeit aeaeben. ist auch zu erwarten, daß die bauswirtschaftliche Schulung in ihrer aanzsn aroßen Wichtigkeit auch non den jüdischen Schulen. Erziebunasbümen. nlw. als Ilnterrichtsgeaenstand ausgenommen wird. Mit dielen Kursen für iüdis^e Seminaristinnen wird die Hansboltunasschuke in ihrem neuen Hoim. das sie im Mai 1Q1-4 zu benetzen aedenkt. im bisherigen Haus der israelitischen Krankenschwestern in der Köniasmgrte.'-strgße be oi'nneu Die Anstalt nlant weiter auß"r den bereits bestehenden Kursen zur Aushildnna w»ihli^er Hausaebil f'vnew deren Dauer auf "M Jatzr verlängert rmrd. Zack>- knvse für Haustöchter und zur Aushildnna nnrt Wirtschaftsfräulein. Stützen, ulw eknzurkchteu. Wi' bisher wird in de'' Haushgltun^sschnle der Schnlküchonnnt->rricht an alle israelitischen Volksschüle''fnn<'n erteilt, der sich eines setzr i-eaen NeH^»« e^Hent. Auch in itz^em neuen Ho,',n nliede^t sich de»' Anstalt ein Mäöch-mlwim füe ho rufstätkoe Mädchen in größerem llmfanne NN. Das ptzue Hgus wird den verschiedenen Zwecken entsprechend mit allen neuzeitlichen Lehrmitteln versehen sein'. Vier große geräumige Küchen mit entsprechenden Lehrsälen dienen dem Kochunterricht, große Speisesäle, luftige Schlafzimmer, teils mit Veranden und ein schöner Garten um das Haus bieten den lernenden, wie den bereits berufstätigen Mädchen einen angenehmen gesunden Aufenthalt. Alle Anfragen beantworten die Prospekte enthalt. Alle Anfragen beantworten die Prospekte, die der Verwaltungsrat der Jüdischen Haushaltungsschuke in Frankfurt am Main kostenlos verschickt. Samuel Reinach Wer die Ritualmordlegende. In der letzten Nummer des Organes der französischen Gesellschaft zur Vertedigung der Menschenrechte veröffent licht der berühmte Gelehrte Salomon Reinach einen ausführlichen Artikel über die Blutlüge. Obwohl der Artikel inl Großen und Ganzen nicht viel neues Material enthält, so gewinnt er doch eine besondere Bedeutung dadurch, daß Reinack die französische Gesellschaft in seiner meisterhaften Art in eingehender Weise mit den russischen Zuständen vertraut macht. Im Allgemeinen sagt Reinach. wurde die Ritualmordbeschuldiguna in den verschiedenen Zeitaltern von gewissen Gruppen stets gegen ihre politischen Feinde als Waffen gebraucht. So haben die Heiden die Christen. die Christen wieder die Juden, die Puritaner des 17. Jahrhundert die Anhänger Karls des Ersten und die Schweizer wieder die Jesuiten des Mordes zu religiösen Zwecken oder arrs religiösen Motiven angeklagt. Die Chinesen beschuldigen noch heute die unter ihnen weilenden Missionare des Ritnalmords. Reinach teilt auch die Ansicht verschiedene'' Volkskleristen. die im Allgemeinen der Ansicht sind, daß in der Verbreitung dieser Blutbesckuldiaunaen zwischen dem Osten und dem Westen ein IlnteN^ied sei. Während in Westeurova eine Ritualmordanklage aeaen die Juden in der Regel von der Presse ausaeH. und durch diese in die Massen dringt, n 'rd im Osten eine solche Logende gewöhnlich in den Mähen aoboren gnd dann echt von der Presse aufaeariffew In Rußend, meint nun Reinack trekfe das Letztere 'H, weit Her die Volksmasse gar nickt iudenfeindlich geftrtnf sei. Rußland zeHe iick aergd" hierin westlicher als Westeuropa.' denn es n-waeb^ kein Taa. daß nickt irgendeine gntisemitiibe Zchtung eine Rituglmordachchichte zu konstruieren ve-suckt. und bloß infnHe des Widerstandes der Volksmassen damit nackt reuissiet. Me wirklichen Onfer des Brilisvrozeffes. Aus Petersburg, schreibt uns unser Korresvondent: Jetzt kann man allmäblick die Liste der wirklichen Onfer des Beilis-Pro^ehes überblicken. -Sie rekrutieren f,b alle aus den Greifen der '-uhiscken Intelligenz, die sich nickt gescheut haben .aeo»n dos Ritnalmärchen vrotestkeren oder durch kbr Gutachten kn dem Prozesse den Freispruch berbeigefübrt haben Der Fall des weltberühmten Psockiaters Professor Dy. von Bechterew ist schon zur Genuas bekannt. Dg-; gleiche Schicksal mit Rechterem teilte der Professor für ältliche Diagnostik und Direktor de'' vravedeutisch»,, Klinik an der Ilniversität Moskau. Kachlin Jghre dozierte dieser be liebte LeHer an W Hochschule. Etwa anderthalb Monate nach Beginn des Wintersemesters las er im russischen Reichsanzeiaer. dgß er anläßlich d-s Ablautes de'' ^ötahrioen Dienstzeit seine-; Amtes enthoben sei. Professor Zisch kin wird meaen seiner vornehmen und liberalen Gesinnung van den Student»" allgemein verehrt und ist nolitifck nie tzervaraetreten Ab»r er aetzort nicht zu den Kreaturen des Kultusministers. Eine ganz besondere Ne"vosität bemächtigt sich der Behörden seit der Zeit, als viele ältliche Vereine in den verschiedensten Städten Rußlands ihren Protest gegen die unwissenschaftlichen und phanta-