Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022096--22859-3048027- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 6 Dr. Blochs Wochenschrift- Seite 87 Marktes" n i ch 1 st a t f i n d e n kann? Was dann? Wäre es nicht an der Zeit, eine hohe!. t. Kultusbehörde auf das Unhak.bare hinzuweisen, das in dieser Sachlage für das gesetzliche Eheaufgebot sich leicht ergeben kann?! Vom v ä d a gogischen Gesichtspunkte endlich erregt diese Frage nachgerade Besorgnis. Die bestehenden Schulgesetze räumen in Bezug auf Arbeitsenthaltung am Sabbathe. dem Schüler möglichste Rücksicht ein, um selbst dem Kinde einen Gewissenszwang zu e s raren. Sieht nun ein solches Kind an besagten Sabbathrn die Verletzung des Sabbathes durch Kauf, Verkauf und dergleichen seitens der Erwachsenen, muß da nicht der Wurm des Zwiespaltes in sein Gemüt sich einnisten, der die edelsten Früchte aller pädagogischen Wirksamkeit: Aufrichtigkeit, Wahrheitsliebe des Kindesherzens benagt? Ist das nicht der erste Keim des Konfliktes zwischen Religion und Elternhaus, zwischen Lehre und Leben, der jeden Erfolg des Religionsunterrichtes illuso i>ch macht? Man vergesse nicht, .daß der Sckaurlatz die'es Zustandes infolge der oben besprochenen Zeitenänderung, große jüdische Gemeinwesen sind, in denen gleichfalls durch den samstägigen .WochenmaTt stillschweigend ei le Reli iinsverletzung geduldet wird. In Böhmen sind es die Gemeinden Pilsen. Budweis, Eg er: in Mähren Olmütz. 2glau: in Schlesien Troppa u, B i elitz, Teschen: von anderen kleineren Gemeinden ganz abzusehen. Das sind unhaltbare Erscheinungen, die dringend n ach Remedur rufen. Groß, sind die Leitungen obiger Gemeinden fürs Judentum: aber vielleicht ruht doch ohne Schuld derselben und ohne, daß man sich der Tragweite dieses Uebels bewußt ist, mancher Keim des späterhin so grassierenden Abfalls und Treubruchs in diesen Verhältnissen verborgen. Es ist ein wunder P u n kt. auf den einmal. ungescheut der Finger gelegt werden - muß, ein „gelber' Fleck", der' unbedachtsam toleriert wird. Ihn zu beseitigen, wird es der hohen Behörde gewiß nicht an gutem Willen mangeln. Möge sich aber dieser zunächst bei unseren Faktoren finden, Vwobei wir vor allem die hiezu berufenen p. 1. Verbände im Auge haben Deren Aufgabe - um nur das Allerdringendste zu skizzieren - wäre zunächst die Wahl eines Komitees, welches für eine Umfrage an die betreffenden Gemeinden und Ausarbeitung eines wissenschaftl'ch und gegenständlich erschöpfenden Fachgutachtens zu sorgen hätte. Zweifellos würde sodann die hohe Behörde die gewünschte Konsequenz ziehen. Ob dann der erwartete Erfolg für die Sabbathheiligung in den fraglichen Städten sich einstellen würde? Der Weg hiezu wäre jedenfalls geebnet und wer denselben dann meidet, der kann nur sich selbst einen Vorwurf machen. Nicht Fanatismus oder Unbedachtsamkeit auf die materiellen Interessen leitet unsere Feder, sondern inniges Empfinden für unser moralisches, religiöses und bürgerliches Wohl. Wir gelten nur soviel als wir selbst gellen wollen, und wie wir in unseren eigenen Augen erscheinen, so erblicken uns auch Andere. Korrespondenzen. An die jüdische Oeffentlichkeit. Am 10. Jjar 5674 (6. Mai 1914) werden es f ü n f z i g Jahre, seitdem eine unserer größten Persönlichkeiten Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Ascher) das Licht der Welt erblickte. Wer kennt nicht die schöne jüdische Gestalt des liefen, ehrlichen Denkers und Kämpfers, des versonnen Träumers! Schon mehr als dreißig Jahre sucht und kämpft er, der große jüdische Kulturkritiker, der Prophet der jüdischen Auferstehung und Selbstbefreiung. Dr. Nathan Birnbaum ist kein Parteimann, kein Durchschnittspoliliker. Cr hat keine Partei, keinen eigenen Kreis von Parteigenossen, ec ist kein Führer einer besonderen Gruppe im jüdischen Volke. Mathias Ascher ist ein Lehrer und Pionier, er ist außerhalb der Parteien, er sucht und schasst für alle Juden, für das ganze jüdische Volk! Darum ist er aber auch einsam. Denn das jüdische Volk hat noch nicht gezeigt, daß es seine Kämpfer und Propheten zu ehren und zu stützen weiß. Einsam kämpft er mit den Feinden eines freien Judentums. D r. Birnbaums I u b i l ä u m ist ein G e i st e s f e ft für die ganze jüdische Welt! Deshalb rufen wir die ganze jüdische Volk auf, dieses nationale Fest würdig zu begehen, wie ein Volk, das seine großen Menschen zu schätzen versteht. Wir wollen zum 50. Geburtstag unseres Mathias Acher dem Jubilar eine nationale Ehrengabe überreichen, die ihm für feine älteren Jahre eine ruhige Existenz gewährleisten soll, auf daß er frei von Nahrungssorgen unseres Volkes Feld weiterbebaue, felnrn Gedankenbau noch höher führe, für unsere höchsten Ideale noch erfolgreicher kämpfe. Zu diesem Zwecke mögen überall Jubiläumsabende und andere Veranstaltungen organisiert werden, deren Reinertrag dem „Dr. Nathan Birnbaum Jukilüumsfond" zufließen sollen. Wer sich für die gute Sache inleressiert, wende sich behufs genauerer Instruktion an den Arbeitsausschuß des Jubiläumskomilees in Berlin. Wir hoffen, daß unser Aufruf allgemeinen Anklang finden und uns jeder nach Kräften beistehen wird. Dr. D. A l k a l y (Belgrad), Schalom A s ch (Paris), Dr. I. S. Bloch .(Wien), B. B o r o ch o w (Wien), Dr. Max B r o d (Prag), L. C h a s a n o w i t s ch (Alien), I. D i e n e s ch u (Warschau), S. D u b n o w (St. * Petersburg), H. Ehrenstein (Newyork), Ch. Fein m a n n (Newyork), David F r i s ch m a n n (Warschau), Alexander H a r - k a v y (Newyork), S. I. I a z k a n, (Warschau), I e h o j o s ch (Newyork), Dr. A. Kappel (Lodz), L. A. Klezkin (Wilna), Dr. I. L. Magnes (Newyork), Jakob Milch (Newyork), Dr. I. I. Niemrrower (Bukarest), Sch. Niger (Wilna), Dr. D. P a s m a n i t (St. Pelersburg), A. P e r e l m a n n (St. Petersburg), I. L. P e r e z (Warschau), David P i n s k i (Newyork). S. Nabinowitz (Scholem-A.ejchcm-Lausanne), Abraham Re is e n (Paris), Dr. M. Schatz (Maxim Anin-2t. Petersburg), Dr. Chaim Schitlowsky (Newyork), Salinen Schneider (Berlin), Dr. N. Syrkin (Newjork), Löbl Taubes (Lemberg). Davis T r i e t s ch (Berlin), B. Z u ck e r m a n n (Newjork), M. Winawer (St. Petersburg), Hil.el Zeitlin (Warschau), Dr. S. Zinnberg (St. Petersburg). Der Arbeitsausschuß: S. I. Czaczkes (Agnon), P. D ub i n s k y, F. M. K a u f m a n n, Ing. A. K l e m e n 1 i no w s k y. A. M a r g o I i n, I. M e st e l, L. O.st r o we r, S. Schneider. Unsere Geld-Adresse: Commerz- und Diskontobank, Depositenkasse C, fürd as Dr. Birnbaum -Jubiläums -Komitee, Berlin, Charlottenstraße. 47. Unsere Adresse für einfache und eingeschriebene Briese: Geschäftsstelle des Dr. N. Birnbaum-Jubiläums- K o m it e e, Berlln-Steg.itz. Emigrantenfürsorge der Israelitisch m Allianz zu Wien. Während des Monats Jänner 1914 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 168 Emigranten, davon 176 russische und 12 rumänische weiterbefördert u. zw. 145 nach den Vereinigten Staaten, 10 nach Argentinien. 7 nach Kanada. 4 nach England, 17 nach Frankreich und, 5 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbefördert wurden 24 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Jänner für 38 Personen zusammen 139 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 76 Personen, insgesamt 307 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Cs fuhren zu ihren Männern 17 Frauen mit zusammen 43 Kindern, zu Eltern resp. Kindern- 37 Erwachsene mit 11 Kindern, zu Geschwistern 27, zu sonstigen Verwandten 42 und ohne nähere Verwandle 10.