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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 84 Dr. Blochs Wochenschrift. streite dies. Und ich habe die innerste Ueberzeugung,, daß auch dieser Kall einmal eintreten wird,, und ich habe aber gleichzeitig auch die Ueberzeugung, daß, wenn ein Jude zu diesem Amte berufen wirb, er auch da seinen Mann stellen wird. Israel Zangwill, der gleichfalls Mitglied der Maccabeans und von denselben wiederholt gefeiert wurde, hielt nun in seiner bekannten, launigen Wehe den Trimspruch auf das Barreau und die Gerichte, in welchem er den Richter und Verteidiger mit dem ätünstler verglich. Einen besonders liefen Eindruck rief Zangwill hervor, als er darauf hinwies, daß er zur selben Zeit, da Sir Rufus Jsaacs, der nunmehrige Lord Reabing, zum Lord-Oberrichter in England ernannt wurde, sein Zangwills Freund Advokat Margold in Kiew, dafür daß er unter den größten Opfern die Wahrheit suchte, um ein Unrecht zu verhindern, von der Advokatenliste gestrichen wurde. Das Zusammenfällen dieser beiden Ereignisse sei von .viel größerer und tieferer Bedeutung, als es oberflächlich betrachtet zu sein scheint. Er habe den Wunsch, daß wenn einst wie Lord Reading prognostizierte, der jüdische Kanzler ernannt wird, dieser Ausdruck absoluter Gerechtigkeit und Unvoreingenommenheit nicht wieder durch ein ähnliches Schattenbild getrübt werde. 2m Uebrigen halte er gerade Refus Jsaacs als den geeignetsten und prädestinierten Kandidaten für den jüdischen Lord-Kanzler. „Jüdisches im christlichsten Leben." Am! 16. Januar fand im Hörsaal 1 der Breslauer Universität der dritte Vortragsabend der „Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde jtatt Unioersitätsprofessor Dr. D. Hoennicke sprach über „Jüdisches im christlichen Leben". Verdankt die Weltkultur Griechenland den Sinn für Wissenschaft und Kunst, Rom die rechtliche und gesellschaftliche Organisation, so Juda das Sittengesetz und die höhere religiöse Anschauung, den reinen Gottesglauben. Das Judentum hat dem Christentum den Weg gebahnt, dieses selbst ist ein Stück des Judentums. In der christlichen Kirche ist trotz Paulus und trotz der Absprengung vom Judentum nicht nur vom Anfang an vieles jüdisch geblieben, sondern rein christliches noch später unter Einwirkung der jüdischen Tradition gefärbt worden. Der Vortragende bewies durch Beispiele aus dem christlichen Kultus, christlichen Sitten und Einrichtungen. 2n der äußeren Kultusform zeigt er es an Bau und Einrichtungen der Kirchen (Einteilung) Vorhalle, Schiff, Sanktuarium, entspricht der israelitischen Stiftshütte, Wasserbecken (v. d. sal. Tempel), Hostientabernakel, (Thorarolle), Altarkerzen) — an der Form des Gottesdienstes (Schriftverlesung, Predigt, Gebet, die Messe trägt in allen ihren Teilen jüd. Charakter: der Friedenskuß, der spater durch Küsse auf den Altar, die Heiligtümer, die Hand des Priesters ersetzt wurde, ist von den ersten Christen aus dem jüdischen Kultus übernommen worden) — an der Priesterkleidung (Amictus und Stola). Die Ibendmahlfeier, ursprünglich eine Nachahmung der. jüdischen Brudermahle, hat später unter dem Einflüsse des jüdischen Passah sich stark umgestaltet. Das christliche Gebet, das Brevier des katholischen Geistlichen weisen zahlreiche Entlehnungen aus dem Judentum auf; auch die dreifachen Erfordernisse bei der Beichte scheinen auf jüschen Einfluß zurückzugehen. Noch deutlicher sind die jüdischen Einflüsse bei den Festzeiten, so wurde früher, in Anlehnung an den Sabbath, der Sonntag von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang gerechnet, erst seit Papst Alexander dem Dritten von Mitternacht zu Mitternacht — die Unterscheidung eines kirchlichen und bürgerlichen Jahres geht auf das Judentum zurück. — Pfingsten ist, wie die Umdeutung seiner symbolischen Bedeutung und str. 6 weitverbreitete Bräuche beweisen,: das jüdische Wochenfest. Das christliche Ostern hatte lange Zeit einen streng jüdischen Charakter (Dauer von acht Tagen, Berechnung usw.) Hypothetisch bleiben die Beziehungen jüdischer Feste zum Weihnachtsfeste; dagegen weist Lichtmeß entschieden auf ein jüdisches Vorbild hin. Besonders aber lebt in christlicher Sitte, in Lebensgewohnheiten, und Lebensformen jüdisches bis heute fort, so in Anschauungen und Bräuchen bei der Taufe (wie die Beschneidung acht Tage nach der Geburt, Zeichen mit weinbenetztem Finger, das Salz als Reinheitssymbol — vielleicht auch die Taufzeugen) — bei der Firmung — bei der Fußwaschung (ihre jüdische symbolische Bedeutung für die Ehe wird übertragen auf Christus und die Kirche.) Der jüdischen Bezeichnung der Ehe entspricht ihre Auffassung als Sakrament in der katholischen Kirche, eine Menge vonBräwchen bei der Eheschließung (voraus geh ende Buße, Brautführer, Einsegnung usw.) weist auf jüdisches zurück. Unverkennbar sind die Speisegesetze jüdischen Ursprungs, werden doch hierhin zielende Verbote der Kirchenfürsten meistens von Hinweisen auf alltestamentarische Vorschriften begleitet, sticht minder aber kann Man bei christlichen Wohltätigkeitseinrichtungen jüdischen Einfluß Nachweisen, so der Almosenkasten der jüd. Armenbüchse (Zedokoh) entsprechend. Almosen z. B. ist nur die Uebersetzung des hebräischen Wortes für „Mitleid". Das Sünden-Bekenntnis des Sterbenden vor dem Tode, zeitlich bestimmte Gebete für den Verstorbenen, die Klageweiber, Beerdigungsformeln, Grabinschriften u. a. führen auf jüdische Anschauungen zurück. Auch in der christlichen Kunst treten dieselben Bilder mit symbolischer Bedeutung auf wie im Judentum, so in den Katakomben, so will der Vortragende sogar den Fisch als Wristussymbol auf den jüdischen Leviathan zurückführen. Der christliche Aberglaube' (Amulette, Phylakterien, Segen) geht ebenfalls vielfach auf jüdische Anschauungen zurück, die christliche Buchmalerei, die christlichen Legenden knüpfen bald an alttestamentlichen Stoff (Moses, Adam, Joseph usw.) bald an talmudische Erzählungen (Macht über die Elemente, Dämonenbezwingung u. a.) an. Durch die Kreuzzüge ist namentlich viel semitisches Gut nach dem Westen gekommen. Abschließend wies der Redner darauf hin, daß zwar die Grenzen zwischen heidnischen und jüdischen' Einflüssen sehr schwer zu ziehen seien, das jüdische Element aber doch einen wesentlichen Faktor bilde, selbst in den alttestamentarischen Namen : Josua (Jesus), Samuel, Susanne, Gabriel, Michael, Elisabet, Marie (Mirjam), auch die Namensänderung (bei Bischöfen und Päpsten), durch die man innere Wesensänderung zu erzielen glaubte, ist jüdischen Ursprungs. Was bterbt vom alten Testament? Stach einem Vortrag von Prof. Dr. Gunkel Ueber diese Frage Hielt Professor Dr. Gunkel aus Gießen in Hamburg in der Aula des Johanneums einen Vortrag, zu dem der Hamburger Protestantenverein, die Konferenz liberaler Theologen in Hamburg, der Verein religiöse Erziehung und die Vereinigung für Reform des Religionsunterrichtes eingeladen hatten. Der Redner führte u. a. aus: Die absolute Hochschätzung des Alten Testaments ist durch die biblische Wissenschaft in ihren Grundlagen bezweifelt, angefochten und schließlich zerstört worden. Ueber die Verfasser der alttestamentlichen Schriften haben wir Ueberlieferungen. Von diesen Ueberlieferungen sollen sich aber viele als irrtümlich herausgestellt haben. Die Bücher Mose sollen nicht einen einzigen Verfasser haben, sondern eine Sammlung aus älteren Quellenschriften sein und diese ihrerseits aus verschiedenen Zeitaltern stammen. Zur Anzweiflung der Verfasserverhältnisse kamen Bedenken gegen, die Glaubwürdigkeit einiger biblischer Erzählungen, man sagte, die Bibel

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