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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Hr. Ätochs Wochenschrift. Seite «8 Die Kosten der Mischen Kolonien. :' ' In der ausgezeichneten, stets instruktiven Revue „Die Freistatt", Nr. 10 vom 20. Januar findet sich unter dem Titel: „Die jüdische Kolonisation in Palästina" eine statistische Zusammenstellung über die für die Kolonien aufgewendeten Kosten und deren Resultate, die jeden ernsten Leser zum Nachdenren anregen. „Genaue Kenner der palästinensischen Kolonisation geben die Summe der Kapitalien, die Baron Rothschild auf Palästinaarbeit verwandte, auf 70—75 Millionen Francs an. Rechnet man das. was von der Jca. den Chowewe-Zion, anderen Organisationen und Privatleuten verausgabt wurde, hinzu, so hat die dortige Kolonisation bisher 80—85 Millionen Francs verschlungen. Verteilt man diese Summe auf die 1000 jüdischen Kolonisten in Palästina (genau sind es 980, ohne die fast 400, welche nur Erdbesitz haben, aber im Ausland wohnen und noch immer jährlich Geld zulegen), so entfallen auf jede Kolonistenfamilie zirka 85.000 Francs, eine Summe, von deren Zinsen in Palästina drei Familien leben könnten, und sicher nicht ärmlicher als die jetzigen Kolonisten. Verteilt man die Summe ni^cht auf die Kolonisten, sondern auf die gesamte Bevölkerung der Kolonien (Handwerker, Ländler. Arbeiter, Lehrer usw. einbegriffen) so entfällt auf jeden dieser 7.500 Menschen^ etwas mehr als 11.000 Francs, und auf die Familie, angesetzt auf fünf Personen. 55.000 Francs, ein Kapital, von dessen Zinsen immerhin zwn Familien dort leben können. In einer Anmerkung fügt der Verfasser hinzu: „Diese Rentenberechnung hat mehr als rein theoretischen Charakter. Man bedenke, daß die palästinensische Siedlung noch immer nicht durch eigene Kraft sich halten kann, daß jede Kolonistenfamilie nur für sich zählt und nicht als Trägerin eines Bauerngeschlechts, das andererseits bei einer Bevölkerung von Rentiers, auch Handwerker, Arbeiter, Händler cr. ihr Auskommen finden. Dann ist für die, welche in Palästina Juden ansiedlen wollen, die Frage, ob es nichh lohnender ist, statt eines Kolonisten drei Rentenbezieher ins Land zu bringen, aktuell genug. Zumal die palästinensischen Kolonien, die doch fast alle durch Philan thropie geschaffen wurden, nicht als Beweis dienen können, es sei eine natürliche, nicht philantropische Kolonisation möglich."! Kosaten-Juden. Mit Zähneknirschen erzählt die „Semtschina", daß in der Kubaner Gegend (Kaukasus) die Zahl der Kosaken zunimmt, die den jüdischen Glauben angenommen und dabei in den Gemeinden verbleiben wie früher vor ihrer Bekehrung zum Judentum. In einem dieser Kosakendörfer haben diese bekehrten Kosaken eine großartige Synagoge erbaut, wo sie sich allsabbatlich zum Gottesdienst versammeln. Die „Semtschina" macht noch weitere Angebereien. Sie sagt mit bitterem Tone, daß einige Militärkommandanten diese Kosaken an jüdischen Feiertagen vom Dipnste befreien und ihnen durch Ausbezahlung von Geld behilflich find, koscher zu essen. Außerdem r^ählt dieselbe Zeitung, daß bei Gelegenheit des Beilisprozesses 34 von diesen Kosakenjuden ein Begrüßungstelegramm an Veilis' Verteidiger. Maklakow, gesandt haben. Schutz der Mischen Altertümer in Spanien. In Madrid fand dieser Tage eine Sitzung der Akademie für Geschichte statt, in welcher eine gemischte Kommission eingesetzt wurde, welcher die Aufgabe zufällt, nach Ueberresten aus der Geschichte der Juden in Spanien zu forschen und wegen deren Konservierung Vorschläge auszuarbeiten. In erster Linie wird diese Kommission d:e noch vorhandenen Häuser des ehemaligen Judenghetto in Toledo in Augenschein nehmen, ihre Historizität feststellen, und einen Plan ausarbeiten, durch welchen diese historischen Denkmäler erhalten werden könnten. Präst dent dieser Akademie für Geschichte ist Pater Fita, welcher der Geschichte der Juden in Spanien be>onderes Interesse entgegenbringt. Vom Reyworkec „Puä". Aus Rewyork wird uns gesch.iscen: Das berühmte humoristische Wochenblatt „Puck" jwurdr von Nathan Strauß junior, dem Sohne des berühmten Phi lantropen Nathan Strauß senior, angekauft. Der neue Besitzer wird zunächst seinen Vater auf einer Reise nach Palästina begleiten und ihm dort in der Errichtung verschiedener Institutionen behilflich sein und erst nach seiner Rückkehr die Leitung des Blattes übernehmen. Die Be gründet des „Puck", Josef Kepler und Adolf Schwarz mann, gleichfalls Juden, ließen das Blatt anfangs in deutscher Sprache erscheinen und erst späte: gaben sie es in englischer Sprache heraus. Welchen Wert und welchen Einfluß „Puck" heute besitzt, geht daraus hervor, daß der neue Besitzer für das Blatt 40.000 Dollar bezahlt hat- Zum Chef-Illustrator hat Nathan Strauß den berühmten Illustrator der „Newyork Times", Henry Mayer berufen. Mayer ist sowohl in Amerika, als auch in England als Karrikaturist angesehen und hat erst jüngst mit einem neuen Film fast durchwegs politische Karrikaturen Aufsehen erregt. Mayer hat zur Zeit des russisch-japanischen Krieges mit seinen Karrikaturen einen kolossalen Erfolg gehabt. Der Verstorbene Mikado, der eine Sammlung dieser Karrikaturen zu Gesicht bekam, richtete an Mayer ein eigenhändiges Anerkennungsschreiben und übersandte ihm ein wertvolles Geschenk. In diesen Karrikaturen und Illustrationen im russisch-japanischen Krieg findet sich auch eine Serie jüdischer Motive, wie sie so warm und treffend nur von einem jüdischen Zeichner, wie Mayer einer ist, empfunden werden kann. Lord Reading bei den Maccadeans. Die Organisation der Maccabeans. dieses Sammet Punktes der jüdischen Intelligenz, veranstaltete zu Ehren ihres Mitgliedes Lord Reading tRufus Isaacs) aus Anlaß dessen Ernennung zum Lord-Oberrichter von England ein Festbankett, an welchem die angesehensten Vertreter der Judenschaft von London sowie eine große Anzahl hervorragender nichtjüdischer Juristen als Gäste teilnahmen. Nach einer Begrüßungsansprache des Präsidenten hielt Lord Readings eine längere Rede, in welcher er seinen Werdegang schilderte und unter anderem sagte, daß er dir Empfindung habe, daß sowohl dieses Ehrenbankett, als auch die vielen Hunderte von Grain lationsschreiben. die er anläßlich seiner Ernennung zum Lord-Oberrichter aus allen Teilen der Welt erhielt, nicht so sehr seine Person, als vielmehr der Tatsache gellen, daß er der erste Jude sei. der dieses hohe Amt bekleide Und er gestehe offen, daß er sich über diese Erscheinung freue. Denn er erblicke darin einen Akt der Dankbarkeit einem Lande gegenüber, in welchem di» vollständige Gleich heit' aller Bürger nicht nur auf dem Papiere stehe. Aber auch gleichzeitig die Willenskundgebeng beziehangs weise die Zustimmung dieser Willenskundgebung der Juden an der Hebung dieses freien Landes, an der Förderung der Zivilisation und der Befestigung des Rechtes mit Ernst und Würde mitzuarbeiten. Es gibt Leute, die behaupten, sagte Lord Reading. stnter änderein. daß in England ein Jude nicht Kanzler werden könnte. Ich be-

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