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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-06 · 6 (6.2.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
6 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 82 Dr. Blochs Wochenschrift. Är. « Stiaßny und Frank haben bewiesen, wie glänzend vom Standpunkt der Ehre und der Sachlichrett die Wahl getroffen wurde. Darum wird die jegt erneute alte Forderung nach Entsendung eines Kultusvorstehers in den Wiener Gememderat kaum einer nennenswerten Schwierigkeit begegnen. Vom gegenwärtigen Kultuspräsidenten steht zu erwarten, daß er auf Wahrung dieser alten Tradition nicht leichthin verzichten und vielmehr bemüht sein werde, das Ansehen des Vorstandskollegiums vor einer Minderung zu bewahren. Alte Positionen ohne zwingenden Anlaß zu verlieren, findet im Talmud eine wenig schmeichelhafte CharaiLerisierung, welche Dr. Alfred Stern bis nun nicht verdient hat. Es ist nicht unsere Aufgabe, Namen zu nennen, aber man wird ohne Mühe aus einer ganzen Reihe ausgezeichneter Männer den Gre'g..e.sten he.ausfinden, der unsere Ansprüche im Gemeinderat Vorbringen kann, 'i as Versteckenspiel, das wir seitdem in früheren Zeiten bei solchen Gelegenheiten spielten, ist nun zu Ende; unsere Ehre sowohl als unsere politische Not verlangen zwingend und gebieterisch, daß wir unser ureigenstes Leben nicht einem lauen Freisinn anvertrauen, der uns gelegentlich und vorsichtig vertritt, sondern einem warmfühlenden Juden, der keine Neöenrücksichten kennt. Der Zusammenhang zwischen der Wiener Gemeinde und Kultusgemeinde ist außerdem ein überzeugendes Motiv für jeden jüdischen Wähler, der Ehre und Vernunft am besten wahrt, wenn der Wahl in den Gemeinderat eine Auswahl aus den Kreisen der Kultusvorsteher vorangeht. I9om Aobrmarkt des Lebens. iLm katholischer Priester Wer den Antisemitismus. Ein tschechisches Blatt, der „Rozwoj", veröffentlichte an führender Stelle eine Zuschrift des katholischen Priesters Pater Alois Svojsit, in welcher dieser seine persönlichen Erinnerungen an den in Prag kürzlich verstorbenen kaiserlichen Rat Bondy wiedergibt und sich mit aller Schärfe gegen den Antisemitismus wendet. In der Zuschrift heißt es u. a.: „Ich war ein junger arlner Student, als mich eines Tages mein Leh.er zu sich belief und mir erösffirete, daß mich das Lehrerkollegium als würdig auserwäylre, einen Studienbeitrag des Herrn Bndy in Anspruch zu nehmen. Ich steäte mich dem Herrn Bondy vor, und nach Schilderung meiner Verhältnisse teilte dieser mir mit, daß mir während meiner Studienzeit jeden Monat ein für meine Begriffe ansehnlicher Beitrag an seiner Eeschäflskasje ausbezahlt werden wird. Kein Ermahnen, keine Hinweise auf Dankbarkeit, lediglich einige wohltuende aufmunternde Worte, und ich schied mit freudigem Herzen und einer vollen Tasche von Herrn Bondy. Von diesem Zeitpunkt an und während meiner Gymnasialstudienzeit besuchte ich das Haus des Herrn Vondy, woselbst gleich mir ganze Kolonnen armer Studenten die monatliche Unterstützung in Empfang nahmen. Dieser eine Mann, ein Israelit, war mir mein Leben lang das Muster eines edlen Wohltäters. Jederzeit, wenn Versuche an mich heranreichten, mich in den Strudel des rohen Antisemitismus mitzuziehen, erinnerte ich mich an den Mann, der nicht fragte, welcher Konfession ich angehöre, welche Meinung ich habe, sondern dort gab, wo seine Hilfe erforderlich war. Der per. hetzende Antisemitsmus war und ist mir fern. Als mir die Zeitschrift „Das zwanzigste Jahrhundert" zum Bezüge angeboten wurde, verbal ich mir deren Zusendung mit einem Brief, dessen Inhalt ich folgendes entnehme: „Ich übereinstimme nicht mit ihren Anschauungen und mutz die Art Ihrer Judenbekämpfung auf das entschiedenste ablehnen. Ich kenne eine ganze "Reihe Juden, welche ehrliche Menschen sind. Ich lernte in der Welt das Judentum als einen wichtigen Volksbestandteil kennen, "dessen Kulturarbeit hoch einzuschätzen ist, und ich bin der lleberzeugung, daß nur der in Ihrem Blatte propagierte Antisemitismus viele Juden davon abhält, sich dem Volkskörper ganz anzupassen. Ein Jdeenkampf mit gemeinen Mitteln geführt, paßt nicht in den Rahmen eines Blattes, das sich christlich nennt. Die dem Katholiken oft zugefügten Beleidigungen schmerzen denselben sehr, berechtigen ihn aber nicht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wer den Schutz des Gesetzes für das eigene Bekenntnis anruft, darf nicht das Bekenntnis anderer herabwürdigen und schon gar nicht jener, aus deren Mitte uns der Begründer des Christentums ward. Ich bin daher bemüßigt, den Bezug Ihres Blattes abzulehnen, denn sonst würde ich meiner Ueberzeugung. der absoluten Toleranz zuwrderhandrln und mich zum Mitschuldigen Ihrer unchristlichen und antikulturellen Tätägkeit machen. Pater Alois S v o j s i k. Ehrungen des Gelehrten, Professor Ehrlich ln Paris. Professor Ehrlich aus Frankfurt, der berühmte Erfinder des Salvarsan weilt augenblicklich in Paris. Er besuchte das Institut Pasteur und Dr. Emery im Baron Heinrich Roth sch i.ld-Spital, einen der eifrigsten französischen Verfechter der Ehrlichschen Methoden. Der deutsche Gelehrte äußerte unter andrem: „Meine Forschungen sind jetzt auf die Kombinatfon des Salvarsan mit metallischen Kompositionen von Kupfer oder Gold gerichtet. Die Wildem tauchen-die Spitze ihrer Pfeile in mehrere Gifte; ich will desgleichen das gegen die Parasiten wirkende Salvarsan mit neuer Macht ausrüsten. Ich glaube, daß die Zusetzung von Kupfersalzen es vielleicht erreichen wird, die Schlafkrankheit definitiv zu unterjochen. Das ist eine offene neue Bahn in der Chemietherapie. Was die Zukunft der Wissenschaft betrifft, bin ich überzeugt, daß ehe zehn Jahre vergehen, große Fortschritte in der Therapeutik der infektiösen Krankheiten gemacht sein werden. Radium und X-Strahlen, deren Technik man noch nicht kennt, werden vielleicht den Krebs besiegen können. Die Aera der neuen Forschungen wird der Chemie- und Radiotherapie gehören. Serum und Jmpfprophnlare haben, wie mir scheint, fast alles gegeben, was sie geben können." Vormittag besuchte Professor Ehrlich in Begleitung seiner Gattin und der ihm befreundeten Baronin James Rothschild das Spital V r o c a, wo zahlreiche Professoren. Aerzte und Studenten den deutschen Gast e^wa^teten und ihm bei seinem Erscheinen eine rauschende Ovation bereiteten. Professor P o z z i (hieß ihn wiMommen sund Dr. Jean S e l m e würdigte in längerer Ausführung Ehrlichs Verdienste. Der Gefeierte dankte gerührt und erklärte, daß seine Idee und Methode am besten in Paris begriffen und angewendet worden sei. Angriffe gegen Professor Ehrkich. Wegen der neuerlichen Angriffe gegen Professor Ehrlich und die Salvarsanbehandlung im Frankfurter städtischen Krankenhause, die in mehreren kleinen antisemWschen Blättern erschienen sind, ist heute von der Stadt Klage gegen die Herausgeber der Blätter und die Verfasser der Artikel erhoben worden. Die Aerzte des Krankenhauses, die in die Angriffe einbezogen worden sind, werden sich voraussichtlich der Klage anschließen.

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