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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Blochs Wochenschrift. '■2 t e x, n b a ch mit den Pvrstaudsmitgliederu Jakob F e n e rst e i it und Adolf Sl t e f (e x am Balmemor Stellung, die Thorarollen in den Händen und Rabbiner Dr. M a r guli e s verrichtete stehend das Llaisergebet. Unter Führung des Obmannes des Baukomitees Josef M e 1; i L besichtigten nachher die Festteilnehmer sämtliche Räumlichkeiten der Anstalt, bei welcher (Gelegenheit ein Waisenzögliug im Schulzimmer eine rührende Danlesansprache vortrug und als nachher die Waisenknaben ein ^ieb von einem armen, verlassenen Waisen sangen, war kein Auge tränenleer. L. S. Die Handelstanimerwahlen in Bulgacirn. Vor einigen Tagen fanden in Bulgarien, wie uns aus Sofia gemeldet wird, die Wahlen in die Handelskammer statt. Sowohl in Sofia, als auch in Burga und Varna wurde je sin jüdisches Mitglied in den Rat der betreffenden Handelskammern gewählt. Dank der bulgarischen Prinzessinen an den Grotzradbiner. Aus Sofia meldet unser Korrespondent: Dieser Tage erschien der Hofsekretär der Prinzessinen Eudickia und Nadeshda beim Grostrabbmer für Bulgarien Dr. Lhrenpreis, um ihm den Tank der hohen Damen für feine Förderung, der von den Prinzessinen eingeleitcten öffentlichen Sammlung zu Gunsten der Waisenkinder der in den letzten Kriegen gefallenen Soldaten den Dank auszusprechen. Der Hofsekretär versicherte den Grostrabbmer namens seiner hohen Auftraggeberinnen. dast auch die jüdischen Waisenkinder, deren Väter im Balkantrieg gefallen sind, bei Verwendung der gesammelten Summen dieselbe Berücksichtigung finden werden, wie die übrigen Waisenkinder. Zum Zeichen ihrer Dankbarkeit und Anerkennung übersandten die Prinzessinnen ihre Photographien mit je einer in schmeichelhaften Worten gehaltenen eigenhändig geschriebenen Widmung. Der Grostrabbmer nahür dieses Zeichen der Anerkennung mit Dank entgegen. Der Grotzrabbrner von Algier gestorben. Dieser Tage starb in Paris der gewesene GrolT rabhiner von Algier, Rabbi Abraham Cahen, im Alter von 78 Jahren. Der Verstorbene, der aus einer uralten Metzer jüdischen Familie stammt, genast berechtigterweise ein ganz besonderes Ansehen unter den Juden Frankst relchs. Zum Oberrabbiner von Konstantine in Algier wurde Cahen im Jahre 1863 berufen und während der 17 Jahre, die er in Algier tätig war, hatte er 1lnverf< gängliches für die soziale und kulturelle Hebung der Juden in Algier geleistet. Im Jahre 1877 zum Grostrabbmer für Algier ernannt, bekleidete er diese stelle blost drei Jahre und kam dann 1880 als D irektor der grasten Talmud-Thora und gleichzeitig als Generalsekretär des Zentralkonsistoriums für Frankreich nach Paris. Diese Stellen bekleidete er bis zum vorigen Jahre. Cahen veröffentlichte eine ganze Anzahl wichtiger Monografien aus der Geschichte der Juden. In Frankreich und seinen Kolonien. Ein sehr schätzenswertes Quellenwerk ist auch leine Geschichte der Familie Cahen. die er auf Grund verläßlicher Dokumente bis in -das Jahr 1538 zurückverfolgte. Der sechzigste Geburtstag Leo Brodzlys. Aus Kiew wird uns geschrieben: Der sechzigste Geburtstag des grosten Philantropen Leo Brodzky bot den weitesten Kreisen der jüdischen Gesellschaft nicht nur in Kiew, sondern in ganz Rustland, den freudigen Anlast, dem angesehenen jüdischen Wohltäter die aufrichtigsten Sympathien zum Ausdrucke zu bringen. Leo Brodzky hat. im Vereine mit seinem bereits verstorbenen Bruder Lazar Brodzky und nach dessen Tode auch selbst! ständig ungeheure Summen für jüdische Wohlfahrtsan- Lcite stallen gespendet. Aber auch für allgemeine Bildungszwecke, so z. B. für die Kiewer Universität, für das Polytechnikum, und für das bakteriologische Institut hak Vrodzky graste Opfer gebracht. D ie jüdisch.-territoriali stische Organisation besitzt in Brodzky einen hervorragen den. opferwilligen Förderer, und es ist bekannt, dast Brodzky erst vor einigen Monaten die ganze Reorgani sierungsarbeit der russisch-jüdischen Emigration nach Gal veston im Einvernehmen mit dem Vizepräsidenten D r. Jcchelmann auf sich nahm, und die Kosten des Kiewer Zentralbureaus sicherstellte. Für wie wichtig Brodzky diese Emigrantenfürsorge der Jto hält, geht daraus hervor, dast er das Präsidium der jüdischen Emigrationsgeselst schaft der Jto in Kiew übernahm. Ebenso fördert Brodzky die Bestrebungen zur Verbreitung zmd Vertiefung der hebräischen Sprache und es ist bekannt, dast die mit der Aufhellung der Schuldlosigkeit des Beilis verbundenen Kosten zum allergröstten Teile von diesem hochherzigen Wohltäter getragen wurden. Es kann daher nicht Wunder nehmen, dast alle jüdischen Kreise in Rustland und d'e eingeweihten Kreise.des Auslandes jetzt wetteifern, um Brodzky ihrer Wertschätzung und Dankbarkeit zu versichern. Ermordung eines jüdischen Knaben m Gouvernement Kiew. Aus Petersburg wird uns gemeldet: Am 10. Dezember frühmorgens wurde, wie schon gemeldet, der zwölfjährige Judenknabe Josse! Paschkow zu Fastowo im Gouvernement Kiew ermordet aufgefunden. Der Mord war in ganz ähnlicher Weise verübt worden, wie einst an Juschtschinsky. D er mutmastliche Mörder, der den Knaben am Abend vorher aus einer Gesellschaft spielender Kinder weggeleckt hatte, wurde an demselben Tage verhaftet und von den Kindern wiedererkannt. Er leugnete aber jede Schuld, indem er angab. das' er Kosytschenko heiste, doch erwies sich sein Past als gefälscht. Jetzt hat der Mitarbeiter des ..Ri'etfch". der sich an den Tatort begab. über das Resultat seiner Nachforschungen berichtet. Es erweist sich, dast der mutmastliche Mörder zwei Tage vorher einem Handwerker sagte, er müsse am Abend des 9. D ezember nach Kiew fahren, das er am Tage vorder im Wirtshause, wo er übernachtete, sich im Besitze gröste^er Geldsummen, gegen 409 Rubel befand und ein langes, schmales zweischneidiges Messer besäst, von dem die 13 Halswunden des Knaben sehr wohl herrühren können. Ferner hat der Mitarbeiter des ..Rsetsch" festgestellt, dast der mutmastliche Mörder zwei Tage vor dem Morde Christenknaben an sich zu locken suchte, was ihm aber mW lang. Der Rabbiner von Fastowo sagte dem Journalisten: ..Wir können Gott danken, dast der Judenknabe ermordet wurde, sonst hätten wir eine neue Beilis. Affäre." In der Fastowofchen Bevölkerung kursiert das Gerücht, dast der mutmastliche Mörder vor zwei Wursten ans der Haft entlassen wurde. Niedergebrochen. Die antisemitischen Blätter in Rustland veröffent lichten dieser Tage mit wahrer Wohllust den gemeinsamen offenen Brief von 7 2 jüdischen Studenten, die auf diesem echt russischen Wege ihre Eltern verständigen, dast sie im Kampfe um ihre künftige Existenz niedergebrochen seien, und daher beschlossen hätten, zur orthodoren Kirche überzutreten. Mit der ganzen Ilneh.lichkeit von verirrten Seelen philosophieren diese jungen Feiglinge, dast das Festbalten an die jüdische Lehre dem Judentum, wählend der vielen Jahrhunderte nur Leiden gebracht hätte, die sie nicht weiter zu ertragen vermögen. T ast die antisemitischen Blätter und allen voran, die ,,Re woje Wremja" die jungen Renegaten verhöhnt und ihre Anbiederungen zurückweist, braucht nicht erst gesagt zu werden.

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