Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 72 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 5 Magisters oder Vorbeiers harmonisch entwickle. Der zur Förderung dieser Bestrebungen kreiirte Verein verfügt leider nicht über solche Fondationen und Kapitalien, die eine umfassendere Tätigkeit ermöglichten. Von den jetzigen 30 Schülern der Anstalt können nur wenige das ist Summa mit 25 Kronen pro Monat bemessene Verpflegs¬ und Lehrgeld zahlen. Der Vererin ist somit auf Beitrage edler Menschenfreude angewiesen und werden solche vom Talmud 6s Közmüvesegvlet ödon entgegen genommen. Funktionäre der Handels- und Gewerbekammer die Gelegenheit hatten, das Schaffen der jungen Zöglinge und deren Arbeits- und Wissensfreudigkeit zu beachten, sprechen sich sowohl über den in der Anstalt herrschenden Geist als auch über die Handfertigkeit der Talmudschüler belobend aus. Zweck der Anstalt ist, den kleinen jüdischen Gemeinwesen Lkeligionsweiser und Vorbeter geben, die die karge Kost des Altars mit dem Verdienste des schlichten Handwerksmeisters- oder Gärtners aufbessern können resp. Handwerker fürs flache Land zu erziehen, die dem Talmudstudium amateurmätzig zu huldigen in der Lage sind. Anhänger oder gar Führer des revolutionären Sozialismus dürften diese Handwerkszöglinge kaum werden. Das Andenken des Professors Dr. Bacher. Der Tod des hervorragenden ungarisch-jüdischen Gelehrten Professor Dr. Wilhelm Bacher hat, man kann es ruhig sagen, in der ganzen Welt, wo Juden wohnen,/ die den Zusammenhang mit dem jüdischen Leben und der jüdischen Wissenschaft noch nicht verloren haben, einen tiefen Eindruck hervorgerufen. In allen jüdischen Zentren der Welt haben die Rabbiner von der Kanzel herab ihre Gemeinde über den großen Verlust belehrt, den das Judentum im besonderen und die solide Wissenschaft im Allgemeinen durch den Heimgang Dr. Bachers erlitten haben. Besonders eindrucksvoll gestaltete sich, wie unser Warschauer Korrespondent meldet: der „Hesped", den der Warschauer Rabbiner Dr. Posnansky dem verewigten Gelehrten irf der großen Synagoge zu Warschau hielt. Nach einem geistvollen Hinweise auf die Tatsache. dassowohl der Patriarch Jakob als auch der kulturell schon weit fortgeschrittene ägyptische Vizekönig Josef trotz der tiefgehenden kulturellen Unterschiede in den wichtigsten Momenten ihres Lebens den Zusammenhang mit der Vergangenheit suchten, und von ihr ausgehend, die Zukunft vorbereiteten, führte Dr. Posnansky dann ungefähr folgendes aus: „Ein Großer in Israel ist dieser Tage von uns gegangen, ein Mann, der wie Jakob und Josef, tief in der Vergangenheit wurzelte, der Erforschung deZelben sein ganzes Leben widmete, und andererseits wie Josef sich die gesamte Kultur seiner Zeit angeianet hat. Wie Jakob stand er in hohem Ansehen, nicht nur unter seinen Glaubensbrüdern, sondern auch in der gesamten Gelehrtenwelt. Und wie Joseph war Professor Bacher ein Herrscher auf seinem Gebiete, auf dem unendlichen Gebiete geistiger Betätigung. Von den 64 Jahren seines Lebens hat er nahezu 50 Jahre der jüdischen Wissenschaft gewidmet, denn schon als Fünfzehnjähriger konnte er Produkte seines Geistes seinen Mitmenschen durch den Druck vermitteln. Cr hat alle Gebiete der jüdischen Wissenschaft bearbeitet und war auf allen Meister. Besonders aber hat ers zur Erforschung und Erläuterung der talmudischen Agadah und der Middrasch-Literatur Unübertroffenes geschaffen, und wenn wir den Verlust dieses Meisters und Lehrers ganz besonders tief betrauern, so tun wir es in dem niederdrückenden Bewußtsein, daß er uns keinen hinterlassen hat, der das Feld bis in die innersten Tiefen hinein gegraben und gearbeitet hat, auch weiter wird mit dem gleichen Erfolge bearbeiten können." W Die Gemeinde Dr. Josnansky's folgte, nachdem, sie sich von ihren Sitzen erhoben hatten, tiefgerührt diesen Worten ehrlicher Trauer.und am Schlüsse der Predigt wurde auch dem Andenken Bachers der Kaddisch dann gewidmet. Troppau. Ein seltenes Amtsjubiläum begeht unser hochverehrter Herr Kultus-Vorsteher Herr Dr. Theodor Sonnenschein. In den nächsten Tagen werden es nämlich 2 5 Jahre, seitdem Herr Dr. Sonnenschei-n das ehrenvolle Amt eines Kultus-Präsidenten in hiesiger Gemeinde bekleidet, um die er sich ganz hervorragende bleibende Verdienste erworben hat. In Anerkennung dieser großen Verdienste wurde Herrn Dr. Sonnenschein vor einigen Jahren von Sr. Majestät durch die 33er* leihung des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Aber nicht nur allein auf das Wohl unserer Gemeinde beschränkt "sich sein erfolgreiches und uneigennütziges Wirken und Schaffen, sondern überall dort, wo es sich um die wahren,, allgemeinen Interessen des Judentums handelt, ist er mit seinem warmen Herzen und klugen Verstände stets dabei, daher ist sein Name in den jüdischen Kreisen weit über unsere Grenzen hinaus auch wohl bekannt. Unsere Gemeinde wird selbstverständlich diesen schönen Anlaß gerne wahrnehmen, um dem verehrten und verdienstvollen Gemeinde-Präses ihren Dank und Verehrung zum Ausdrucke zu bringen. Wir aber schließen mit dem Wunsche, daß es diesem wohlverdienten Manne vergönnt sein möge, noch lange, lange Jahre in unge-, schwächter Kraft wirken zu können, zum Wöhle und Stolze unserer Gemeinde und zur Freude seiner hochgeschätzten Familie. S-n. Drohobyez. Sonntag den 18. d. M. wurde das ans Anlaß des 6<'jährigen Regierungsjubiläums unseres erlauchten Kaisers neu erbaute Waisenhaus in besonders feierlicher Weise im Beisein der Spitzen der hiesigen Behörden und mehrerer geladener Gäste eingeweiht. Das monumentale, zweistöckige, für 100 Waisenkinder bestimmte Prachtgebäude, welches den modernsten Anforderungen der Hygiene und Technik vollkommen entspricht, ragt auf einer der schönsten Straßen unserer Stadt wie rin stolzer Turm empor, als Zeugnis edlen Gemeinsinnes und Opfermutes. Herr Jakob F c n e r st e i n, gewesener Bizebürgermeister und Kultus- Präses, beschloß gemäß der Intention unseres erhabenen Monarchen „für das Kind Stiftungen ins Leben zu rufen" ein jüdisches Waisenhaus in unserer Stadr zu gründen. Um sich diesem edlen Zwecke ganz hingeben und widmen zu tonnen, zog er sich von dein politischen Leben zurück, bis er das so große und prachtvolle Werk mit einem Kostenaufwand von 500.000 K, dank der aus seinem eigenen Säckel geleisteten munifizenten Spenden und der durch ihn veranstalteten Sammlungen, vollendet sah und die ersten 25 aus den ärmsten Schichten der Bevölkerung stammenden Waisenzöglinge in die ausgezeichnet eingerichteten, bequemen Räumlichkeiten ihren Einzug hielten. Zur Feier der Einweihung dieses edlen Werkes erschienen unter Anderen der Bezirksmarschall Graf Zamojski, der Bezirks- Bezirkshauptmann, der Gerichtsvorsteher, der Bürgermeister, der Gymnasialdirektor samt dem Professoren-Kollegium, der Repräsentant der Militärbehörde und andere Honoratoren unserer Stadt. Nach einer herzlichen Bewillkommnung der Gäste seitens des Kultus-Präses Dr. B e r g w e r k nahm die eigentliche Feier in dem mit Blumen reichlich dekorierten Waisenhaustempel ihren Verlauf. Oberkantor O r n st e i n sang mit dem ans der Reihe der Gymnasialschüler gebildeten Ehor unter Orgelbegleitnng einige Psalmen, worauf unser Rabbiner Dr. M arguli e s eine formvollendete Einwcihungsrede hielt, welche allgemeinen Beifall und wahre Begeisternng anslöste. Nun nahm Kultus- Präses Dr. B e r g w e r k und dessen Stellvertreter Markus