Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022089-3022095--22845-3048012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

SMe 74 Dr. Blochs Wochenschrift. 3lr. 6 Juden in den russischen Aitiengrsettschaften. Anläßlich eines konkreten Falles, in welchem eine Aktiengesellschaft um die Erlaubnis, zur Vergröberung ihres Betriebes Grundstücke anzukaufen, eingekommen war, entstand zwischen dem russischen Ministerium des In.ern und dem Handelsministerium eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob nicht der Anteil der Juden an den Aktiengesellschaften neuerlich zu begrenzen wäre. Das Ministerium des Innern steht nämlich auf dem Standpunkt, das; den Juden überhaupt strenge untersagt werde, in der Verwaltung von Aktiengesellschaften Platz zu nehmen. Demgegenüber will der Handelsminister es damit genug sein lassen, auch hier eine gewisse Begrenzung gelten zu lassen, ohne die Juden von der Verwaltung der Aktiengesellschaften ganz auszuschliefen. Die endgiltige Entscheidung hierüber ist für die russischen Juden deshalb von weittragender Bedeutung, weil ihnen, falls sie zu ihren llngunsten ausfällt, die Möglichkeit geraubt werden soll, selbst in Aktiengesellschaften, die zum. größten Teile mit jüdischem Gelde arbeiten, auf die Verwaltung dieser Betriebe einen entscheidenden Einfluß zu nehmen. Eine jüdische Universität in Europa. Wie dem „Jewish Chrvnicke" aus Petersburg gemeldet wird, hat daselbst dieser Tage eine Konferenz jüdischer Persönlichkeiten stattgefunöen, an welcher auch Financiers teilgenommen haben. In der Konferenz deren Beratungsgegenstand die Errichtung einer Universität in Europa hauptsächlich für russischjüdische Studenten bildete, wurden Zusagen und Zusicherungen seitens einflußreicher Personen den Plan zu fördern, zur Kenntnis genommen. Die Aktion scheint schon ziemlich weit gediehen zu sein, denn es wurden bereits mehrere Komitees gewählt, welche die Aufgabe haben, die unmittelbar nötigen Schritte zur Durchführung des Planes sofort einzuleiten. Ei« «euer hervorragender Wohltätigkeitsakt -er Newyorker Judenschaft. Nahezu 5000 Personen haben, wie aus Newyork berichtet wird, an der Eröffnungsfeier des Montefivrc-Heims für unheilbare Kranke in Newyork teilgenvmmen. Wie bei allen großzügigen Wohlfahrtsakten steht auch hier der berühmte Philantrop Jakob H. Schiff an der Spitze. Die Bedeutung dieser neuen Wohlfahrtsanstalt erhellt aus der Tatsache, daß das Gebäude allein rund 2 Millionen Dollar, d. h. 10 Millionen Kronen gekostet hat,wovon rund OOU.üüo Dol- ^lar durch private Spenden hereingebracht wurden. Tie Chanukafeier der jüdischen Polizeimänuer in Newyork. Am 28. Dezember fand in Newyork eine besondere religiöse Ehannkaieier für die jüdischen Polizisten und Polizeibeamten, öereiv es eine große Zahl gibt, in Newyork statt. Die Zeremonie wurde im Tempek Emanu-El vom Reverend Abraham Blum, der als jüdischer Seelsorger dem Polizeidepartement zugewiesen ist, absolviert. An dieser Feier hat auch der Polizeikommissär von Newyork mit seinem Beamtenstab teilgenommen. „Religiöse Bedürfnisse." Die Oesterr.-Jsrael. Union in Wien hat seit Monaten die Schafinng von Zentralstellen für jüdische Wanderer angeregt, um so dem Wanderbettel wirksam entgegenzutreten. Nun schreibt die „Union" in einer ihrer letzten Nummern: Während die böhmische Statthaterei die Bildung des Zweigvereines „Jüdische Kreisarmenkasse von Aussig" auf Grund der vorgelegten Statuten zur Kenntnis genoinmen hat, hat die mährische Statthalterei die Bildung der Kreisarmenkasse von Prerau (Mähren) mit der prinzipiellen Motivierung untersagt, daß die Fürsorge für Wanderarnl'e nicht zu den „religiösen Bedürfnissen" gehöre. Gegen diese gewiß höchst wunderbare Entscheidung ist die Berufung an das Mmsterinm des Innern ergriffen worden: nrit Rücksicht auf diese administrative Behinderung mutzte der Beginn der Tätigkeit der Gesanitorganisation einen voraussichtlich kurzen Aufschub erleiden. Bon den buecharischen Inden. Petersburg. Am 5. Dezember hat der leitende Senat eine in das Leben der Kolonie Turkestan tief einschneidende Entscheidung getroffen. Die sogenannten buecharischen Juden, die sich außerhalb Buccharas angefiedelt haben, werden von jetzt an nicht mehr als russische Untertanen, sondern als Ausländer betrachtet und haben als solche nicht das Recht, in Russisch-Turkestan Grundbesitz zu haben. Die buecharischen Juden stammen ursprünglich aus Bucchara, wo sie als Nachkommen der in die babylonische Gefangenschaft geführten Juden ein zwar nicht gesellschaftlich ebenbürtiges, aber erträgliches Leben führten und, soweit sie nicht in das russische Turkestan ausgewandert sind, noch führen. Seit Jahrhunderten sind sie in den Städten des Ferganagebietes „ heimische geworden, und seit der Eroberung des Landes durch die' Ruff n waren sie das unternehmungslustigste, kaufmännischst denkende Element. Sie haben Handel und Wandel, der hier nicht der Eroberung vorausgegangen war, gehoben. Die großen Baumwollfabriken sind alle Gründungen buccharischer Juden, ich nenne an erster Stelle die heutige Aktiengesellschaft der Gebrüder Wodjajew in Kokand, daneben aber zahllose andere. Sie alle werden jetzt das russische Land, in dem sie so viele Jahre ungehindert und sicher nicht zum Schaden der Kolonie, leben durften, verlassen müssen. Warum?,.z.Weil die russische Zivilbevölkerung sich beklagt hat, sie könne gegen die Konkurrenz der buecharischen Juden nicht aufkommen, da diese durch die ihrer Raffe eigentümlichen Mittel das Borwärtskommen den Rechtgläubigen unmöglich mache. Wenn sich diese Begründung nur in einem antisemitischen Blätte fände, würde man nichts dabei finden, daß aber eine Senatsentscheidung sie gut heißt, ist erstaunlich. Etwa 11 Prozent der gesamten Bevölkerung des Ferganatales werden von dieser Maßnahme betroffen werden, falls sie tatsächlich durchgeführt wird und nicht nur dazu da ist. um, 'wie so viele Judengesetze, umgangen zu werden. Die Buccharen haben seit mehreren Jahrtausenden mit den Juden zusammengelebt, ohne daß sich in der ganzen ^.Geschichte des Landes ein einziges Gesetz fände, das die Juden als Raffe durch Ausnahmegesetze kennzeichnete; die russische Kolonisationsarbeit hat nun auch diese schöne Errungenschaft europäischer Intoleranz in den fernen Erdenwinkel getragen. Vermischtes. Krauzablösungsspeuden zugunsten der Chewra Kadischa in Wien l, Seitenstettengaffe 4 für arme kranke GlaubenSgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Jlka Feldmahr: S. Wessely Kr. 10.—, Abs. Grätzer, Holleschau Kr. 10.—, Samuel Knöpfelmacher Kr. 10.-. Anlälich des Ablebens der sel. Julie Mandelbaum: Die Hinterbliebenen und Verwandten Kr. 4.— Anläßlich des Ablebens des sei. Mayer Scharr: I. Weichselbaum Kr. 20.—, Leopold Kellner Kr. 2.—, Emil Pomeranz Kr. 10.—, Jakob Braun Kr. 2.—, Familie Oberkantor Schorr Kr. 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Desire van Cleeff: Albert und Netti Kurt Kr. 20.—, Sigur Oppenheim und Frau Kr. 10.—, Brüder Herzl Kr. 10.—, 'Friedrich Halberstadt Kr. 5.—, Julius Figdor & Sohn Kr. 20 —, Felix Hoch Kr. 10.—, Arnold Schmeichler und Frau Kr. 20.— . Anlätzlich des Ablebens der sel. Katharina Jonasz: Mizzi und Otto Keiner Kr. 20.—

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.