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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Bei uns in Oesterreich, da war trotz unserer ausgezeichneten Industrie die Tradition eine andere. Da sagte der Vater zu seinem Sohne: „Ernähre Dich redlich und bleibe im Lande." — Und so ist es tatsächlich gekommen, daß manch junger Mann, Sohn eines Großindustriellen oder Grotzkaufmannes nicht über Nutzdorf oder Dörnbach hinausgekommen ist. Wo sollten da die Weltanschauungen und Erfahrungen, die Industrie und Handel dringend nötig haben, Herkommen, die aber im Laufe der Zeit Deutschland durch seine Jugend aufgespeichert hat? Nun ist es Gott sei Dank seit mehreren Jahren auch bei uns anders geworden. Wir verfügen nun über eine Export-Akademie, einen sehr gut geleiteten Erport-Verein, der jährlich an hundert junge Kaufleute zu Studienzwecken mit Unterstützung des Handelsministeriums nach dem Auslande entsendet, die vielen industriellen Vereine, der Niederösterreichische Gewerbevorein. der Verein zur Hebung der Gewerbe, etz., tragen ihr Möglichstes bei, die Volkskreise einer anderen Richtung zuzuwenden und die Devise auszugeben: ..Will Einer in der Welt was erjagen, dann mutz er sich rühren, dann mutz er sich plagen." Mögen daher die jungen Männer aus unseren Kreisen, die sich der Industrie oder dem Kaufmannstande widmen wollen, in weit größerer Anzahl in die weite Welt hinaustreten, um dann nach Jahren ihre Erfahrungen unserer Industrie und unserem Kaufmannstande zu Gute kommen lassen." (Lang anhaltender Beifall.) And nun hielt Herr Otto S t r a k o s ch, der Sohn eines Wiener Gewerbetreibenden und Vereinsmitgliedes, der fünf Jahre in Japan und China praktische Studien gemacht und nun in Wien k. k- Schätzmeister und Erperte für China und Japan ist, mit Hilfe von 120 eigenen Aufnahmen, seinen Vortrag, der so viel Neues und Interessantes über China zu berichten wußte, daß wiederholt Beifall seinen Ausführungen folgte. C Der Verein zur Hebung der Gewerbe, der nun auf seine 26-jährige erfolgreiche Tätigkeit Hinweisen kann, hat sich durch diesen ganz besonders animierten Vortragsabend neuerdings viele Freunde und Verehrer erworben. Wien. („Palme", Unterstützungsverein d. israel. Religionslehrer Wiens.) Der Unterstützungsverein „Palme" hielt vorgestern seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des?Vize-Präsidenten Dir. B. Planer ab. Der Vorsitzende begrüßte Herrn Inspektor Professor M. Kanitz und hielt den verstorbenen Mitgliedern Rabbiner A. Schmied l, Dr. Maximilian Steiner und Lehrer Josef Weiß einen warmen Nachruf, den die Anwesenden stehend anhörten. Hierauf erstattete er den Rechenschaftsbericht, in dem er dankend der Subvention des Vorstandes der Wiener isr. Kultusgemeinde und des Legales von 1090 Kronen, das Herr Dr. Alfons Thor sch aus dem Nachlasse der verewigten Frau Ernestine Thors ch dem Vereineihatte zukommen lassen, erwähnte. Den edlen Spendern, sowie dem Herrn Dr. Alfred K o r i 1 s ch a n, der aus Anlaß der Konfirmation seines Sohnes dem Vereine eine namhafte Spende hatte zukommen lassen, wird der wärmste Dank ausgesprochen. Der Kassier, Oberlehrer H. Ascher, berichtet über die Kassa-Gebahrung; dem Berichte ist zu entnehmen, daß Unterstützungen an Witwen 1950 Kronen und solche an Mitglieder 658 Kronen gegeben wurden. Auf Antrag des Herrn M. Rieden wird dem Kassier der Dank votiert und dem Vorstände ein Betrag von 4000 Kronen für eventuelle Unterstützungen bewilligt. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl des Vereinsvorstandes wird Herr Inspektor Dr. L. Langfelder zum Präsidenten, die Herren Direktor B. Planer und Seite 57 B. Fuchs zu Vize-Präsidenten, Herr Jos. A n t s ch e r l zum Schriftführer, Herr Oberlehrer H. A s ch e r i zum Kassier, die Herren Oberlehrer Jos. Faltitschek, Professor S. Kühner, L. Richter und A. Roller zu Ausschußmilgliedern, die Herren H. Fehl. Oberlehrer I. Kappelmacher und M- Rieden zu Revisoren wiedergewählt. Posen. Am 25. d. M. fand die volkstümliche alljährliche Weihefestfeier in der Gemeinde-Synagoge B (Isr. Brüdergemeinde) statt. Nach einem kurzen Orgelpräludium sprach ein junges Mädchen den die Bedeutung des Festes hervorhebenden Prolog. Es wechselten Chorgesänge unter der bewährten Leitung des Musikdirektors Berggruen mit Deklamation ab. Den religiösen Mittelpunkt bildete das Anzünden der Weiyefestlichter nach vorausgegangener Ansprache des Prof. Dr. Bloch, der auf die Sagen hinwies, welche sich um die Frauengestallen jener Zeit gebildet haben. Von Frau Anna Hamburger waren Kinderchöre in ebenso hingebender wie künstlerischer Weise einstudiert, und unter ihrer sicheren Führung sang die liebliche Schaar der kleinen Sängerinnen mit freudigem Schwung und prächtigem Gelingen. Die biblischen Frauengestalten, ein von Frl. Herta Iakobsohn verfaßter Gedichtzyklus wurde von sechs jungen Damen in wirkungsvoller Weise bei Orgelbegleitung melodramatisch vorgetragen. Frau Hedwig Becggruen-Kristeller unsere renommierte Konzertsängerin, erwies sich mit der Mendelsohnschen Arie: „So ihr mich von ganzem Herzen sucht" wie immer als Meisterin des Gesanges. Den Schluß bildete in würdiger Weise die deutsche Keduschah. in der Oberkantor Lilkenthal die Soli übernommen hatte. Zum schönen Gelingen der Kinderchöre trug die diskrete und schmiegsame Klavierbegleitung der Frau Hedwig Levy an dem von der Firma Neumann zur Verfügung gestellten Flügel bei. Einige Tage vor dem Fest waren 70 Kinder vollständig eingekleidet worden. Posen. Um die durch den Tod des sel. Rabb. Dr. Feilchenfeld freigewordene Stelle des Gemeinde-Rabbim'rs hatte sich eine erhebliche Anzahl von Rabbinern beworben. Große Aussichten hatten die Herren Prov -Rabb. Dr. Bamberger-Hanau, Distr. Rabb. Dr. Slein-Schweinfurt und Stiftsrabb. Dr. Unna-Mannheim. Nach neueren Nachrichten ist Herr Rabb. Dr. Freimann in Holleschau (Mähren) als Rabbiner in Aussicht genommen, nachdem Verhandlungen mit der Regierung erkennen ließen, daß einer Bestätigung nichts im Wege stehen würde. Inzwischen ist die Wahl erfolgt. Der Vorstand, der den Repräsentanten zwei Vorschläge zu machen hatte, schlug Rabb. Dr Freimann und Rabb. Blum vor (der inzwischen in Pleschen gewählt ist.) Die Reprwählten einstimmig Rabb. Dr- Freimann. (F. ist 47 Jahre, Neffe und Schwiegersohn des verst. Dr. F. in Ostrowo. asto auch ein Enkel von R. Jak- Eitlinger-AltonaV (Srundkauf in Palästina. Der Großrabbiner der Türkei, der schon anläßlich seiner Vorstellungen bei der türkischen Regierung wegen Abschaffung des „roten Zettels" die Frage des Grunderwerbes der Juden in Palästina berührt hatte, wurde ersucht. wie aus Konstantinopel geschrieben wird, diesbezüglich seine Wünsche offiziell schriftlich zu präzisieren. Man will daraus eine Geineigtheit der türkischen Regierung das Verbot des Erunderwerbes durch Juden aufzuheben, ableiten. _Die ottomamfchen Juden m Paris. Die türkische Regierung hat Rabbi Moses Venbachet zum Rabbiner der türkischen Iudenqemeinde in Paris ernannt. Dieser Tage ist Rabbi Moses in Paris eingetroffen und hat nachdem er dem türkischen Botschafter das kaiserliche Irade über seine Ernennung überreicht Dr. Blochs Wochenschrift.

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