Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 51 der Weltmeere, keine Scheidung durch Verschiedenheit der Sprache und nationalen Eigenheiten. So oder ähnlich lauten die Gedanken, mit denen der jeweilige Vorsitzende in der Eröffnungssitzung vor die Zuhörer tritt, und auch in den internationalen Opthalmologenkongressen wurde dieses Thema variiert, mochte er in Paris, London oder anderswo tagen, mochte die Sprache immer die Gewandung für diese Gedanken hecgeben. Als im Jahre 1888 dieser Kongreß in Deutschland (Heidelberg) tagte, sagte der Vorsitzende Donders, der berühmte Utrechter Physiologe und Augenarzt: „Ich bin aufs tiefste durchdrungen von der hohen Bedeutung der internationalen Kongresse überhaupt. Kleine, dauernd wirkende Ursachen haben große Folgen. Zu die'en kleinen Ursachen gehören unsere Kongresse. Hier werden Kunst und Wissenschaft die Zemente internationaler Sympathie, hier der Triumph der Humanität verbreitet" (e:e,s>t in qivils preparent 1^ triomphe de rmiinanite). UeberBrüssel (1857), Paris (1862), und London (1872) ging es nach allen Ländern. Auf dem 11. Kongreß in Neapel (1909) wurde mit wenigen Stimmen beschlossen, den 12. Internationalen Kongreß in Petersburg abzuhalten. Die Vorbereitungen wurden getroffen, das Zentralbureau gebildet, in allen Ländern korrespondierende Mitglieder ernannt. Die Rundschreiben wurden erlassen. Vor mir liegt das zweite Rundschreiben vom Dezember 1913. Es enthält die Tagesordnung, die Reise- und Schiffahrtsvergünstigungen, Preise und Angabe der Gasthöfe. Vor der Rubrik „Hotels" finden wir folgendes vermerkt: „Das Ministerium des Innern hat die unbehinderte Zulassung der israelitischen Mitglieder des Kongresses bewilligt, es wird jedoch verlangt, daß in St. Petersburg durch das Zentralbureau auf dem Paß der israelitischen Mitglieder ein Vermerk angebracht werde über die Dauer der Berechtigung, innerhalb der Reichsgrenzen zu leben. Als letzter Termin für den Aufenthalt in Rußland wird wohl der 28./15. September zu gelten haben, an welchem Tage ja auch die Vergünstigungen der Reise aufhören." Schon in Neapel bei der Diskussion über die Wahl des nächsten Kongresses konnte man Bedenken gegen die Wahl einer russischen Stadt als Kongreßort haben. Sie wurden nicht laut, da Anträge Vorlagen, den Kongreß in Kairo oder St. Louis abzuhalten und die Meinung bestand, daß Petersburg in der Minorität bleiben würde. Die aus italienischen Kollegen bestehende Majorität entschied damals für Rußland. Eine nachträgliche Demonstration hätte einen politischen Anstrich gehabt, den die Wissenschaft zu vermeiden sucht,' auch waren beim Internationalen Medizinischen Kongreß, in Moskau damals prinzipielle Bedenken nicht erhoben und Ausnahmebestimmungen für einzelne Kongreßteilnehmer nicht erlassen worden. Die Heidelberger ophtholmologische Gesellschaft pflegt ihre Tagung in den Kongreßjahren ausfallen zu lassen, so fällt sie auch im Jahre 1914 aus. Auch hier unterließ ich die Demonstration, da es den Mitgliedern der Heidelberger Gesellschaft frei stand, Petersburg aufzusuchen. Der eigentümliche Passus im Rundschreiben ändert die Situation. Hirschberg in Berlin, dem vor wenigen Monaten anläßlich seines 70. Geburtslagen die internationale Wissenschaft durch Vertreter aller Länder ihre Huldigung und Verehrung als dem Altmeister der Augenheilkunde dargebracht hat, schreibt in der letzten Nummer seines Zentralblattes für Augenheilkunde: „Noch niemals sind auf einem internationalen Ophthalmologenkongreß derartige Beschränkungen vorgekommen. Sie bilden einen groben Verstoß gegen die Kollegialität und gegen die Freiheit der Wissenschaft." Hirschberg hat als korrespondierendes Mitglied des Kongresses für Deutschland das Rundschreiben mit der Niederlegung seines Amtes beantwortet, er hofft >,,daß die übrigen korrespondierenden Mitglieder sehr bald den glei chen Schritt tun werden" er hofft ferner. ..daß über Haupt niemand diesen 12. internationalen Kongreß be suchen wird". Wir wollen diese Hoffnung teilen und zu ihrer Verwirklichung durch diese Zeilen beitragen. Herr Professor Hirschberg hat auch in der „Berliner Klinischen Wochenschrift" einen Protest gegen den Kongreß erlassen, an dem er festhält, auch nachdem jene skandalösen Einschränkungen inzwischen zurückgenommen sind. Er schließt seinen Protest mit folgenden Säzen: „Die so überstürzte, nicht von der Gerechtigkeit diktierte, sondern deni ersten mannhaften Widerspruch weichende Zurücknahme der Beschränkungen verfehlt ihren Zweck, die Beleidigung erscheint dadurch nur um so empfindlicher, da sie doch als ganz unnötig erwiesen ist, wenn tatsächlich schon heute wieder die Beschränkung so ganz entbehrlich erscheint. Auf uns verfehlt die Zurücknahme jeglichen Eindruck. Wir werden ruhig weiter kämpfen. Wir kämpfen für eine Idee. Diese wird siegen. Ich hoffe, der 12. internationale Ophthalmologenkongreß wird zu Petersburg 1914 nicht zusammentreten." König Konstantin und die Juden auf der Insel Kreta. Anläßlich seines jüngsten Aufenthaltes in Canea auf der Insel Kreta, stattete König Konstantin von Grie chenland auch der dortigen Synagoge einen Besuch ab. Der König erschien während des Gottesdienstes und blieb bis zum Ende desselben in der Synagoge. Nach dein Gottesdienste wurde der Oberrabbiner der Insel Kreta vom König in Audienz empfangen. Am selben Tage wurde Oberabbiner Eblagon auch auf dem Kriegsschiffe vom Kronprinzen empfangen. Der Oberrabbiner überreichte dem Kronprinzen nach dem üblichen Segensspruche ein Weizenkorn, auf welchem die zehn Gebote in hebräischer Sprache eingraviert waren. Lady Rothschild. In einer Spezialnummer, welche hauptsächlich den Frauen gewidmet ist, schreibt „Ievish Chronicle": In einer Nummer, die hauptsächlich der jüdischen Frau gewidmet ist, gebührt zweifellos Lady Rothschild der erste Platz. Gleich ihrem Manne, dem Lord Rothschild, liebt es auch die Lady nicht, zu häufig auf der Plattform zu erscheinen. Trotzdem ist sie mit all den Bewegungen und Aktionen, welche die Verbesserung der Lage der jüdischen Frau in London und in England überhaupt, eng verbunden. Sie ist Mitglied aller Vereine und Organisationen. welche der Wohlfahrt der jüdischen Frau dienen; von vielen ist sie auch die Präsidentin. Aber selbst dort, wo sie keine offizielle Stellung einnimmt, bringt sie jeder Anregung, welche eine Linderung der Not unter den jüdischen Frauen ins Auge fassen, werktätige Sympathie entgegen. Ern jüdischer Gouverneur in Palästina. In gut unterrichteten politischen Kreisen verlautet, daß der Minister des Innern, Talaat Bey, demnächst einen Juden zum Gouverneur einer palästinensischen Stadt ernennen wird. Es soll sich um eine Stadt in Galiläa mit vorwiegend jüdischer Bewohnerschaft handeln. Das jungtürkische Kabinett will damit der jüdischen Bevölkerung des Reiches seine Anerkennung für ihr musterhaft patriotisches Verhalten während des Balkankrieges bekunden. Der portugiesische Generalkonsul in Konstantinopel über das Angolaprojekt. In Konstantinopel hielt dieser Tage der portugiessische Generalkonsul Alfredo de Mesquita als Gast der B'nei B'rith-Loge einen Vortrag über „Portugal und die Juden". Der Vortrag zeichnete sich vor allem durch