Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 50 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 4 Ta bracht die damals in Wien stark einfetzenöe antisemitische Bewegung einen Wandel, von dem auch Goldschmied empfindlich betroffen wurde. Gr trat aus sämtlichen Fachvereinen ans, verkaufte nach sechsjährigem Bestehen sein Geschäft, um erst nach etlichen Jahren ein neues in der Tabvrstraße 3 zu erwerben. Hier stellte er einen photographischen Apparat her, der in einer Momentaufnahme den ganzen Horizont sestzuhalten vermag. Die Patentamnelüung°ist vollständig vorbereitet. Nur scheiterte sie bis heute wieder atl der leidigen Geldfrage. Gleichzeitig gelang Goldschmied die Konstruktion eines starren Lenkballous mit einer Tragfähigkeit von 48.000 Kilogramm. Da die Höhe der Tragfähigkeit eines Luftschiffes von dem Rauminhalte des Gasbehälters oder der Ballonhülle abhängt, müßte nach dem System Zeppelin der Ballon Goldschmied einen Durchmesser von 10 Meter eine Länge von über 340 Metern haben. Eine solche Konstruktion wäre aber trotz Motoren und Steuerung dem Luftwiderstände nicht gewachsen. In dieser Erwägung teilt Goldschmied seinen Ballon in drei Teile, die er in Dreiectform anordnet. Einen Teil von 1()0 Metern oben, die anderen beiden von je 120 Metern unten nebeneinander und zwar so, daß zwischn den oberen und unterenBallouteilen ein freier Raum von 4 Metern Höhe und 120 Metern Länge offen bleibt. Tiefer Raum wird durch zwei Decken als Drachenkasten umgestaltet. Durch die Konstruktion wird der Ballon um zwei Drittel seiner Länge, d. h. um 215 Meter, verkürzt. Durch den freien Raum wird zweierlei bewirkt. Zunächst wird bei starkem Seitenwind ein Abdrängen des Ballons verhütet. Indern der starke Luftdruck von der Windseite mit Gewalt durch den offenen Raum dringt, erleidet das Luftschiff einen Rückstoß gegen die Windseite. Außerdem ist in der Mitte des freien Raumes ein Benzinmotor mit einer Uebertragung aus der gemeinsamen Achse zweier Propeller angewandt, und der vordere Propeller zur Arbeit eingeschaltet, so daß der Lust. ruck dieses Propellers nach außen geht. Das Schiff wird nach rückwärts gegen den Wind gedrängt und ein Aodrängen des Ballons verhindert. Es ist derselbe Vorgang, wie bei den beiden Arbeitspropellern an der Stirnseite des Luftschiffes. Der Luftdruck den sie erzeugen gel l nach rückwärts, dadurch erleidet das Schiff einen Rückstoß nach vorn. Der zweite Vorteil dieser Konstruktion ist der, daß bei schnellem Vorwärtsöringen des Apparates in das Luftmeer ein starker Luftstrom von vorn nach hinten in den freien offenen Raum dringt, sich an die obere Decke des Raumes legt und so die Tragfähigkeit und Stabilität des Schiffes erhöht. Die Arbeitspropeller sind verstellbar eingerichtet, so daß das bisherige Höhen- und Seitensteuer entfällt. Tie Ballonfüllung wird durch ein Röhrensystem automatisch geregelt. Der unterste Raum von 100 Metern Länge, 3 Metern Höhe und 18 Metern Breite ist für die Aufnahme von 100 Passagieren bestimmt. Gondeln fallen weg. Zur Stabilisierung des Schiffes' find außer den erwähnten Vorkehrungen noch Stabilisierungsflächen vorgesehen. Das Modell wurde im Juli 1909 beim k. k. Patentamt in Wien angemeldet, die Patenturkunde im Oktober 1911 ausgestellt. (Oesterr. Patentschrift Nr. 50.415 vom 25. Oktober 1911.) Nun gilt es die kostspielige Ausführung des Projektes. Wer hilft dem nunmehr 72 jährigen Erfinder, fein Lebenswerk krönen? M. G. rsom Aabrmarkt des Lebens. Die Aktion Amerikas zugunsten der rumänischen Juden. In der Rommission für ausländische Angelgenheilen des Kongreßes der Vereinigten Staaten wurde eine Resolution angenommen, in welcher das Ministerium des Aenßeren aufgefordert wird, bei den europäischen Regierungen freundschaftlich anzusragen, ob Rumänien die durch den Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen, insbesondere aber die Verpflichtung, den Juden in Rumänien volle Gleichberechtigung zu gewähren, auch wirklich erfülle. Deputierter Moore, welcher die Resolution unterbreitete, erinnerte in seiner Begründung an die früheren Interventionen Amerikas anläßlich welcher die rumänische Regierung bloß die schlechte Behandlung der Juden, nicht aber die Tatsache in Abrede stellte, daß die Juden in Rumänien keine Gleichberechtigung genießen. Bezeichnend ist, daß der Rommission ein Gutachten des Rechtsbureaus des Auswärtigen Amtes vorlag, in welchem konstatiert wird, daß die Resolution vollständig den diplomatischen Formen entspricht und in freundschaftlichem Tone gehalten sein müsse. Das Gutachten betont-auch, daß die Regierung schon durch den Umstand zu einer Umfrage bei den europäischen Mächten berechtigt sei, daß infolge der notorisch schlechten Behandlung der Juden in Rumänien sich eine Masseneinwanderung rumänischer Juden nach America fühlbar mache, welche die Regierung der Vereinigten Staaten nicht gleichgiltig lassen könne. lieber eine zweite amerikanische Aktion zu Gunsten rumänischer Juden wird uns gemeldet: Ter amerikanische Politiker Henry Green, dessen Initiative wie erinnerlich auch der Abbruch der Handelsbeziehungen zwischen Amerika und Rußland zu danken ist, unh über dessen Tätigkeit zu Gunsten der rumänischen Inden wir wiederholt berichtet haben, hat für den 23. Jänner nach Berlin eine große Konferenz zu Gunsten der runiänifchen Inden einberufen. Henry Green, der sich schon seit -einigen Tagen in Europa aufhält, hat wie wir erfahren, vop verschiedenen und noch dazu jüdischen Organisationen Absagebriefe erhalten, indem darauf hingewiesen wird .daß der jetzige Zeitpunkt sich für eine solche Aktion uicht eigne. Diese Organisationen unter ihnen die Jca, die Alliance Jsrealite Universelle und der Hilfsverein der deutschen Inden haben es daher auch abgelehnt, Delegirte zu der von Henry Green einberufenen Konferenz zu entsenden. Da jedoch der Jnitator dieser Konferenz nicht nur jüdische Organisationen und Persönlichkeiten geladen hat, und überhaupt auf dem Standpunkte steht, daß seine Aktion nur dann einen effektiven Erfolg haben könne, wenn sie hauptsächlich von Nichtjuden ausgeht und gefördert wird, so bleibt abzuwarten, ob -nicht trotz der obenerwähnen Absage die Konferenz doch zustande kommen wird. Henry Green bemüh sich indes diese jüdischen Kreise von ihrer Abstinenz abznbringen. Der internationale Ophthalmologen-Rongretz in Petersburg. Herr Sanitätsrat Dr. L. Rosenmeyer schreibt der ,,Franlfurter Zeitung": Wie bei allen internationalen medizinischen Kongressen, so wird auch bei der rein spezialistischvn der Grundgedanke, die erhabene Idee der Gemeinsamkeit der wissenschaftlichen und ethischen Interessen aller Kulturvölker der Erde betont. Die internationalen Vereinigungen sollen den Beweis liefern, daß es für die rein menschlichen Bestrebungen, für die Förderung der allgemeinen Wohlfahrt in geistiger Hinsicht keinen Halt gibt an den Grenzpfählen der Länder, keine Trennung durch die Fluten