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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-23 · 4 (23.1.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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,t 4 Dr. Bloch’s --.«>-»> Zentraloroan für die gesamten Unteressen des Judentums» -g~.i:~d- Wien, 23. Jänner 1914 : Lrscbetnt jeden LreLtag. i Brief-Adresse: Wien» li/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Blocht Wochenschrift, Wie«. 017=.' - -- "? Bejuaeprtt» für Vrsterreirst: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 5C Heller. Für » Ausl«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die rral gespal.; j tene Pertlzeile 4b Heller. C n O.- - —0 o «. ft. postsparftspensrnt 2leartng--Verkebr fit. 810.976. Redaktion und Administration, r Wien ll/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 Inhalt: tteuariitei: August Goldschmied, der Erfinder eines neuen Luftschiffes. — VomJahrmarktdesLedens: Die Aktion Amerikas zugunsten der rumänischen Juden. — Der internationale Ophthalmologen-Kongreß in Petersburg — König Konstantin . und die Juden auf der Insel Kreta. — Lady Rothschild. — Em jüdischer Gouverneur in Palästina. — Der portugiesische Generalkonsul in Konstantinopel über das Angolaprojekt. — Die amerikanische Kuratorium^mitglieder für die Hebraisirung des Technikums, in Haisa. — Auszeichnung eines jüdischen Generalstabsarztes. — Eine jüdische Staatsarchivarin. — Der Brünner Z nsm streit vom Jahre 1755. — Korrespondenzen — Mendel Beilis in Wien. — lieber den österreichischen Exvort. — Wien. — Posen — Grundkauf in Palästina. — Die ottomanischen Juden in Paris. — Jüdisches Vermögen konfisziert. — Antisemitische Roheit. — Vermischtes. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. August Goldschmied, der Grstnder eines neuen Luftschiffes. In der vorjährigen Wiener internationalen Flugmaschinenausstellung stieß ich aus ein Patent, das diesen mir bis dahin unbekannten Namen trug. Erkundigungen ergaben die folgenden Daten, deren Veröffentlichung sowohl der Sache als auch der Person des Erfinders dienen möge. .1841 in Lundenburg Mähren) geboren, zeigte Goldschmied schon als Knabe im Reparieren zerbrochenen Spielzeugs eine solche Fertigkeit, daß er in weitem Umkreis der mit Naschwerk reichlich belohnte Liebling aller Altersgenossen wurde. Mit 13 Jahrem nach dem Verlassen der Volksschule, vor die Wahl eines Berufes gestellt, wollte er,, da zum Studium die Mittel der Eltern nicht ausreichten, Mechaniker werden. Auch dieser Plan erwies sich als unausführbar. Er kam zu einem Kürschner in die Lehre. Als Geselle arbeitet er dann in Wien, Budapest und Graz. Nach Wien zurückgekehrt, wurde er Mitglied des hiesigen Arbeit erbildungs- Vereines, dessen Bibliothek er eifrig benützte. Hier konstruierte Goldschmied um das Jahr 1864 das Modell eines'Maschinengewehres für Schnellfeuer, mit dem man 600 Schuß in der Minute abgeben konnte. Obwohl das Modell aus Holz erzeugt war, funktionierte der Mechanismus einwandfrei. Ein Patent zu nehmen, fehlten Goldschmied die Mittel. Eine Eingabe an das Wiener Kriegsministerium wurde nach vielen Wochen ablehnend beantwortet. Zwei Jahre später ging durch die Presse die sensationelle Nachricht, daß der Amerikaner Maxim ein Maschinengewehr erfunden habe. Heute sind bekanntlich alle Armeen der Welt damit ausgerüstet. Von einer Verbesserung berichteten vor wenigen Wochen die Zeitungen. Von Goldschmieds Erfindung ist bisher nichts bekannt geworden. In den Ausschuß des erwähnten Vereines gewählt. lenkte Goldschmied durch einige öffentliche Reden die Aufmerksamkeit seiner Genossen auf sich. Als es zwischen der radikalen und der gemäßigten Richtung innerhalb des Vereines zur Spaltung gekommen war, wurde Goldschmied von den Gemüßigten zum Proponenten gewählt. Gleichzeitig wurde er von dem neugebildeten Gewerkschaftsverein der Kürschner mit großer Majorität durch die Wahl zum Obmann ausgezeichnet. Für die Wiener Weltausstellung 1873 betraute der Verein Goldschmied mit der Berichterstattung über die Fortschritte im Kürschnergewerbe. Sein Bericht ist 1874 im Druck erschienen. 1875 machte Goldschmied sich selbständig. Außerstande, die Kosten eines offenen Geschäftes zu bestreiten, arbeitete er als Stückmeister für Kundenschneider und Konfektionäre. Nun gelang es seinen unablässigen Bemühungen, einen Verein der Kürschnermeister ins Leben zu rufen. Wie für diese Gründung fand er die Unterstützung Gleichgesinnter auch für die Einrichtung einer Meisterkrankenkassa. Eine Fachpresse wurde ins Leben gerufen und Fachausstellungen veranstaltet. Goldschmied selbst beteiligte sich an diesen Ausstellungen mit einem neuen Erzeugnis der Kürschnerei. Es waren große Wanddekorationen und Teppiche aus Pelzmosaik, z. B. eine Tierbündigerin beim Füttern von Raubtieren, die in ihren natürlichen Fellen in Lebensgröße öargestellt wurden, oder eine Amazonenjagd nach demselben Prinzip. Die Landschaft war in gefärbten Lammfellen ausgesührt. Für diese Arbeit erhielt Goldschmied auf der Fachausstellung 1891 das Ehrendiplom. Ein weiteres Motiv bildete die Christenversolgung unter Nero. Ein anderes Bild, das im Mittelfelde den österreichischen Adler und ringsum die Wappen sämtlicher Kronländer der Monarchie zeigte, wurde von Goldschmied dem Kaiser Franz Josef vorgelegt und für den Hof angekauft. 1893 war Goldschmied endlich in der Lage, sich einen eigenen Herd und gleichzeitig ein offenes Geschäft zu gründen (Marahilferstraße 49).

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