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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Vkochs Vom Berllanve der jüdischen Gemeinde in Italien. Das Zentralkomitee des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien hat am 27. und 28. November in Nom eine Sitzung abgehalten, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, den Kongreß der jüdischen Gemeinden von Italien, über welchen wir bereits milgeteilt haben, für die ersten Tage des Monates März 1914 festzusetzen. Dieser Kongreß wird falls er im Zeichen der Einigkeit vor sich gehen wird, für die Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Italien von großer Bedeutung sein» da er zum Hauptzwecke hat, eine autorative Gefamtorganisation der Iudenschaft Italiens herbeizuführen. Hiedurch wäre die Möglichkeit geschaffen, ältere Iudengemeinden Italiens,, die heute hem Verfalle nahe sind, wieder auf-urichten, und andererseits an mehreren Punk- M, wo dies im Interesse des Judentums und der jüdischen Religion notwendig ist, Gemeinden zu organisieren. Der Doyen der französischen Generale gestorben.; Geneval Brisac ist im Alter von 96 Jahren vorige Woche in Paris gestorben. Er war der älteste französische General und hat seit dem Jahre 1841 da er zum Leutnant ernannt wurde, an allen frnzösischen Feldzügen bis zum Iahe 1879 teilgenommen. Generali Brisac stand wegen sener hohen Dualitäten in den weitesten Kreisen Frankreichs im hohen Ansehen.? Jswolski und Großfürst Boris bei den Rothschilds. Aus Paris wird gemeldet: Baron Morris de Rothschild gab dieser Tage zu Ehren des Jnfanten von Spanien einen Empfangsabend, an welchem auch der russische Botschafter in Paris Jswolkski erschienen ist. In derselben Woche war der russische Großfürst Boris der Gast des Dr. HeNry de Rothschild und einen Tag später des reichen Juden Wextheim. Es ist die Frage) ob die beiden hervorragenden Russen sich bei ihren Gastgebern in Petersburg revanchiren könnten, da nach den russischen Gesetzen, den ausländischen Juden, ja selbst den russischen Juden zum allergrößten Teile der Aufenthalt in Petersburg verboen ist. Der Protest der Araber gegen die hebräische Sprache Dem ottomanischen „Lloyd" in Konstantinopel wird aus Haifa berichtet, daß die dortigen mohammedanischen Rotabeln an den türkischen Minister des Jneru telegrafisch die dringende Forderung gerichtet haben, daß die Regierung mit allen Mitteln dagegen Stellung nehme, daß in dem jiidischen Technikum in Haifa ausschließlich die hebräische Sprache als Unterrichtssprache eigeführt werde. Sie sprechen die Befürchtung aus, daß für den Fall als in dieser technischen Hochschule die hebräische Sprache die einzige' Unterrichtssprache sein wird, die eingeborene Bevölkerung von Vorneherein aus dieser Anstalt deren hohe kulturelle Bedeutung ohne Unterschied der Sprache und der Nation anerkant werden müsse, ausgeschlossen würde. ' Eine solche Anstalt dürste jedoch nicht geduldet werden. Jüdische Kolonisten i« Palästina von Arabern überfallen- . Wie aus Konstantinopel gemeldet wird langen daselbst immer häufiger Berichte von arabischen Ueberfällen auf jüdische Kolonisten in Palästina an. Der Zweck dieser Ueberfälle ist gewöhnlich der gemeine Raub. Erst vor Kurzem , wurden in der Nähe von .Liberias zwei jüdische Kolonisten von einer Aräberbande ermordet, während die fiebrigen in. deren Gesellschaft die zwei Opfer sich befanden, sich nur dadurch zu retten vermochten, daß sie alle'ihre Wertsachen dem Führer der Bande ausfolgten. Der Größrabbiner Wochenschrift. Seite m der Türkei, hat, nachdem er Kenntnis von diesen Ueberfällen erhalten hatte, sich an die Regierung mit der Aufforderung gewendet, für die Sicherheit des Lebens und des Vermögens der jüdischen Kolonisten in Palästina energische Vorkehrungen zu treffen. Der Minister des Innern hat wohl dem Gouverneur von Jerusalem telegrafisch die Einleitung einer strengen Untersuchung und die exemplarische Bestrafung der Schuldigen aufgetragen, aber man weiß aus Erfahrung) daß solche Untersuchungen ergebnislos zu verlaufen pflegen, weshalb die Araber nur zu weiteren Ueberfällen auf die Juden sich ermuntert fühlen. L'Actualite Juive. Unter diesem Titel erscheint in Saloniki eine neue jüdische Wochenschrift, welche in ihrem Prospekte sich als Zeitschrift der gesamten Iudenschaft des Orients empfiehlt. Die neue Wochenschrift gehört gar keiner Partei an, steht der jüdischen Politik und dem jüdischen Nationalismus ferne, und wird ihr Hauptgewicht auf die Verteidigung der Rechte der Juden und auf die Vermittlung der geistigen Produkte deS Judentums legen. Um dieses Programm durchführen zu können, hat die Redaktion — so wird versichert — die Mitarbeit der hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten des Orients gewonnen. Advokat Margolins Rekurs. Bekanntlich wurde der angesehene Kiewer Advokat Margolin wegen seiner Tätigkeit als Verteidiger des Beiliß zur Streichung aus der Advokatenliste verurteilt. Gegen diese ungeheure Strafe hat Margolin den Rekursweg betreten- Wie sich jetzt herausstellt, hat der Gerichtshof dieses Urteil nicht einstimmig gefällt. Ein Teil der Richter war der Meinung, daß Margolin überhaupt keine ungesetzliche Tat begangen habe, und daher gar nicht zu bestrafen sei. Andere wieder waren mit dem unglaublichen Strafausmaß nicht einverstanden. Alle aber hatten die Ueberzeugung, daß den Angaben der Tscheberja, daß Margolin sie bestochen und zu falschen Aussagen verleiten wollte, kein Glauben beizumessen sei. Margolin könne höchstens wegen der Führung der privaten Untersuchung zur Verantwortung gezogen werden. Bezeichnend ist auch, daß das Kiewer Gericht sich da Margolin eigentlich zur Petersburger Advokatenkammer gehört, und erst infolge Drängens von oben die Behandlung der Angelegenheit übernommen hat. Rothschild und das Weihuachtshuh». Ein wenig bekannter Brauch herrscht seit ungefähr 40 Jahren im Londoner Rothschild-Hause. Seit dieser Zeit bekommt alljährlich zu Weihnachten jeder Londoner OmnibuS-Kutscher vom Hause Rothschild ein Huhn, bezw. das Geld für ein Huhn zu den Feiertagen. Wie Mr. Alfred de Rothschild erzählt, stammt dieser Brauch aus jener Zeit, da er vor 40 Jahren mit seinem Bruder Leopold täglich in offener Karosse von ihrer Besitzung Gannersbury in die City fuhr. Die Omnibuskutscher pflegten nun, so oft die Rothschild-Karosse sichtbar wurde;; ihre Pferde an zuhalten) und ehrerbietig zu warten; bis die Rothschild an ihnen vorbeigefahren find. Da besprachen die Brüder, daß sie den Kutschern eine Weihnachtsfreude bereiten wollen, indem sie ihnen zum Feste ein Huhn beistellen. Trotzdem sich die Verhältnisse seither vielfach geändert haben, die Brüder Rothschild nicht mehr von Gannersbury nach der City, fahren, hat sich, dieser Brauch im Hause Rothschild bis zum heutigen erhalten. Die Omnibuskutscher begehen diesen Tag auch in

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