Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 3 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 40 Dr. Bloch« Wochenschrift. Nr. 3 Antisemitischer Patriotismus. Aus Preßburg wiruns geschrieben:: Zu öen angesehenste» nationalen literarischen unö Wissenschaftliche» Gesellschaften -es Lan-es zählte bis vor Kurzem -ie hiesige Toldy-Gesellschaft. Das Ansehen erwarb fich Siese Gesellschaft hauptsächlich -eshalb, weil sie an -er Lau-esgrenze wirken-, -ie Mission hatte, -as Magyarisieruugswerk in Oberungarn durchzuführen, andererseits aber auch weil von ihr wahrer Liberalismus unö -er Sinn für vorurteilsfreie wissenschaftliche Forschung ausgingen. Unter solchen Umständen ist es verständlich, daß die Juden Pretzburgs die Gesellschaft in jeder Beziehung förderten. In jüngster Zeit zog jedoch in die Gesellschaft ein neuer Geist ein. Der vor Kurzem gewählte neue Vizepräsident Professor Alexander Butkovics sah es als seinen wichtigsten Progtämmpunkt an, „Ine Gesellschaft von den Juden zu säubern". Diese Bemerkung hatte zunächst zur Folge, daß der jüdische Professor der Handelsakademie M. Aranyi Butkovics zum Duell forderte, das auch ausgetragen wurde. Eine weitere Folge war, daß die Juden sich allmählich von der Gesellschaft zurückzogen und sich ihnen auch alle jene christliche Mitglieder, welche die neue Richtung nicht mitmachen wollten, anschloffen. An einem einzigen Tage büßte die Gesellschaft 120 Mitglieder, lauter angesehene, einflußreiche Persönlichkeiten der oberüngarifchen Gesellschaft ein. An Stelle dieser Ausgetretenen meldeten sich mehrere katholische Geistliche, und bekannte politische Scharfmacher, welche die Gesellschaft vollständig diskreditierten. Die Ausgetretenen gründeten gleichzeitig unter dem Namen des großen ungarischen Staatsmannes Baron Josef Eötvös eine neue Gesellschaft mit den ursprünglichen freiheitlichen Tendenzen der Toldy-Gesellschaft. So sieht auch 'in Ungarn antisemitischer Patriotismus aus. Ehrung einer jüdische» Wohltäterin. Aus Budapest wird uns geschrieben: In Neuhäusel fand dieser Tage eine erhebende Doppeljubelfeier statt, an welcher nicht nur die gesamte Judenfchaft der Stadt und des Komitats, sondern auch die Spitzen der kommunalen und munizipalen Behörden teilnahmen. Es galt nämlich, Frau Albert Klein, anläßlich ihres siebzigsten Geburtstages und gleichzeitig ihres 40jährigeen Jubiläums als Präsidentin des jüdischen Wohltätigkeits-Bereines zu ehren. Namens des Frauenvereines sprach Frau Benjamin Freund, während Bürgermeister Alaöar Mikloska die Glückwünsche der Stadtgemeinde unö der übrigen öffentlichen Behörden überbrachte. Als schönster Beweis für die großen Verdienste der Jubilarin die fast ihr ganzes Leben in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hat, sei erwähnt, daß das Armenhaus, welches demnächst in Neuhäusel errichtet werden wird, unö zu deffen Baukosten Frau Klein eine namhafte Summe fpen- . dete, für ewige Zeiten „Fanni Klein-Heim" tragen wird. Florenz, Ende Dezember 1913. Herr Dr. Faitlovttch ist vor wenigen Tagen von seiner -ritten übesfinifchen Reise zurückgekehrt. Bekanntlich war er diesmal vom Internationalen Pro-Falascha-Komitee mit der Aufgabe betraut worden, in Tekul, einer von der abeffinische» Grenze gelegenen Ortschaft von Erythräa, eine Religionsfchule für die Falafchas zuerrichten. Dieser Plan konnte jedoch leider nicht zur Ausführung gelangen, weil der Gouverneur-der italienischen Kolonie aus politischen Gründen die Konzession hierzu verweigerte. A^ererseits honnte sich Herr Dr. Faitlovitch wegen pädagogischen Bedenken nicht dazu entschließen, die Schule in der Hauptstadt der Kolonie, Asmara zu errichten, wo die Kolonialregierung sich bereit erklärte, dem Komitee zu diesem Zwecke einen Bauplatz zur Verfügung zu stellen. Um den von verschiedenen Falascha - Häuptlingen vielfach geäußerten Wünschen zu genügen, hat Herr Dr. Faitlovich deshalb, im Einverständnis mit dem Vorstand des Komitees, zunächst eine kleine Schule in der abeffinischen Provinz Dembea, in der Nähe von Gondar eröffnet unö die Leitung derselben dem jungen Falascha Jeremias Getie anvertraut. Dieser vortreffliche und von glühender religiöser Begeisterung erfüllte junge Mensch, der in Florenz und in Jerusalem mehrere Jahre studiert hat, besitzt die nötigen Kenntnisse, um den Kindern seiner Landsleute den elementaren jüdischen Religionsunterricht zu erteilen. Die-Eröffnung dieser Schule wurde von den Falüschas mit größter Freude begrüßtweil sie in derselben den Anfang jener religiösen Erlösung erblicken, die sie seit so vielen Jahren herbeisehnen und um die sie die jüdische Welt so oft in ergreifenden Briefen angefleht haben. Auch diesmal hat Dr. Faitlovitch von verschiedenen Falaschagemeinden mehrere solcher Briefe erhalten, deren Veröffentlichung sich die Leitung des Komitees für die nächste Zeit vorbehält. Dr. Faitlovitsch!hat seinerzeit sein neues in ombarischer Sprache abgefaßtes Sendschreiben in einer großen Anzahl von Exemplaren unter den FalaskArs verbreitet. In diesem Senschreiben setzt er die Grundprinzipien des traditionellen Judentums auseinander, ermahnt hie Falaschas fest und unerschütterlich wie bisher bei dem jüdischen Glauben auszuharren,- und verspricht ihnen im Namen des Komitees dafür zu sorgen,, daß ihren Kindern der von ihnen so heiß ersehnte jüdische Religionsunterricht im genügenden Maße zuteil werde. Um die Erfüllung dieses Versprechens zu beschleunigen, gedenkt die Leitung des internationalen Komitees die Mitglieder desselben in nächster Zeit zu einer Tagung zusammenzuberufen, bei der über die verschiedenen mit der Lösung des wichtigen Problems zusammenhängenden Fragen eingehende Beratungen gepflogen und über die dazu notwendigen Maßregeln enögiltige Beschlüsse gefaßt werden sollen. Gleichzeitig bereitet die Komiteeleitung die Herausgabe eines finanziellen unö allgemeinen Berichtes über ihre bisherige Tätigkeit vor. Das jüdische Eherecht in der griechische« Gesetzgebung für die okkupierten Gebiete. Der griechische Justizminister Raktivan hat vor einigen Tagen dem griechischen Parlament einen Gesetzentwurf über die Gerichtsbarkeit und die Anwendung der Gesetze in den von Griechenland okkupierten ehemals türkischen Gebieten unterbreitet. Bon jüdischem Gesichtspunkte hat der Gesetzartikel über das Eherecht, besonderes Interesse. Nach dieser Gesetzesvorlage soll bei Ehen, von Personen die der islamitischen oder israelitischen Konfession angehören, in jedem Belange nach den heiligen Gesetzen bei den Juden nach dem Schulchan Aruch gehanöhabt werden. ' Dies bezieht sich nicht nur auf : die Eheschließungsondern auch auf die Geburt der Kinder und die Ehescheidung. Wenn das Gesetz wirklich zur-Ausführung gelangt, so wird auch die Schaffung von sogenannten religiösen Gerichtshöfen und in weiterer Folge auch Gerichtshöfe für höhere Instanzen notwendig.fein,, welche in der Lage sein werden, die Materie ' vom Gesichtspunkte der betreffenden Konfession aus, zu beurteile«: