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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite S9 Nr. s Dr. Bkochs Wochmschrift. Scklo Eohn, Dr- Felix Katzau, Dr. Leopold Kohn, kaif. Rat Sigmund Kanders, Wilhelm Kuffner, Univ- Prof. Dr. Josef Pollak. Wolf Schrämet, Dr. Markus Spitzer. Nachdem noch die MtAeder-der Kommissionen und Komites in ihrer früheren Zusammensetzung neu gewählt wurden, erkürt der Vorsitzende Präsident Dr. Alfred Stern die öffentliche Sitzung für geschlossen. Der Antisemitismus in der österreichisch-ungarischen Armee. Vor 'eynger Zeit hat der jüdische Abgeordnete Reitzes im österreichischen Parlament an den Landesverteidigungsminister wegen der antisemitischen Offiziere, welche auf dem sogenannten Waidhofner Prinzipe stehen, und die Juden ehrlos erkläxen, eine Interpellation gerichtet. Vor einigen Tagen hatte nun Abgeordneter Reitzes eine Konferenz mit dom Landesverteidigungsminister, in welcher dieser die Zusage machte, daß er die Interpellation in den nächsten Tagen'entweder im Parlamente, oder im Wege der Presse beantworten werde. Ter Landesverteidisiungsmjnister versicherte, daß er keinen Anstand nehmen werde, zu erklären, daß in der österreichlsch-nngerischen Armee weder unter d.en Offizieren noch unter der Mannühasl ein Unterschied nach Konfession oder Nationalitätbestehen dürfe. Im S'nne des Gesetzes sind alle Miglieder der Armee gleichberechtigt. Die Anwendung des Waidhofner Prinzipes werde er nicht dulden.-und jedes Vergehen gegen das Prinzip der Gleichberechtigung strenge ahnden. Bei . demselben Anlasse hat der Lan-desvm-teidigungsminister dem Abgeordneten Reines die Zusage gemacht, daß bei Durchführung der neuen Militärstusiprozeßordnung auch eine entsprechende Anzahl jüdischer Jurist«;- zu Mlitärverleidigern ernannt werden. BieM. Generylversammlung des israe!. Handmerkervereines- Am 4. d. nachmfand kn Festsaale der ifrnel. KÄtnsgemeinde diediesjährige Generalversammlung des iswel. Handwerkervereines statt.. Nach einer feierlichen Ansprache an die erschienen Lehrlinge, in welcher letzteren' die Ziele des edlen Handwerkes und die Frucht der Arbeit in-zu Herzoggehenden Worten vor Augen -geführt wurde, begrüßte der Obmann Herr Kestel die Erschienenen, vor allem. Herrn Kultuspräsidenten kaif. Rat Pollak, DR. Dr. Schmetterling. Frau Rosalie Tisch al? .Vertreterin des Frauenvereines, die Vertreter der Presse und die übrigen zahlreichen Anwesenden. Indern sich die Versammlung von den Sitzen erhob, hielt Herr Kestel. den im Vreinsjahre verstorbenen Mitgliedern Theodor Pollak. Michael Braun, Ludwig Groß, S. Werber, Josef Tugendhat und Hermann Lerner einen warmen Nachruf. Besonderst i-n Herrn Theodor Pollak 'habe der Verein . einen ed-lhn Zsreund tief zu. betrauern, der viel und oft den Verein im S.tillon materiell unterstützt hatte. Sein Name werde mit goldenen Lettern in den Annalen des Vereins verzeichnet sein und nie werde letzterer seiner vergessen können. Die nun folgenden Ausführungen des Vorsitzenden gaben ein anschauliches Bild der reichen Tätigkeit des Vorstandes. Der Verein betreut heuer 23 Lehrlinge .und die Zahl der Gehilfen, die bereits. ihre Lehrzeit mit Hilfe des Handwerkervepeines absolviert haben. beträgt 280. — Der Vorstand bleibt ebenso wie'mit den Lehr- , Angen auch mit den'Gehilfen in Fühlung. Mehrere von dtzn letzteren sind . im Auslände in hervorragenden. Stellungen tätig.. Ein Ruhmesblatt, für den Verein ist die . Ausbildung v.on?4 taubstummen Knaben, die jetzt gut angesteüt,'sirch; hatte sich der Verein, ihrer nicht -angen-om- - men,' mMten ' -tzWei-D. betteln gehen und den MitmenfchenMp.Äst-fallen. Ho.:..'ssich sie aber nützliche Moder der menschlichen Gesellschaft geworden. Der Vorsitzende teilt ferner mit, daß die übliche, öffentliche Kleiderverteilung Heuer über Anregung des Herrn Rabbiner Dr- Steiner entfalle. Die Kleidungsstücke werden von nun ab an dieLehrlinge abgegeben, ohne daß diese sich der Beschämung einer öffentlichen Almosensspende aussetzen müssen. Was die Einnahmen des Vereins anbelangt, waren dieselben im letzten Jahre infolge der wirtschaftlichen Krise nicht günstig, doch seien trotzdem die Ausgaben gedeckt. Letztere betrugen 1150 Kronen, 1232 Kronen wurden eingenommen, w daß noch 82 Kronen auf neue Rechnung verbleiben. Das Vereinsvermögen beträgt 2000 Kronen. An Spenden sind hervorzuheben: die des Herrn Viktor Schaeffer: 100 K und des Schulrates Barmaper: WO K. Dank müsse der Vorstand auch Herrn kaif. Rat S. Pollak zollen, der auch bei der Stadtgemeinde die Förderung des Vereins stets vor Augen habe und mit Zuwendungen bedenke. Zum Schlüsse seiner Rede erbittet Herr Kestel auch das weitere Wohlwollen der edlen Förderer, damit der Verein stets in der Lage sein könne, nickt nur zum Wähle der Lehrlinge und zum Wohle des ehrenwerten Handwerks wirken, sondern auch eine Zierde unter den jüdischen Vereinen darstelle. Herr kais. Rat S. Pollak spricht im Namen der Kultusgemeinde und der beitragenden Mitglieder Herrn Kestel für seine so überaus mühevolle Tätigkeit den herzlichsten Dank aus. Man wird wohl selten einen Mann rinden, dem so wie ihm, die Sache des Vereines so ans Herz gelva-chfen sei- Herr Rabbiner Tr. Steiner würdigt ebenfalls die beispiellose Hingabe des Pereinsobmannes für die Arbeit, die der Verein in so reichem Maaße zu leisten habe. Er wünsche nur, datz sich auch jüngere Kräfte an derselben beteiligen mögen. Zn begrüßen sei der Beschluß des Freitischvereines, von nun ab auch Lehrlinge zu beköstigen Zum Schlüsse seiner Rede richtet Herr Rabbiner Dr. Steiner eilten warmen Appell an die Anwesenden, die Schaffung eines Lehrlingheimes zu ermöglichen. Nachdem noch Herr Roienfeld und Herr Tr. Schmetterling zu einer minder wichtigen Sache das Wort ergriffen hatten, schloß der Vorsitzende mrter Tankesworten die Persamm-lnng. Tie jüdischen Feiertage in; Juhre 1914 Die sozialen Verhältnisse der Inden in Europa, besonders der streng konservativen Inden gestalten sich infolge des Zwanges auch die christlichen Feiertage zu ruhen, im Allgemeinen sehr schwierig. Besonders fühlbar wird sich das im Jahre 1914 machen, da in diesen! Jahre eine oft wiederkehrende Häufung der christlichen Feiertage im Anschlüße an die jüdischen eintreten wird. Abgesehen davon, daß diesmal die frommen Inden, vom 10. bis zum 13. April wegen des Charfreitages, der aus den Erew Pessach fallen wird. 4 Feiertage hintereinander haben werden, fällt das Rosch-Haschanah-Jest auf den 21_22. September, das ist Montag und Dienstag, so daß sie wieder gezwungen sein werden, drei Tage nacheinander zu feiern. Ueberdies wird auch darauf aufmerksam gemacht, daß vom Geschäftsstandpnnkte aus den wichtigsten Ultimo des Jahres, nämlich den 30. September, der jüdische Versöhnungstag fällt, was. wenn nicht rechtzeitig beachtet, unliebsame Folgen zeigen kann Das Sukkoth-Fest in diesem Jahre fällt noch ungüniuzer. Erew-Snkkoth ist am Sonntag den 4- Oktober, der konservative Jude wird daher gezwungen sein, von Freitag den 2. Oktober Abend bis inklusive Dienstag den 6. Oktober Abend ununterbrochen zu feiern. Dasselbe wiederholt sich an den Schlußtagen des Snkkothfestes. Ninrmt man noch hinzu, daß die beiden christlichen Weihnachtstage Freitag und Samstag sein werden, so daß ihnen wieder ein Sonntag folgt, so wird man begreifen, welch' hohe moralische Kraft dein gesetzestveuen Juden.innewyhnt, der ohne Rücksicht ani die großen Opfer, den Vorschriften feiner Religion folgt.

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