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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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' Dr. Blochs zu Litten. Es handelt sich um das Sohlenlederkartell, über dessen Tun und Treiben die berechtigte Erbitterung in der Oeffentlichkeit immer mehr chuschwillt. Um bei e'nem Bilde aus dieser Dranche stw bleiben. Aus der Haut des armen Mannes werden von diesem sattsam bekannten Kartell tatsächlich Riemen geschnitten. Schuhr gehören zu der notwendigsten Bekleidung und wenn das Material dazu iso wahnsinnig verteuert wird, ko wird damit dem Haupt einer mehrköpfigen Familie eine wahre Blutsteuer auferlegt. Aber selbst Leute mit gröberem Einkommen spüren dir Wirkung des Lederkartells sehr unangenehm. Vor ollem aber eine Tatsache: Durch' das Lederkartell werden ganze einst angesehene Stände des Gewerbes vernichtet. Da sind vor allem die Schuster, welche mitsamt ihren Familien und Gehilfen am Hungertuch nagen. Sie hätten der ausländischen Konkurrenz der fabriksmäßig e-zeugten Schuhe vielleicht ncch cin'sermaßen die Spitze bieten können, da kamen aber die unverschämten, durch nichts berechtigten Lederpreife und nun ist diese ganze Zunft beinahe vernichtet, wie man aus Verzweiflungsrufen bei ihren Versammlungen hört. Durch die glückliche Mitwirkung des Lederkartells ist es denn auch gekommen, daß wir statt der früheren Ausfuhr von Lederwaren nach Deutschland eine sehr große Einfuhr bekommen haben, das Nationalvermögen des Staates alljährlich mehrere Milli-neu einbüßß Das andere Gewerbe, das auf das schwerste leidet ist die Ledergakanterie, welche bei den jetzigen Preisen des Rohmaterials trotz allem Fleiß außerstande ist, ihren früher so reichen ausländischen Markt zu hehaupten. Als Juden hätten wir keineswegs Ursache, uns gewerblicher Vereinigungen anzunehmen, welche stets zu den ersten Truppen des Antisemitismus gezählt haben. Aber es ist ganz unnötig, die vom- Kartell erregte Erbitterung auf das jüdische Konto zu nehmen und wegen der Naivität und Unvorsichtigkeit einzelner Personen die allgemeine Stimmung in Volkes- und Regierungskreisen gegen uns reizen zu lassen. T as Sohlenlederkartell, das an seine Günstlinge Geld mit vollen Händen verstreut, gilt nämlich in vielen Kreisen als eine jüdische Unternehmung. In Ihrem geschätzten Blatte war bereits einmal ausgeführt, daß die Angriffe gezen das Kartell, welche in Gewerbekreisen starken Anklang finden, antisemitischen Charakter tragen. In Wahrheit sind aber alle großen, fühlenden und maßgebenden Firmen des Kartells durchaus arische, wenn auch ein getaufter Jude an der Spitze des Präsidiums steht. Schlauerweise gestatten diese Firmen mit Vergnügen, daß einige Juden als Ober- und Untermacher fungieren, ihre Namen in der naivsten Act in den Vordurgrund stellen und a) .f diese Art den Anschein erwecken laßen, als handle es sich um ein jüdisches Kartell. Einige wenige Menschen sind schuld daran, daß wir Juden wieder einen ebenso schweren 'als berechtigten ^Vorwurf auf uns NehmenDrü sen. Als ob diese Leute, unter denen sich auch ein Advokat befindet und von denen auch die anderen sich wahrscheinlich für gebildet hallen, aus der Geschichte gar nichts gelernt hätten. In vergangenen Jahrzehnten war es bei manchen hohen Herren Sitte, daß sie zum Emireiben ge rave der härtesten und drückensten Steuern und Abgaben Juden verwendeten und diese in den Vordergrund schoben. Diese gesunde Taktik hatte zur Folge, daß sich der Haß der Bevölkerung gegen die Juden richtete, und diese auch den ersten Ansturm der entstandenen Judenk.awalle zu tragen hatten. Ebenso ziehen die Einpeitscher des Kartells den allgemeinen Unwillen nicht etwa auf ihre eigene Person, sonderen allen Juden zu. und deshalb..ist es die allgemeine-Pflicht der Juden, ihrer Presse und ihrer parlamentarischer Vertreter, sich gegen diese Elemente zu verwahren, i Wenn wir nicht wieder wegen ein - zelner Individuen generalisiert werden wollen, so müs- Wochenschrift. SJhr 6 sen wir sie selbst angreifen, zumal sich unter den iGeschch digten riesig viele jüdi'chr Gewerbsleute befinden, Oder wollen wir die Gewerberettung und einen rein antisemitischen Gewinn für die Propaganda den Antisemiten überlassen? Schon hört man, daß der Wiener Bürgermeister den Magistrat als Aufsichtsbehörde ve anlasien will, gegen das Kartell loszügehen, das eitle völlig ungesetzliche Organisation hat~ und "nur durch Lücken der Gwerbeordnung ermöglicht wurde. Dann wird man.natürlich wieder von einer jüdischen Ausbeutung reden, während ich . im Vorstehenden, bewiesen, habe, daß es sich trotz dem jüdischen Aushängeschild beim Lederkartell um eine innerlich und in der äußeren Wirkung antisemitische Institution handelt, deren Bekämpfung uns. Juden zur Pflicht erwächst. In der Hoffnung, daß dieser Kampf beginnst und mit Dank für die publizistische Gastfreundschaft Ihr ergebener ^Dr. F. P. (Der Name des geschätzten Einsenders ist der Redaktion bekannt.) Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Wiener israelitischen KultuSvorftandeS vom Dienstag den 6 Jänner 1914, v Uhr Vormittags, unter dem Borfitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Der Vorsitzende begrüßt die Versammlung,, konstatiert die Beschlußfähigkeit itui> ergreift zunächst Gelegenheit. den Vorftandskollegen den Dank für die ihm bewiesene außerordentliche Teilnahme anläßlich des Heimganges feiner verehrten SchwHtev-ÄbsvstäMi.- Erster Sekretär kaif. Rat Dr. Theodor Lieben verlieft den, Einlauf. ß Auf der Tagesordnung steht: KonstitmeruNig des Kultusvorstandes, refrellivr Wabl der VnevMidmtm. Mit allen gegen eine Stimme wird der k. k. Landesschillrat Dr. Gustav Kohn neuerdings zum ersten Vizepräsidenten wiedergewählt. ' ' ' Herr Dr. Gustav Kohn dankt für den erneuerten Beweis des Vertrauens und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß er mit Hinweis auf seine langjährige Wirksamkeit von der Entwicklung eines neuen Programmes absehen darf. (Lebhafter Beifall). Zum zweiten Vizepräsidenten wird Herr Hofrat Dr. B. Rappaport mit allen gegen eine Stimme wiedergewählt. Kultusvertreter Herr Salo Eohn nimmt Gelegenheit auf die vielfachen Verdienste des Herrn Vizepräsidenten H-f at D-. Ravravart um b;e Gernll 'd.'vs'wallung?u verweisen, auf die Fülle der Arbeiten und Ausgaben, die er im Dienste der Gemeinde auf sich genommen und vortrefflich versorgt. Die Institute, an Heren Spitze Herr Hofrat Dr- Rappaport ''-.stehst sind lebendige Zeugnisse seiner unermüdlichen Arbeit, seines Fleißes, seiner hohen Intelligenz. Möge es dem Herrn Hofrat vergönnt bleiben, noch viele viele Jahre seine Tatkraft den öfsentlicheil Angelegenheiten zu widmen ' zinn Segen der Gemeinde. (Lebhafter Beifall). ' ' . Vizepräsident Hofrat Dr. .Rappaport daM der Plenarversammlung fiir die Wähl und dem geehrten Herrn Vorredner für die an ihn gerichteten freundlichen Worte und Wünsche. '' \ ' : " ■ .■'•••• Bei der hierauf vorgenommenön,- Wahl-von. mcht Mitgliedern des' Vertreterkollegistms erscheinen i ßUs gewählt: ' ' ss-r.*:;*-

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