Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 3 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 37 rabbiner für die hellenischen Juden bestelle. In dem Artikel wird darauf Angewiesen, -daß die Regierung soeben beschlossen habe, den Mohammedanern des Landes eine monumentale Moschee zu errichten. Die Gerechtigkeit fordere es nun. daß die Juden nicht schlechter behandelt werden, als die Mohammedaner- .Wenig bekannt dürfte es jedoch sein, daß, wie man aus dem Artikel erfährt, Prinzessin Plaisance vor 60 Jahren in der Nähe des Zappion ein großes Grundstück dem Staate zu dem Zwecke überließ, um dortselbst „dem Gotte Israels einen Tempel zu errichten". Damals Mb es in Athen keine eigentliche Judengemeinde und so hat denn der Staat die ausdrücklich für eine Synagoge gestifteten Gründe der Prinzessin verbaut. Wenn nun die Regierung jetzt den Juden die Synagoge errichtet, so erfüllt sie damit einerseits eine Pflicht, gegenüber der Athener Judengemeinde und der Judenschaft des Landes, die durch die Siege der griechischen Waffen um 120.000 Seelen vermehrt wurden und macht andererseits ein Unrecht gut, indem sie den Juden die schon vor 50 Jahren von einer Prinzessin gestiftete Synagoge erbaut. Bekanntlich besitzt heute die Athener Judenschaff bloß ein kleines unansehnliches Vetlokal. welches schon lange nicht den heutigen Verhältnissen entspricht. Das altjüdische Parlament Am Ha-Aretz Bor einigen Jahren erschien eine Studie des amerikanischen Ober-Richters Mayer Sulzberger über die konstitutionelle Geschichte Israels „The Am Ha - Aretz. The Ancient Hebrew Parlament“ (Philadelphia 1909), die folgende Thesen aufstellte: Das hebräische Altertum kannte ein konstiutionell-repräsenatives Regiment. Eine solche Regierung, die bis in die Zeit der Richter zurückgeführt werden kann, erscheint definitiv in dom Zeitalter Samuels, in dem wir „Erwählte des Volkes" antreffen. Der hebräische Ausdruck dafür kommt in vielen biblischen Stellen vor, die von Historikern, welche mit der allgemeinen Geschichte der orientalischen Altertümer nicht bekannt waren, mißverstanden worden sind. Diese Stellen handeln von Versammlungen der Israeliten unter dem Namen „Am Ha-Aretz" oder „Häupter des Am Ha- Aretz". Sulzbergers Thesen haben größtes Interesse, aber auch, vielleicht gerade wegen ihrer Oiginälität, Widerspruch erregt, trotzdem der amerikanische Richter in seinem fast hundert Seiten starken Büchlein eine Menge von beweiskräftigen Bibelstellen beibrachte. Nun kommt ihm im neuesten Hefte von ..The Jewisli Qnarterly Rewie\v“ der jetzt in Paris lebende Forscher Dr. Nahum Slousch zu Hilfe, der .durch seine beiden Bücher „Les Hebveo- Pheniciens“ (Paris 1901) und „La Civilisation hebraipue et phdnicieime de Carthagre“ (Tunis 1912) sich als in die Geschichte der Phönizier und Karthager wohl eingeweihten Forscher bewährt hat. Von dem richtigen Standpunkt ansgehend. daß das vorexilische Israel nicht als ein isolierter Stamm betrachtet werden, von der Menge seiner hebräischen oder hebräisch-phömzischen Nachbarn nicht geschieden werdendarf, trägt er zur Unterstiitzung der Hypothese Sulzbergers, „daß Am Ha-Aretz eine repräsentative jüdische Versammlung mit beratender und beschließender Stimme und mit richterlicher Gewalt war," alles gleichartige Material, namentlich aus phönizischen und punischen Inschriften zusammen. Auf die Vertretung der Hettiter bei dem Geschäft mit Abraham, die durch Ephron, den Sohn des Zohar „denjenigen, der in der Mitte sitzt", geleitet wird, hatte Siulzberger schon hingewiesen. Gerade wie Israel eine prähistorische Periode unter der Herrschaff von Suffeten (Schophtrm) und von Volksrepräsentanten gehabt hat, gelangten auch die Phönizier von Tyrus und Sidon zu gleicher Zeit wie die Israeliten zu unabhängigen Königen. Abi'baal. der erste unabhängige König von Tyrus, und Hyram sind Zeitgenossen von David und Salomon. Alles, was wir aus der Geschichte von Tyrus wissen, läßt einen chronischen Konflikt zwischen der Volkspartei, den Plebejern, und der königlichen Partei, der Aristokratie, erkennen. Als Reaktion gegen die Tyrannei des königlichen Regimes von Tyrus haben die Gründer von Karthago, als sie sich selbst expatriiert hatten, eine republikanische Regierung mit zwei Snfetten oder Richtern an der Spitze angenonimm Tie phönizischen Inschriften lassen gut die zwei politischen Strömungen in den Datierungen nach Jahren der Könige oder Jahren des Volkes erkennen. Namentlich sind aus der seleucidifchen Aera derartige klar sprechende Inschriften rorhanden, z. B. „Corpus mscriptiomim semiticarnm“ Nr. 7, wo es heißt: „Im 143. Jahre des Volkes von Tyrus". oder die im Piräus gefundene Inschrift mit der Angabe: „Im 15. Jahre des Volkes von Sidon", in denen der Ausdruck „Am" soviel wie Dolksherrschaff bedeutet. Das ganze konstitutionelle Regime des alten Judäa ist durch die Inschriften von Karthago oder von karthagischen Kolonien int westlichen Mittelmeer geradezu kopiert oder bat darin Analogien: ja, es finden sich in diesen Jnschrifen die gleichen Ausdrücke dafiir wie m der Bibel. Unter der Form einer Familienrepräsentation lenkten das Volk von Tyrus und das von Karthago (Demos oder Am) die Geschicke ihrer Republiken. Wieso der biblische Ausdruck für ein Parlament „Am Ha-Aretz" zu der im spätesten Judentum gebräuchlichen Bedeutung von „ungebildetes, ungelehrtes Volk" gekommen ist, das bleibt allerdings noch zu erklären. Nissim Behar in Audienz beim Papst. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten, welche auf dem Gebiete der Einwandererhilfe in Newyork seit vielen Jahren Hervorragendes leistet, ist der Direktor der National Immigrant Aid Association in Newyork Nissim Behar. Auf einer europäischen Studienreise begriffen, hielt er sich längere Zeit in Rom auf, um daselbst die Frage der italienischen Austvanderung an Ort und Stelle zu studieren, da die erwähnte amerikanische Gesellschaft in sehr großem Maße auch italienischen Einwanderern Hilfe leistet. Während seines Aufenthaltes in Rom wurde Beharr zweimal vom Papst in Audienz empfangen, der ihm für seine menschenfreundliche Behandlung der Emtt grantenfürsorge in Newyork dankte, und dafür, daß er in Behandlung der Einwanderer keinen Unterschied der Konfession mache den Segen erteilte. Er übersandte auch allen jenen, die dem Vereine an dessen Spitze Nissim Behar steht, den päpstlichen Segen. Be har wurde auch vom König von Italien in längerer Audienz empfangen. Der König erkundigte sich mit lebhaftem Interesse über das Schicksal der italienichsen Einwanderer in Newyork, und über die Art und Weise, in welcher die Hilfsgesellschast den Einwanderern zu Hilfe kommt. Der König dankte Nissim Behar und dem unter seiner Leitung stehenden Verein, für seine menschenfreundliche Tätigkeit- Da« volksschiidliche Kederkartelt Wir erhalten die folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Doktor! Die Bereitwilligkeit und Energie, mit welcher sich Ihr geschätztes Organ stets in den Dienst des Judentums stellt, ermutigen mich zu der Bitte, Sie um Beistand^einer mchtpolttischen. aber wirtschaftlich sehr wichtigen Sache