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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 36 Dr. Blochs Wochenschrift. N. 3 Nachder Eidesleistung hielt der Bürgermeister Dr. Weisselberger seine Programmrede. Gr besprach die Errichtung eines Gaswerkes und Transaktionen für Militärzwecke, so der Neubau der Militärbaracken, eines Landwehrspitales und eines Offizierskasinogebäudes. Dabei betonte Redner das ausgezeichnete Einvernehmen zwischen Militär und Zivilbevölkerung. Der Errichtung eines gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft, dem Bau von Beamtenwohnungen, der Preisregulierung für Lebensmittel werde besondere Beachtung geschenkt werden. Bürgermeister Dr. Weisselberger besprach sodann den Stand der Gemeindewahlordnungsfrage, die im Landtage mit der Reform jdes Gemeindestatuts fungiert worden war, weshalb die eingebrachte Vorlage nicht Gesetz werden konnte. Seine Tendenz werde auf Erweiterung des Wahlrechtes abzielen. Der Bürgermeister schloß seine Rede mit einem' Rückblick auf das -Jahr 1913 ab. in chem der Krieg vor der Tür stand, den die Friedensliebe des Kaisers in letzter Stunde hintanhrelt, und brachte ein Hoch auf den Monarchen aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Mit einer Gratulationscour schloß die Feier. Ehrung eines russisch-jüdischen Künstlers im Auslände. Vor einiger Zeit starb in Petersburg ein als Medailleur hervorragender Künstler, namens Grilliches, der weil er Jude war in dem kaiserlichen Münzamte von Petersburg, wo er Jahre hindurch beschäftigt war, zu nichts Rechtem kommen konnte. Griliches hat jedoch verschiedene Kunstwerke geschaffen, die von verschiedenen ausländischen Sammlungen angekauft wurden. So wurde eine seiner Arbeiten jetzt nach seinem Tode in der Weltausstellung in Gent ausgezeichnet und von der Gesellschaft der Medailleure in Gent zu einem hohen Preise angekauft. So lange der Künstler lebte, wurde seine Kunst von der kaiserlich-russischen Regierung ordentlich ausgenützt, aber das hindert nicht, daß seine Familie jetzt nach seinem Tode rechtlos geworden ist. Die ruffischen Progressiven danken dem Kiewljanin. Die Petersburger liberalen Blätter veröffentlichen einen Dank, der liberalen russischen Gesellschaft an dorr „Kiewsianin" sowie an die progressiven Blatter, für ihr mannhaftes Eintrete im Interesse der Gerechtigkeit, der bürgerlichen Rechte und der Kultur, anläßlich des Beilis- Prozesses. Dieses offene Dankschreiben trägt mehrere hundert Unterschriften, zum großen Teile angesehener russischer Persönlichkeiten. Die Verteidiger des Berlitz lehnen das Honorar ab. Wie uns berichtet wird, haben sämtliche Verteidiger des Beiliß endgilitg erklärt, ein Honorar für die Verteidigung des Beiliß abzulehnen- Es wurde daher beschlossen, das in Aussicht genommene Honorar zur Errichtung von Stiftungen urü> Stipendien auf dem Namen der Verteidiger zu verwenden. Ueberdies erhält der jüdische Verteidiger Grusenberg namens der Kiewer Juden eine kunstvoll ausgestattete Thorarolle zum Geschenke. Die russischen Geistlichen werden hebräisch lernen müssen. Wie die „Nowoje Wremja" berichtet, hat der Beiliß°Prozeß die Aufmerksamkeit des russischen Heiligen Synods nach einer ganz bestimmten Richtung auf sich geunkt. Es. besteht nämlich die Absicht, die hebräische Sprache in den Geistlichen-Akademien zum obligatorischen Lehrfach zu machen, wie des bereis nach dem alten Statut der Akademien der Fall gewesen ist. Allerdings scheint demnach, daß die Seminarien an denen -die russischen Geistlichen der überwiegenden Mehrzahl nach herangebildet werden — nur die Elite kommt an die Geistlichen Akademien — nach wie vor vom Studium des hebräischen befteit bleiben. Der Heilige Synod gegen einen allgemeinen Judenboykott in Rußland. Eine Delegiertenversammlung der echten Russen, welche vorige Woche in Petersburg stattfand, hat den Beschlich gefaßt, den Juden ganz Rußlands den Boykott zu erklären. Es wurde auch schon der Boykottauftuf verfaßt, und zur Sammlung von Unterschriften geschritten- Der Oberprocuror des Heiligen Synod s sowie die hervorragendsten Mitglieder dieser Körperschaft die gleichfalls eingeladen wurden, den Aufruf zu unterschreiben!, lehnten dies jedoch wie aus Petersburg berichtet wird, ab- Ein Bischof der gleichfalls abgelehnt hat, motivierte dies damit daß die Aufgabe der Geistlichen sei, die Bevölkerung zum Frieden und nicht zum Kampfe gegen einander anzurufen. Leder sind solche FriedensstiMMen von Seite des kompetenten Klerus in Rußland nur sehr vereinzelt. - Eine bedeutsame Auszeichnung. Wie aus Petersburg berichtet wird hat der Senat der geistsichen Akademie einhellig beschlossen, dem gelehrten russischen Orientalisten Professor Troitzki, der. durch seine Expertise im Beilis-Prozeß sich einen europäischen Namen erwarb, für sein großes Werk die „Biblischen Altertümlichkeiten" den großen Akademiepreis zuzuerkennnen. Ein Konflikt zwischen dem Großrabbinat und dem ökumenischen Patriarchat. , Zwischen dem Großrabbinat der Türkei und dem ökumenischen Patriarchat ist ein -merkwürdiger Konflikt aus-gebrochen. Noch zur Zeit als die Wogen des Beilis- Prozeßes hoch gingen, und die Befürchtung begründet war, daß verschiedene Agitatoren der einzelnen christlichen Kirchen die damals bestandene Erregung auch in Konstantinopel und in der Türkei zu einer Judenhetze ausnützen könnten, hat der Großrabbine der Türkei sich unter Anderem auch an den ökumenischen Patriarchen mit dem 'Ersuchen gewendet, durch eine offene Stellungnahme zum Ritualmordl!egende beruhigend auf die Mitglieder seiner Kirche mitzuwirken. Auch an andere Kirchenfürsten hat der Großrabbiner das gleiche Ansuchen gestellt. Während nun die Vertreter der anderen Kirchen der Einladung des Großrabbiners Folge leisteten, hat der ökumenische Patriarch nicht einmal die Höflichkeit -aufgebracht, das Schreiben des Grvßrabbiners zu beantworten. Der Großrabbiner ist bis heute ohne jede Antwort des Patriarchen geblieben. Bei den im Orient .-herrschenden Sitten bedeutet das einen Konflikt, der sich zunächst darin äußern wird, daß der Großrabbiner die üblichen Besuche an bestimmten Fest- und Feiertagen beim ökumenischen Patriarchen wird unterlassen müssen-, wenn er nicht die Unhöflichkeit einstecken und überdies noch aufdringlich wird erscheinen wollen. Eine Forderung der Juden Griechenlands. i Das Organ der griechischen Juden „L„Jsrailitiki Epitheorissis" in Athen stellt in einem beachtenswerten Artikel an die griechische Regierung die Forderung, daß sie jetzt mit Rücksicht auf den enormen Zuwachs der jüdschen Bevölkerung infolge der Eroberung türkischer Gebiete, auf Staatskosten eine der Würde des Landes und entsprechend dem Prinzipe der Gleichberechtigung entsprechende Synagoge in Athen erbaue, und einen Groß--

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