Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 3 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Dr. Btvchs ÄZochMschrni. Seit- 3ä Nr. ß Dom gabrmarfct des Lebens. Die Gke'Merechtigung der Juden m Kroatien. ' - Aus Agram wird uns geschrieben: Jetzt da die ungarische Regw.ung, b^.ehungswe.,e Mi.nsterprä.ioent Graf Srefan Ti,za den für d.e österrelH-ungarijche Politik bedeütiamen Ausgleich mit Kroatien durchgesührt hat. glauben auch die Juden Kroatiens, daß die Zeit gecommen sei, da auch ihre GleichbereHtlgung mit den üvrigen Konfe, fronen des Landes enottch zur Durch,uhrung gelange. Behufs Beratung dieser Angelegenheit fand dre.er Tage in der kroatischen Stadt Körös tKrufeoaz) eine De.egiertenversammiung -der Juden von Kroatien und Slovonien start. Nach einem eingehenden Referate des Rabbiners Engel und nach e.ngehender Tebat.c. an wsl cher nahe sämtliche Mitglieder terlnahmen. wurde ein die vollkommene Gleichberechtigung der Juden in Kroatien und Slavonien forde.noer Reiolutionsantcag angenommen. In dieser Resolution wird ganz besonders die Abänderung des iinerkonfe.sionellen Landesgrsetzes com Jahre 1907 in der R.chtung verlangt, dag in Zukunft in Kroatien und Slavonien auch der Uebertritt von ande.en Konfeftonen zur iüd.fchen gesetzlich gestattet sei. Der ursprüngliche Wortlaut des obenerwähnten Gesetzes vom Jahre 190/, so wie ihn die damalige R.c gierung - formuliert hatte, enthielt schon die von den Juden jetzt geforderte Bestimmung. Es hieß damals, daß die Regierung den Gesetzentwurf auf Grund eines Kompromisses mit allen Parteien eingebracht habe. Seltsamerweise hat aber wie es scheint, entgegen dem Kompromisse seinerzeit bei Verhandlung der Vorlage im kroatischen Landtag der Agramer Erzbischof Dr. Posilowicz im Namen der gesamten kroatischen Geistlichkeit dagegen Protest erhoben, daß die Juden in diesem Gesetze mit den christlichen Konfessionen vollständig auf einr^Stufe gestellt werden. Damals schon war Kroaten ein Echme.zenskind der Monarchie und so kam es. daß die Regierung dem Drängen der Geistlichkeit schließlich nachgeben muhte, wollte sie nicht das ganze Gesetz gefährden. In der Tat wurde das interkonfessionelle Gesetz in Kroatien mit der ausdrücklichen Bestimmung angenommen, daß mit Ausnahme des Uebertrittes zum Judentums der Uebertritt von einer Konfession zu jeder anderen beliebigen Konfession gestaltet .ist. Diese Ausnahmsbestimmung. welche noch immer in Kraft ist, hat die Juden in Kroatien und Slavonien sozial minderwertig erscheinen lassen, und aus diesem Grunde sowohl, wie zur Wahrung des Prinzipes, der vollen Gleichstellung der jüoi.chen Konfession mit den übrigen Konfessionen haben die Juden von Kroatien und Slavonien die obenerwähnte Aktion unternommen. Botschafter Morgenihau beim Sullas. .Mr. Henry Morgenthau, der neue türkische Botschafter der Vereinigten Staaten, ist kurz nach seiner Ankunft in Konstanti'nvpel vom Sultan empfangen worden. Dem „Jewish Chronicle" zufolge verlautet in politischen Kreisen, daß der Empfehlungsbrief, den Mr. Morgenthau von Präsident Wilson mitbekommen hat, nicht nur die üblichen Formeln enthält, sondern daß der neue Botschafter darin als „ein hervorragender Bürger der Vereinigten Staaten von vornehmem Charakter, großem Wissen und hoher Befähigung" geschildert wird und dem Sultan als ein Mann, der des Präsidenten volles Vertrauen genießt, empfohlen wird. Der Sultan ist Mr. .Morgenthau mit größter Liebenswürdigkeit entgegengekommen. Am Sonnabend,, hem 27. Dezemberveranstaltete der jüdi'cb-nvtionale Turnverein Makkabi in Konstantinopel fein Jahresfest, das diesmal besonders stark besucht und in jeder Hinsicht gelungen war. Das Fest fand in den Raumen der „Teutonia", des deutschen Klubhauses, statt. Viele Hunderte waren zugegen und folgten mit größtem Interesse den turnerischen Darbietungen, die mit Gruppen^ bilDcrn, Chorgesängen und einem hebräischen Dialog abwechselten. Die Einleitung bildete eine hebräische Ansprache des Herrn Tr. Reufach. Tie Festrede hielt Herr L. Sciuto, der bekannte Redakteur der Aurore, in französischer Sprache. Unter den Gästen befanden sich eine Anzahl türkischer Offiziere Lehrer der Militärturnanstalren, der Präsident des ottomanifchen Roten Halbmonds und andere bekannte Persönlichkeiten. Besonderes Interesse aber erweckte die Anwesenheit des neuen amerikanischen Boschasters, Mr. Henry Morgenthau, der sein lebhaftestes und wohllvollendstes Interesse bekundete und beim Abschied deir Turnern für ihre vorzüglichen Leistungen danken ließ. Herr Morgenthau ist ein guter Amerikaner und ein guter Jude; er hat die erfrischende Einfachheit des hochgestellten Amerikaners, der stets ein M»ann des Volkes bleibt, und er hat sich vom ersten Tage an als bewußter Jude gezeigt. So hat er den Vorsitzenden des Makkabi, Herrn Abramowitsch, der ihn zu dem Fest einlud. und ebenso vielen anderen jüdischen Persönlichkeiten, die er empfing, seine Absicht ausgesprochen, allen jüdischen Interessen im Orient seine Aufmerksamkeit zuzuwenden, und er hat tatsächlich schon in der kurzen Zeit, seit er hier eingetroffen ist, durch zahlreiche Gespräche mit den Repräsentanten des hiesigen Judentums und den Vertretern auswärtiger jüdischer Organisationen Informationen zu sammeln ersucht. Sir Rufus Jsaacs zum Lord ernannt. Wie allgeniein erwartet worden ist. ist Lord Oberrichter Sir Rufus Jsaacs zum Lord ernannt worden. feinem Einzug ins Oberhaus wird es nun vier jüdische Ptirs geben — Lord Rothschild, Lord Swaythliiig, Lord Michelham und Sir Rufus Jsaacs, der noch seinen Titelnamen zu wählen hat. Wie die Lage nun einmal ist, können die Juden irr England mit Befriedig ung aus die hohe Begabung eines der Ihrigender sich zu einer der höchsten Würden des Landes emporgernngen hat, Hinweisen. Seinem Volke hat Sir Ruins bei weitem nicht die Dienste geleistet, die wir von ihm unter normalen Zuständen hätten erwarten können, aber er hat kein Hehl ans seiner jüdischen Gesinnung gemacht- Als er letztens beim Lord Mayors-Bankett eine Rede hielt, wies er mit Genugtuung daraus hin, daß er als Jude das Amt des Lord Oberrichters bekleidet. Am 21. d. M. werden die Maccabeans ihm zu Ehren ein Festessen geben; im nächsten Monat wird er den Vorsitz bei der vierjährigen Versammlung der Jewish Hiftorical Society führen. Die Beerdigung des Bürgermeisters Dr. Wsi.fetderger von Crernowitz. .Am 11. d. Mnahm Landespräsident Dr. Gras von Meran im festlich geschmückten Rathaussaale die eidesstättige Angelobung des neugewählten Bürgermeisters von Czernowitz, Dr. W eisselberg er, vor dem versammelten Gemeinderate vor. In seiner Ansprache an den neuen Bürgermeister hob der Landespräsident hervor, daß Dr. Weisselberger in jungen Jahren und schon nach kurzer Wirksamkeit im Gmeinde.ate arf diesen Po sten durch das einhellige Votum der Gemeinderäte ce rufen wurde, und sich in seiner bisherigen Tätigkeit durch offenen Blick. Energie und hohes Verständnis für alle wichtigen städtischen Fragen maßgebende Geltung verschafft habe. Hierin erblicke die Regierung die Gewähr dafür, daß Dr. Weisselberger als Bürgermeister die Agenden des selbständigen und übertragenen Wirkungskreises gewissenhaft, selbstlos und kraftvoll leiten werde.