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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 22 Dr. Bkochs Wochenschrift- Nr. 2 Jahre 1913 und Mar aus dem Grunde, weil Deckung für die Gehallsregulierung in dem Betrage von mindestens 100.006.— Kronen Fürsorge zu treffen ist. Allein es kann nicht übersehen werden, datz diese Posten der Gehallsregulierung, welche im Vertreterkollegium bis auf geringfügige Partien bereits beraten und beschlossen wurden und die in der nächsten Plenarsitzung zur Behandlung vorgelegt werden wird, schon im ersten Jahre, datz ist im Jahre 1914 den Betrag von 100.000.— Kronen weit übersteigen werden. Der Referent verweist auf die Tatsache, datz diese Erhöhungen in - der Zukunft eine weitere Steigerung zur Folge haben wird, weil bei erhöhten Gehalten auch die Pensionsbezüge sich erhöhen. Das ist eine Frage, welche Sie bei Beratung der neuen Regelung der Gehalte und Bezüge nicht aus dem Auge lassen werden. Gestatten Sie, datz ich einen Rückblick auf diejenigen Angelegenheiten, die uns im Jahre 1913 in hohem Maste beschäftigt haben und die uns auch in vieler Beziehung intensiv im kommenden Jahre beschäftigen werden, werfe. In der Kinderspitalsfrage sind wir, wie Ihnen bekannt, bereits so weit, datz wir nach Abschluß des mit schwierigen Verhandlungen verbunden gewesenen Kaufvertrages mit dem Hofärar nunmehr die Pläne für das 'Kinderspital, soweit sie von der Jury als preis- und ankaufswürdig erachtet wurden, auch mit dem betreffenden Preise prämiert und bezw. erworben worden sind. Da nun für diese Stiftung die Fonde vorhanden sind, so wird der Bau auch ohne weiteres nach den sonst nötigen Vorbereitungen in Angriff genommen werden können und auch vovzunehmen sein. Nur mutz nochmals auf bas Nachrücklichste betont werden, datz bei der * weiteren Behandlung dieser Angelegenheit darauf mit aller Sorgfalt Bedacht zu nehmen sein wird, dast unsere ' Gemeindemittel für das Kinderspital gar nicht oder in nur sehr geringem Matze in Anspruch genommen werden, damit nicht, wie dies schon des Oefteren geschehen ist, die Wohltat für unsere Gemeinde zur Plage werde. Dringlich, ja fast dringlicher als die soeben berührte Frage, ist die Angelegenheit des neuen Friedhofes. Infolge schwieriger und langwieriger Verhandlungen mit der Gemeinde wegen Bewilligung der Baulinien, Strahenabtretungen und Grundverhandlungen sind wir zwar so weit, datz uns die Baulinie bewilligt wurde, und werden wir in den nächsten Tagen, sobald wir die genehmigten Abtrennungspläne vom Mag st ate erhalten werden, mit Dreher den Vertrag wegen des zur Stratzenabtretung erworbenen Grundteiles abschlietzen können. Mit der Gemeinde werden wir jedoch, trotzdem der diesbezügliche Gemeinderatsbeschlutz bereits im Juli 1912 gefaßt wurde, nicht so bald den Vertrag, mittels welchem gewisse Grundiransattionen statffinden sollen, absch ließen können, und zwar nicht aus unserer Schuld, sondern aus dem Grunde, weil die Gemeinde noch nicht im Besitze dnjemgen Grundteile ist, welche sie an uns vertragsgemäß gegen Ueberlassung von Grundflächen an sie ab- ' zutreten haben wird. ■ Jedoch harf und wird die Inangriffnahme aller zur Herstellung des neuen Friedhofes notwendigen Arbeiten nicht die geringste Verzögerung erfahren und Zwar "aus dem Grunde, weil wir für Eratisleichen nicht länger als für zwei Jahre Velegraum in dem gegenwärtigen Teile des Zentralfriedhofes haben. . Ich möchte zur Behandlung dieser Frage noch Folgendes .wiederholt bemerken: Die gesamten Auslagen jeder Art für den neuen Friehof. daher auch die bisher für die zum Zwecke der Grunderwerbung aufgenömMenen und für die Herstellung noch aufzunehmenden Darlehen, auslaufenden Zinsen, müssen als Investition behandelt werden und es wird, sobald der neue Friedhof zu Belegzwecken wird herangezogen werden können, Aufgabe unserer Kultusgemeinde sein die Amortisation der ausgelegten und auszulegenden Beträge in richtiger Weise zu behandeln. Hiemit allein wird diese Frage nicht erledigt sein. Wenn Sie, sehr geehrte Herren, eine Berechnung aufstellen, welch hohen Betrag uns Gratisleichen kosten, so werden Sie zu einer Ziffer kommen, an die Sie gewiß, nicht gedacht haben, datz nämlich im Jahre 1910 1306 und im Jahre 1911 1349 unentgeltgeltliche Beerdigungen vorgenommen worden sind. Ich will dieses Thema nicht näher ausführen. Gegenstand der Erwägungen wird es jedoch sein, ob nicht eine Aenderung der Tare notwendig ist, damit man zu einer entsprechenden Amortisation gelangt und damit auch Fürsorge für einen Friedhofsfond trifft. Und nun komme ich zü unserem Schmerzenskinde, zu dem Gegenstände, welcher bereits seit Jahren anläßlich der Vudgetreferate und chich bei anderen Angelegenheiten als äutzerst dringend bezeichnet würde. Es ist die Dringlichkeit der baldigen Aufführung eines der Gemeinde Wien würdigen und den hygienischen Anforderungen entsprechenden Amtsgebäudes. Ich Lebe.sehe durchaus nicht die berechtigte-Frage, woher das Geld nehmen, welches der Bau kostet. Der Bau, wenn er allen administrativen Bedürfnissen unserer Gemeinde entsprechen soll, wird einen Betrag von mindestens 2,000.000 Kronen in Anspruch nehmen und die Beschaffung eines solchen Betrages, welcher unser Budget mit einer so hohen Zinssumme belasten würde, ist gewiß eine außerordentliche Schwierigkeit, besonders unter den gegenwärtigen Verhältnissen. . .Wir sollten uns aber in diesem Falle ein wenig von dem Optimismus, der uns Juden eigen ist, beeinflußen-lasten und uns dieselben als Vorbild vor Augen halten. Ich erinnere an Folgendes: . Am 13. Oktober 1911 waren es 100 Jahre, daß von der Firma Biedermann & Trebitsch im Vollmachtsimmen der tolerierten Juden in Wien, dazumal eine ganz geringe Anzahl, das Haus in dem wir heute tagen, der Dämpfinger Hof, nach jahrelangen Bemühungen und nach lleberwindung vieler Schwierigkeiten um den Betrag von 90.000 Fl. W. W. gekauft und in demselben eine Betstube errichtet wurde. Bis zum April 1812, also nach Ablauf von kaum sechs Monaten waren teils durch Geschenke, teils durch verzinsliche und unverzinsliche Darlehen 91.394 Fl., also mehr als der Kaufschilling betragen hat, aufgebracht und die „Wiener Zeitung" vom 16. September 1813 berichtet bereits, datz in dem Bethause von den Juden am 5. September 1813 Gebete um Verleihung des Sieges für österreichische Waffen verrichtet wurden und datz bei dieser Gelegenheit 1.352 Fl. 8kr. W. W. für verwundete Soldaten gesammelt worden sind. An das Haus erfolgte die Anschreibung im Jahre 1814. Das geschah vor hundert Jahren. Wenn nun damals die die Ziffer von 300 kaum übersteigende Anzahl von Juden unter den drückendsten und durch die Kriege äutzerst erschwerten Umständen einen derartigen, für die damaligen Verhältnisse. sehr namhaften Betrag aufgebracht haben, sollte es heute, wo wir eine Gemeinde mit einer Seelenzahl von nahezu 180.000 Seelen bilden und wo doch ein ganz anderer Wohlstand herrscht, als es damals der Fall war, wo die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen sich in so hohem Matze bewährt hatte, da sollte es nicht möglich sein, eine Frage, wie die vorliegende zur gedeihlichen Lösung zu bringen! Ich glaube, daß. wir die Schwierigkeiten, die wirklich bestehen, durch Zögern und Zagen nur vergrößern

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