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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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•'“'SO Sr. 8M> Verlangte, daß der Name des Herrn Sturm in das Urteil ausgenommen werde. Doch die Klage wurde cvbgewiesen; das Gericht erklärte, es genüge, daß der Name in den Schriftsätzen enthalten sei; für die Feststellung im Urteil sei es ausreichend, daß der Ehebruch „mit einem Manne" begangen wurde, also die Tatsache festgestellt sei, daß jedoch der Name der Person für das Urteil .gleichgiltig erscheine. Damit ist aber nicht aufgeklärt, warum das Gericht in anderen Fällen den Namen nennt, dort' wo ein christlichsozialer Macher zu nennen gewesen wäre, aber etwas Ungewöhnliches tat. Die alten rückständigen Juden hatten da eine Auffassung, die von der der arisch-christlichen Richter ganz verschieden ist. In der Iudenbibel V- B. M. 25, 14 heißt es: „Du sollst nicht haben zweierlei Maß, -ein großes und ein kleines" Der Kiewer Prozeß und die Ochraua. Aus Paris wird uns berichtet: Die am 1. Januar erscheinende Nummer von Burtzews Revue „Buduschtscheje („Die Zukunft") erzählt nach sehr glaubwürdigen Informationen, daß eine Anzahl Mitglieder der russischen geheimen Staatspolizei (Ochrana) in Kiew eingetroffen lind mit dein Auftrag, die Untersuchungsangelegonheit der Ermordung des Knaben Juschtschinsky wieder aufzunehmen, und zwar auf Grundlage der rituellen Mordbeschuldigung- Man will nach der Freisprechung von Beilis durchaus fortfahren, die Angelegenheit mit derselben Voreingenommenheit zu behandeln und in Juschtschinskys Tötung nicht ein nach den Grundsätzen des gemeinen Rechtes zu untersuchendes Verbrechen, sondern einen von Juden zu „Ritualzwecken" verübten Mord erblicken. Die Ochrana hat in der Affäre von Kiew schon seit Jahren eine unheimliche Tätigkeit entwickelt. Weder die Gerichtspolizei, noch die Polizei von Kiew wollten Beilis verhaften. Die Verhaftung wurde von der Ochrana vorgenommen: Die Ochrana ist es auch gewesen, welche in dieser AngelegeNheit neulich bei dem Korrespondenten des amerikanischen Blattes „The American" in Kiew eine freilich erfolglose Hausdurchsuchung vorgenommen hat. Nach Burtzews Deinung steckt der fanatische Mönch Rasputin, Lessen großer Einfluß am Zarenhof bekannt ist, hinter Len KiÄver „Ritualmord"-Treibereisn der Ochrana. Die polnische« Sozialdemokraten Preußens gegen de« Judeuboykott. Wie bekannt, führen die Nationalpolen und deren Presse den Boykott unter der Devise: „Swuy do Swego" (Jeder zum Seinen) nicht nur gegen die Deutschen sondern auch gegen die jüdischen Gewerbetreibenden. In Gegensatz zu Len Nationalpolen haben die Polnischen Sozialdemokraten Preußens auf ihren Parteitag am 25. u. 26. Dezember 1913 in Oswieczin (Galizien) folgende Protestresolution angenommen: „Der außerordentliche Parteitag der P- P. S. (Polnische sozialistische Partei) protestiert gegen den Boykott und alle Schikane, die durch die Allpolen gegen die Juden unternommen werden. Der Parteitag steht auf den unverrückbaren Standpunkte, daß jeder der ein menschliches Antlitz trägt, gleiche Bürgerrechte besitzen soll. Unser Kampf würde um die Befreiung der ganzen Menschheit aus den Fesseln der heutigen Politik und des Kapitalismus geführt." Ein Aufruf -es Bertei-igers Zarudui. Einer der Verteidiger des Beilis Advokat Zarudni veröffentlicht in den russischen Blättern eine Aufruf, zur Sammlung eines Fonds, der als Preis für die Entdeckung der wahren Mörder des Just- Wochenschrift. Är.a schinski gelten soll. Zaruüni weist in seinem Aufrufe darauf hin, daß für Jedermann das eine festliche, daß der wirkliche Mörder Justschinkis bisher nicht entdeckt wurde. Ebenso glaube er es als feststehend anzunehmen, daß jeder Russe ohne Rücksicht auf die Partei, sofern er nur nicht zu dem Morde in irgend welcher Beziehung steht, ein Interesse daran Hat, die Schande von Rußland abzuwälzen, daß der Mörder seiner verdienten Strafe nicht zugeführt wurde. Deshalb wendet sich fein Appell an jeden Russen, ohne Rücksicht auf Konfession, Nationalität und Parteistellung. Es ist bezeichnend, daß dieser Aufruf auch von der „Nowoje Wremja" abgeöruckt wurde. Eine künstlerische Erinnerung an den Beilis-Prozeß. Der Bildhauer Kischinevski aus Odessa arbeitetwie von dort berichtet wird, an einer Erinnerungsmedaille in welcher die wichtigsten Persönlichkeiten des Beilis-Prozesses für alle Zeiten verewigt werden sollen. Auf der Medaille werden Beilis nnd seine Familie sowie seine Verteidiger und die Experten dargestellt werden. Der Künstler beabsichtigt, seine interessante Arbeit der Stadt Newyork zum Geschenke zu machen. Paul Deschanel bei der Bienfaisante-Jsraelite. Aus Paris wird berichtet: Vorige Woche fand in Paris wie von dort gemeldet wird, das 70jährige Jubiläum der jüdischen Kreditgenossenschaft „Vienfaisante-Jsraelite" statt. An dem Jubiläums-Bankette haben hohe politische Persönlichkeiten unter Anderem auch der Präsident der französischen Kammer Paul Deschanel teilgenommen, welch Letzterer bei der Tafel auch zu einem mit großem Veifalle aufgenommenen Toaste das Wort nahm. Er gab seiner Freude Ausdruck, an seiner Seite seinen Kollegen im Institute Bgron^Edmonü de Rotschilö zu sehen den man sicher sein kann, überall öorf zu"' finden wo es' gilt, Gutes zu tun. Er freue sich auch, hier mit jüdischen Kollegen aus der Kammer und mit hervorragenden jüdischen Mitgliedern des Senats an einer Tafel, zu Ehren jüdischer Wohltätigkeit sitzen zu können. Der französische Kammerpräsident weist dann auf die großen Verdienste hin, welche die Juden in Frankreich auf dem Gebiete sozialer Arbeit und insbesondere des billigen Kredits für die kleinen Leute erworben haben' Das größte Lob in dieser Richtung gebühre wohl der „Bienfaisante Jsraelite" welche jetzt auf eine 70jährige segensreiche Tätigkeit zurückblicken kann. Er dankte dieser jüdischen Hilfskasse dafür, daß sie ihrer neuen Schöpfung, einer sogenannten Kasse für Ehrenöarlehen den Namen Paul Deschanel gegeben haben. Er sei von dieser Ehrung außerordentlich gerührt, und wünsche blos, daß der Erfolg dieses neuen Werkes jüdischer sozialer Fürsorge ein so großer werde, wie es seine Freude ist; daß dasselbe mit seinem Namen verbunden wurde. >. .! M Ei» jüdischer Richter in Britisch-Kolumbien. Wie wir in der „Times" lesen wurde der junge jüdische Advokat in Vancouver (Britisch-Kolumbien) Samuel D- Schultz von der Regierung in Ottawa zum Richter des Bezirkes Vancouver ernannt. Schultz genießt als Jurist hohes Ansehen. Er nimmt an allen religiösen und gesellschaftlichen Angelegenheiten der Judenschaft in Britisch-Kolumbien regey Anteil und ist auch jetzt Präsident der V'nai Brrth-Loge in Vancouver. Seine Eltern waren aus Deutschland eingewandert, er selbst aber bereits in Viktoria, Britisch-Kolumbien geboren.

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