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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-02 · 1 (2.1.1914) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite Nr. 1 bildung des ihm dnoertrauten Talents anfommt, unb der darum aus alle Virtuosenesfekte, mit denen er blenden könnte, von vornherein Verzicht leistet. Deshalb entschied er sich auch dafür, aus die Notenvorlagen nicht zu verzichten. Der kleine Pianist, der alle Kompositionen, die er spielte, im Gedächtnis, im Ohr und in den Fingern zu haben schien, machte von dieser Begünstigung nur selten Gebrauch. Er ist zweifellos ein Phänomen, und wurde auch der Musiker beim Anhören dieser überreifen Darbietungen bisweilen von gemischten Gefühlen beschlichen, so gewann er doch im Lause des Abends die feste Ueberzeugung, daß hier eine ganz ungewöhnliche Begabung aus dem rechten Wege der Entwicklung ist. Hoffentlich erfüll die Zukunft, was die Gegenwart verspricht. Der Saal war sehr gut besucht und der kleine Konzerlgeber wurde mit lebhaftem Beifall, Blumenspenden und Geschenken überschüttet. Mtskoleza. Die am 21. d. M. stattgefundene Geueralversamm lung der Miskolczer israelitischen Kultusgemeinde wählte einstimmig Ehrwllrden Rabbiner Samuel A u st e r l i tz, derzeit Rabbiner in Somorja, zu ihrem Oberrabbiner. Genannter, ein gebürtiger Wiener, ist ein Schwiegersohn des Päpaer Oberrabbiners M. A. Roth. Jüdisches Gebet für einen reformierten Bischof in Budapest. Im jüdischen Tempel in der Rombachgasse spielte sich ani Samstag eine ergreifende Szene ab. Nachdem der Rabbiner Tr. Jlles Adler das Gebet für das Leben des Monarchen gesprochen hatte, betete er vor der geöffneten Bnndeslade für die Wiederherstellung der Gesundheit des schwerkranken reformierten Bischofs von Debreczin Tr. Tefidet Balthazar- Bischof Balthazar erfreut sich großer Popularität in den Kreisen des ungarischen Judentums, die er sich durch seinen außerordentlichen Freisinn errungen hat. Besonderes Aufsehen erregte der jüngst erfolgte Eintritt des Bischofs in die Organisation zur Ansiedlung russischer Juden in Palästina und durch seine aufsehenerregenden Aeußerungen anläßlich des Beilis-Prozesses. Dias Gebet des Rabbiners wurde von der Gemeinde stehend angehört. Feuilleton. Interkonfessionelle Wohltätigkeit. Es wurde in letzter Zeit wieder einmal viel von der Wohltätigkeit jüdischer Kreise gesprochen: ich glaube aber, daß dabei ein wesentliches Moment mit oder ohne Absicht nicht erwähnt wurde nämlich die besondere Eigenart, durch welche sich gerade die jüdische Wohlfahrtspflege von der anderer Konfessionen abhebt. Jüdische Wohlfahrtspflege betreiben heißt ganz rein „human" sein. Es wird niemals einem Juden einsallen, einen Armen vorerst um seine Konfession zu fragen u. ihn wegen seines anderen Glaubensbekentnisses abzuweisen; kaum einen wohlhabenden Juden geben, der iilseinem Testamente ausschließlich jüdische Wohlfahrtsinstitute bedenkt, und selbst die rein katholischen Wohlfahrts-Institutionen haben unter ihren Gönnern und Mtgljedern jüdische Wohltäter. In einem sehr bezeichnenden Gegensätze steht aber die sogenannte interkonfessionelle Wohltätigkeit. Es ist eine Tatsache, daß auch auf diesem Gebiete gerade von jüdischer Seite sehr viel Gutes geleistet wird. Damen und Herren wetteiferten weder Zeit, noch Mühe, am wenigsten viele Opfer an Geld scheuend, wenn es gilt Arme jeder Art, zu unterstützen- Die gesellschaftlichen Verbindungen bringen es so weit, daß gerade ans den besten jüdischen- Familien. Damen und Herren sich beinahe -ausschließlich in -interkonfessionellen Vereinen betätigen, an deren Spitze stehen, dort mit dem größten Aufwands von Hochherzigkeit „aus eigener Tasche" arbeiten, Veranstaltungen arrangieren und viele Tausende den edlen Zwecken opfern, ja mit Erfolg trachten, eine bedeutende Anzahl Gönner und Mitglieder jüdischer Konfession n'tfc ihre Vereine zu gewinnen. Jede Gelegenheit wird benützt, wenn es gilt diesen interkonfessionellen Vereinen jüdisches Geld zuzusiihren, das jüdische Ra-chmones versteckt sich keinesfalls, wenngleich mit wahrer Freude und gerne die jüdische Stammeszugehörigkeit in den Hintergrund gerückt wird. Me stolz und erhaben fühlt sich doch mancher und vergißt sein Judentum, wenn er mit echten Grasen und altem Adel an einem Beratnngstifche sitzen bars und fürstliche Tankesworte für sein jüdisches Geld erhält. Wie schaut es aber mit der Betätigung dieser Vereine ans, wie zeigt sich das Verhältnis der Beiträge aus jüdischen Taschen für solche sich interkonfessionell nennende Vereine zu den aus jüdische Arme entfallenden Unterstützungs-Ausgaben. Wer Gelegenheit hat die Vereinstätigkeit in Wien kennen zu lernen, weiß, daß in den allermeisten Fällen das jüdische Geld zum geringsten Teile jüdischen Armen zugute kommt, da die Meinung vorherrscht, daß für den jüdischen Geluchswerber die israel. Kultusgemeinde allein in Betracht zu ziehen ist: leider kann diese weder Orden noch Adelsdiplome für die Wohltäter der Armen verleihen, hat dadurch wenig Anziehungskraft und das Gefühl der eigenen Herzensbefriedigung ist leider unsichtbar. Hier gilt es einmal durch die Autorität der Persönlichkeit und des Einflusses an Ort und Stelle zu zeigen, daß die Statuten interkonfessioneller Vereine ihrem Wortlaute nach gehalten werden müssen, daß nicht von jüdischen Wohltätern Christbaumfeiern veranstaltet werden, während jüdische Arme, frierende und hungernde jüdische Kinder inangels Geldmittel von den jüdisch konfessionell wirkenden Institutionen abgewiesen werden müssen. Besonders kraß zeigt sich dieser Nachteil bei der Kindersürsorge. Seitens der Wiener Kultusgemeinde werden Verpflegskosten-Beiträge aus einem bestimmten Konto für solche Kinder geleistet, welche seitens einer Behörde in jüdische Pflege . gebracht wurden, damit diese Kinder in den Schutz der Kultusgemeinde kommend, durch diese besser verpflegt und inspiziert werden und weiters daraus gesehen wird, daß sie auch jüdisch-religiös erzogen werden. Ta kommt es oft vor, daß eines Tages der'Pflegepartei seitens der Behörde eine Note zugeht, laut welcher sie aufgefordert wird, ihr Pflegekind abzugeben, damit es in feine Heimatsgemeinde komme. Dieses Kind — in Wien geboren, in Wiener Schulen erzogen, dessen Eltern schon lange Jahre iu Wien wohnen und aus irgend einem Grunde die Wiener Heimatszugehörigkeit noch nicht erlangt haben, soll nun in ein galizisches oder ungarisches Dorf kommen, wo es weder der dortigen Sprache mächtig ist, noch eine deutsche Schule besuchen kann und gar oft auch nich eine anständige, menschenwürdige Unterkunft findet- In solchen Fällen wendet sich das Wohltätigkeits-Amt der Kultnsgemeinde an die in Wien bestehenden interkonfessonell sich nennenden Kindersürsorge-Vereine, damit diese zum Zwecke der Belastung des Kindes in Wien einen monatlichen Verpslegskosten-Beitrag leisten: so traurig es ist, nicht immer mit positivem Erfolge und das Wohltätigkeits Amt trachtet sodann nach Möglichkeit gemeinsam mit den wenigen jüdischen Vereinen, die mit ihren knappen Geldmitteln hier hilfteich zuscunmenhalten, den ferneren Verbleib des sremdzuständigen Wiener Kindes Hierselbst zu sichern, denn — wenn das Kind nicht blaue Striemen auf dem Rücken Nachweisen oder demselben ein moralischer Defekt nicht nachgewiesen werden kann, findet es keine Aufnahme in denjenigen Vereinen, welche ausschließlich bei jüdischen Fällen auf den Wortlaut ihrer Statuten pochen, und sich nicht von humanen Rücksichten leiten lassen. Wenn sich diese Vereinsdamen überzeugen würden, in welche Verwahrlosung sie das Kind mit ihrer

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