Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Date
- 1914-01-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Ar. Bwchr Wochenschrift. Seite 9 Kreisturntag der jüdischen Tnruerschaft. II., Kreis, (Westösterreick). Am 7. und 8. Dezember d. I. tagte in Wien, der II. ordentliche Kreisturntag der jüdischen Turnerschaft 2. Kreis (ffiejt-- österreich), zu welchem 20 Kceisvereine ihre Delegierten entsandt hatten. Aus dem Bericht des Kreisvorstandes ging hervor, daß die jüdische Turnivee im letzten Jahre überall, insbesondere aber in Westösterrekch, einen ganz besonderen Aufschwung genommen habe. Die Zahl der dem westösterreichischen Kreise angehörigcn Mischen Turnvereine betrage gegenwärtig 23 gegenüber 16 rm Vorjahre. Außer diesen bestehen bereits 6 Vereine, in denen der regelmäßige Turnbetrieb begonnen hat und die ihren Eintritt in den Verband und Kreis angekündigt haben. Die Propagandarbeit der Kreisleitung war eine ganz enorme. Zn ausführlicher Weise wurde sodann aus das Kongreßschauturnen hingewiejen, an welchem gegen 1200 jüdische Turner und Turnerinnen teilnahmen. Aus aller Herren Länder waren sie gekommen, um zu dokumentieren, daß die jüdische Turnerschaft zielbewußt an ihrem Ideale arbeite. Das exakte Turnen hat bewiesen, daß jüdische Turner den Turnern keiner anderen Nation irgendwie nachstehen. Dieses Kongreßschauturnen, das allen Teilnehmern und Zuschauern einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat, war ein Hauptwerk des westöfterreichischen Kreises, der auch das Verdienst des guten Gelingens für sich in Anspruch nehmen darf. Die wichtigsten der an den beiden Verhandlungstagen gefassten Beschlüsse, die dem kommenden Verbandsturntag vorgelegt werden sollen, sind: 1. Einführung der hebräischen Kommandosprache, 2. Die einheitliche Benennung sämtlicher jüdischen Turnvereine mit dem vollständigen, hebräischen Titel und dem Namen „Malzkabi" 3. Schaffung einer einheitlichen Turnkleidung. Montag fand im Jüdischen Turnverein Fünfhaus eine Vorturnerstunde statt, deren Leitung dem Turnwart des I. W. I. T., Horowitz, oblag. Sicherlich haben die Vorturner, die bei dieser Veranstaltung Frei- und Geräteübungen zeigten, turnten und hieraus gegenseitig Kritik übten, gute Anregungen für ihre Vereine mitgenommen und auch aus dem porzüglichen Referate des Ing. Philipp Pollak „Was können wir vom deutschen Turnfest in Leipzig lernen'' nutzbringende Schlüsse gezogen. Zu den Veranstaltungen des Kreisturntages gehörte auch das in Weigl's Katherinenfälen abgehaltene Schauturnen des Turnvereines „Fünfhaus, ferner das Match des Sportklubs „Hakoah" gegen „Südmark", das mit einem Eoalverhältnisse von 3:0 für Hakoah endigte. Allgemeines Interesse erregte das Meeting bei welchem folgende Themen behandelt wurden: „Die Ausgaben der Jüdischen Turnerschast in Westösterreich", „Einführung der hebräischen Kommandosprache", „Turnen und Sport", „Die Juden in der Leichtathletik", „Jüdischer Wanderbund und Jüdisch: Turnerschaft", „Die nationalen und turnerischen Ausgaben des jüdischen Turners". Eine Veröffentlichung sämtlicher Referate wird demnächst in unseren „Monatsheften für Turnen und Sport" erfolgen. Ein fröhlicher Five o'clock tea des I. W. I. T. beschloß den II. ordentlichen Kreisturntag. Die Neuwahlen für den Kreisvorstand ergaben folgendes Resultat: Herr Robert Kien, 1. Vorsitzender; Herr med. Moritz Schiller, 2. Vorsitzender und Kassier; Herr phil. Oskar Brand, Schriftführer; Ing. Theodor Steinherz, Kreisturnwart, Herr med. Ad. Taglicht, Herr Dr. Karl Sonnenseid, Herr Karl Schwarz, Beisitzer; Herr Dr. Gottlieb Stern, Herr Dr. Imme r g l ü ck, Revisoren. Ei« jüdischer Ministerialrat. Aus Budapest wird uns geschrieben: Das ungarische Amtsblatt meldet, das der König Franz Josef über Vorschlag des Ministerpräsidenten Grasen Stefan Tißa den Sektionsrat im Minislerprüsidium Dr. Ladislaus Feier zum Ministeralrat ernannt hat. Die Stufenleiter der Beamtenhierarchie haben zumal in den obersten Amte des Landes nur noch sehr Wenige so schnell erklommen, wie dieser Ministerialrat. Dies ist in einem Lande, in welchem Politik eine so große Rolle spielt, wie in Ungarn, um so beachtenswerter, als Dr. Fcjer Jude ist, und seine hohe Position ausschließlich feiner außerordentlichen Begabung und seiner Pflichttreue zu verdanken hat. Protest gegen die Haltung des Grafen Berchtold in der rumänischen Judenfrage. In der letzten Sitzung des österreichischen Abgeordntenhauses vor den Weihnachtsferien haben Abgeordneter Dr. Benno Straucher und Genossen in einer Interpellation an die Gesamtregierung zu der Haltung des östereichisch-ungarischen Ministers Grafen Berchtold in der Delegation in Angelegenheit der rumänischen Judenfrage Stellung genommen. Die Interpellanten weisen in der Interpellation hin, daß die rumänische Judenfrage seit der Unterfertigung des Berliner Vertrages keine interne Angelegenheit Rumäniens sei, daß Rumänien den Signatarmächten für die Nichteinhaltung des Vertrages verantwortlich sei und daß Graf Berchtold, indem er diese Erklärung in der ungarischen Delegation abgab, nicht nur ein gewaltiges Unrecht an den rumänischen Juden beging, sondern die Monarchie auch ein Recht aufgab, welches ihr kraft des Berliner Vertrages zugekommen ist. Die Interpellanten verlangen schließlich, daß die österreichisch-ungarische Regierung kraft ihres Rechtes und auch infolge ihrer Pflicht zu Gunsten der Gleichberechtigung der Juden in Rumänien interveniere. Die Führerschaft im Jndentume. Aus Budapest wird uns geschrieben: Vorige Woche fand hier die Neuwahl der Repräsentanz der Budapester israelitischen Religionsgemeinde statt. Nach durchgeführter Wahl kielt Hofrat Baron Adolf Kohner an den neugewählten Vorstand eine Ansprache, die wegen ihres Inhaltes in den weitesten Kreisen lebhaft besprochen wird. Baron Kohner sagte nämlich in seiner Begrüßungsrede unter Anderem Folgendes: Die Aufgaben, des Vorstandes sind mannigfache. Aber das größte Gewicht mutz darauf gelegt werden, daß der Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde als dcr Leiter der größten sraelititischen Kultusgemeinüe des Landes, ja sogar ganz Europas der Führer des Judentums in allen jenen Fragen und Aktionen sei, die, sei es die einheimischen Judenschaft oder die Gesamtheit des Judentums interessieren. Diskussion über aktuelle Religiousfrageu i» Paris. In Paris finden jetzt allwöchentlich im Klub der Freidenker Diskussionen über aktuelle religiöse Fragen statt. Es sind unter Anderen auch der Protestantismus und die jüdische Religion zur Diskussion gestellt worden. Als Referenten figurieren die Schriftstellerin Mme. Compain, Pastor Roberti und Rabbiner Louis Germaine Levy. Der erste jüdische Kammerdeputierte iu der Türkei gestorben. Ans Kvnstantinopel wird berichtet: In Janina starb im Alter von 82 Jahren Herr David Levy, der seinerzeit in die allererste türkische Deputiertenkammer zum Deputierten gewählt wurde. Der Verstorbene genoß sowohl unter seinen Glaubensgenossen, wie auch bei der übrigen Bevölkerung großes Ansehen, Er war viele Jahre hindurch Präsident der Handelskammer in Janina und Vertreter der kaiserlichen Domäne im Epirus. Levy war Besitzer meherer hoher ottomanischer und ausländischer Orden. Nach dem Beilis-Proreß. Aus Kiew wird geschrieben: Die Affäre Beiliß ist mit dem Ablaufe der Berufungsfrist erledigt. Nicht aber der Fall Justfchinski. So fordert das konservative Organ „Kiewljanin" die Gerichtsbehörden auf, endlich die wirklich Schuldigen ausfindig zu machen, und sich nicht durch Fanatiker von den deutlichen Spuren abbringen zu lassen." Wenn die Regierungsgewalt cine wirkliche Gewalt, nicht aber ein Spielball in den Händen politischer Parteien sein will, ist sie