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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-02 · 1 (2.1.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 7 Ehrung eines Rabbiners. Ein Fest der Liebe und Verehrung für Rabbiner Herrn Dr. Julius Mar Vach Wurde Freitag den 26. Dezember in Ottakring gefeiert. An diesem Tage sind es fünfzehn Jahre, seit Herr Rabbiner Dr. Vach feine Amtstätigkeit in Hernals-Ottakring begonnen und dieser Anlaß wurde von der jüdischen Bevölkerung des Bezirkes benützt, um ihrem Seelenhirien Anhänglichkeit und Treue zu beweisen. Man kann ruhig sagen, der ganze Bezirk, alle Schichten der Gesellschaft hatten sich in der Kultuskanzlei, XVI., Hubergasse 8, eingefunden. Der Be. zirk wollte den Herrn Rabbiner ehren und hat sich selbst geehrt. Man bemerkte den Obmann des Tempelvorstandes Herrn S. Weitzmann. k. k. Hof- und Kammerphotographen, mit den Herren Wilhelm Mandl, Alois Winter st ein, S. Fischer, der Obmann der Chewra- Kadischa Herr S. Weiler mit den Vorstandsmitgliedern Ed. Politzer, Siegfr. Stein, Artur Unterberg, S. Schreiber, den Obmann der Vezirkskommission Herrn Dr. Jakob Deutsch, dessen Stellvertreter Herrn Aler. G o l d b l a t t. die Vorstandsmitglieder der Brzirkskommission die Herren I. S i 1 t i g, M. M e d a k, den Ehrenpräsidenten des Ausspeisungsvereines, Herrn Leop. Trebitsch. den Obmann des Vereines der Kinderfreunde, Dr. Alois Hauser, mit den Vorstandsmitgliedern Rudolf U r b> a ch, Jacob Holzer. Jos. Weiß. G. D r a b. Gust. Stiaßny, den Obmann des Ausspeisungsvereines Herrn Direktor Benno K ahane, mit den Herren O. Katz, S. Reumann, S. Fischer. Sig. Schickler, dem Präsidenten des Beth- Haam, Herrn Dr. Martin Förster, den Obmann der ..Kinderstütze", Herrn S. Blau, den Obmann des ,.Greisenschutz", Herrn Adolf Fischer, u. v. A. Der Herr Rabbiner, welcher in Begleitung seiner Mutter, der Präsidentin des Frauenvereins, S. Bach, sowie seiner Frau und Kinder erschienen war. wurde allseits lebhaft bergrüßt und beglückwüünscht. Der Obmann der Bezirkskommission Herr Dr. Jacob Deutsch hielt eine warme Ansprache an Se. Ehrwürden. In pietätvoller Weise gedachte der Sprecher des Amtsvorgangers des Gefeierten, des Vaters des Sprechers, des verstorbenen Herrn Rabbiner Dr. M- Deutsch, was bei den Versammelten große Befriedigung erweckte. In seiner Rede, welche oft von lebhaftem Beifall unterbrochen wurde, schilderte er, wie Herr Dr. Bach sich die Liebe aller zu erringen wußte, daß der ganze Bezirk heute freudigst den Anlaß ergriffen habe, um ihm-die Verehrung und Anhänglichkeit auch in schtbarer Weise zu dokumentieren. Als Zeichen der Anerkennung übergab nun Herr Dr. Deutsch an den Jubilar eine große Kasette, enthalte ndeinegroseAnzahlSilberbe st ecke von hohem Wert. Die Ausführung, die Zusammenstellung. sowie die Herstellung zeugt von dem erlesenen Geschmack des Lieferanten Herrn Jacob Holzer, Goldkettenfabrikant. Die Kasette ist ein Prachtstück und erregte allgemeines Aufsehen. Nachdem der Obmann des Tempelvorstandes Herr S. Weitzmann seinerseits die Glückwünsche dargebracht, dankte der Jubilar, Herr Dr. B a ch, in bewegten Worten für die außerordentliche und ungewöhnliche Ehrung, die ihm für sein bescheidenes Wirken zuteil wird. Er sei stolz auf Hernals-Ottakring, woselbst er seine zweite Heimat gefunden habe. Er bitte weiter um das Vertrauen seiner Gemeinde. Das ihm überreichte Geschenk ehre nicht nur seinen Empfänger, noch mehr gereicht es den Spendern, der ganzen Gemeinde zur Ehre. Sein Dank gelte nicht nur dem Wert des Gegenstandes, , sondern in erster Linie der Tatsache, daß die Gemeinde sich seiner in so lieber Weise erinnerte. Er bitte nicht nur um ihr weiteres Vertrauen, sondern ihm auch ihre Liebe zu erhalten. Lebhafte, stürmische Sympathiekundgebungen fogten diesen Worten, alle drängten sich heran, um Sr. Ehrwürden die Hand zu drücken. Nicht unerwähnt sei die herzliche Ansprache des Oberkantors Kaufmann an Herrn Rabbiner Dr. B a ch. welcher das herzliche Einvernehmen zwischen allen Funktionären der Gemeinde betonte, und gleichzeitig die Glückwünsche des österr.-ungar. Kantorenvereines, sowie des Chorpersonales, überbrachte. Obrrkantor Kaufmann zeigte sich bei dieser Gelegenheit auch als glänzender Redner. ' I ■ Herr Josef Sittig feierte Herrn Dr. Bach als Lehrer und überbrachte die Glückwünsche derjenigen Eltern, deren Kinder Herr Dr. Bach unterrichtet. Bei dem Samstag stattgefundenen Gottesdienste widmete Herr Oberkantor Kaufmann Herrn Rabbiner Dr. Bach einen von ihm für diese Gelegenheit verfaßten Mischeberach und der Chor unter der trefflichen Leitung des Dirigenten Porth einen Festpsalm. Damit endigte diese schöne Feier, welche ein Zeugnis der seltenen Harmonie zwischen der Bevölkerung von Hernals-Ottakring und ihrem Seelenhirten gab. der Intelligenz. Verständnis und Opferwilligkeit der jüdischen Gemeindemitglieder, die von der Erkenntnis geleitet wird, daß sie sich selber auszeichnet und ehrt, wenn sie den geistigen Führer auszeichnet und ehrt. Jüdische Franenfürsorqe Samstag, 20. Dezember, luden auf Wunsch der am Donnerstag 18. Dezeniber tagenden Versammlung die Vorschlagenden der „Jüdischen Frauenfürsorge" einen engeren Kreis von Frauen und Mädchen sowohl solchen, die seit Jahren in der Armenpflege stehen, als solchen, die hochwillkommene Neulinge sind, sowie Herrn Heinrich Mendl, den Schöpfer der Zentralstelle, 31t einer Besprechung in die vom Midchenunterstützungsverein zuvorkonnnendst zur Verfügung gestellten Räume ein, uni noch' während der kurzen Anwesenheit der beiden Damen Bertha Pappenheini und Stefanie Forchheimer-Fialla eine Beratung über die vorzunehmende Gründung und die Heranziehung der Vereine und ihrer Präsidien abzuhalten. Auf Wunsch der einstimmig als Seniorin zur Vorsitzenden gewählten Frau Direktor Regine Ulmann entrollte Fräulein Pappenheim nochmals ihr vom Geist edelster Nächstenliebe getragenes und von feinen psychologischen Bemerkungen gewürztes Programm. Sie forderte ihre Landsmänninen auf, vielfach anders in der Wohlfahrtspflege sehen zu lernen, wie bisher- Sie erinnert daran, daß aus ihrem Eltern hause, wie aus so vielen Wiener Familien einer anderen Zeit kein Armer unbeschenkt wegging, daß diese alte jiidische Armenpflege aber andere Wege in der Jetztzeit ein'chlagen müsse, um das Ziel jeder wahren Armenpflege 311 erreichen, die Armenpflege unnötig zu machen, einzelne verzweifelte Fälle immer ausgenommen. Mit Recht hob die Rednerin hervor, daß die christliche Nächstenliebe, welche den Erdball erobert hat. aus dem Judentum hervorgegaugen ist, und daß speziell im Judentum eine innige Gemeinschaft zwischen am: und reich, Osten und Westen und allen Bildungsschichten am Platze ist. Gehen doch gerade im Judentum die großen Kulturträger vielfach aus den untersten Schichten hervor, gerade bei den Juden fluktuiert der Besitzstand besonders rasch, bei uns leidet der gebildete Westjude unter dem Antisemitismus, den der arme Ostjude im Volke durch sein fremdartiges Wesen hervorgerufen hat. Aus dem Judentum durch strenge und liebevolle Recherche. nicht durch Gelduuterstützung allein, sondern durch Bildung und Erwerbsunterstützung, durch Hebung der hygienischen

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