Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Date
- 1914-01-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 1 Dr. Blochs Wochenschrift. Bühnen aufgeführl wurde, in Deutschland machte. Der Schauspieler F. A. A. Wurm, der überhaupt in Judenrollen erzellierte, feierte in der Darstellung des Jakob in der genannten Posse wahre Triumphe. In Berlin waren die Juden über diese Karikatur so empört, daß sie bei dem Staatskanzler Hardenberg die Entfernung des Schauspielers verlangten und durchsetzten. Freilich verminderte die Entfernung des Schauspielers aus Berlin nicht den Triumphzäg des Stückes, sondern inaugurierte ihn geradezu. Seitdem reiste Wurm förmlich auf diese Rolle. Geh. Reg.-Rat Dr. L. Geiger weist in seinem Blatte darauf hin, daß Wilhelm Bode in Weimar in seinem Buche „Goethes Schauspieler und Musiker, Erinnerungen von Eberwein und Lobe". Berlin 1912, in Weimar Gespräche, die Karl Eberwein, ein Weimarer Musikdirektor, der vielfach mit Goethe zusammen und lange Jahre Direktor de: Goetheschen Hausiapelle war, folgendes mitteckt: ..Goethe waren Parodien ein Greuel", und er fährt fort (a. a. O.. S. 33): „Heber Wurms Bestreben, die Juden von der Bühne herab dem Bespotte preiszugeben, geriet er in Zorn und sagte: es ist schändlich, eine Nation, die so ausgezeichnete Talente in Kunst und Wissenschaft aufzuweisen hat, gleichsam an den Pranger zu stellen! Solange ich das Theater zu leiten habe, dürfen derartige Stücke nicht gegeben werden." Herr Chamberlain und Konsorten und alle diejenigen, die sich immer noch, wiewohl vergeblich, bemühen, Goethe als Judenfeind da"zustellen, mögen sich diese Worte Goethes ins Album schreiben. Die Aeußerung ist umso sicherer echt, als in der Tat, während Goethes Theaterleitung, also bis 1817, das Stück Ses'as in Weimar nicht zur Aufführung gelangte, und daß Wurm, so gern er es auch getan hätte, zu einem Gastspiel in Weimar nicht gelangte. Erst mehrere Jahre, nachdem Goethe die Theaterleitung abgegeben hatte, dies war bekanntlich im Jahre 1817 geschehen — am 20. und 27. April 1882 hat Wurm in Weimar ein kurzes Gastspiel absolviert. Die griechische Sprache in den jüdischen Schulen Neugriecheulauds. Die griechischen Blätter sowohl wie die spaniolischen konstatieren mit besonder Befriedigung, daß die griechische Sprache in den jüdischen Schulen von Salonki und in den übrigen neugriechischen Ortschaften immer mehr an Boden gewinnt. Besonders in den schulen der Alliance israelite universelle bildet die griechische Spreche jetzt den Hauptgegenstand und die Schulleiter sind in der Lage festzustellen, daß die jüdischen Schulkinder auch der griechischen Sprache gegenüber sich als ganz besondere Sprachenkünstler zeigen. Die Kinder haben die ihnen bisher fremde Sprache so rasch erlernt, daß der griechische Schulinspektor seine Verwunderung hierüber ausgedrückt hat und insbesondere die korrekte Aussprache nicht genug rühmen könne. Jüdische Auswanderung im Monate September. Im'Monat September sind in sämtlichen Hafenstädten der Vereinigten Staaten von Amerika 17.552 jütische Auswanderer angekommen. Und zwar: New- Aork 13.901, Philadelphia 1.231, Baltimore 1.287, Boston 373, Galveston 760. Davon waren fast die Hälfte Frauen und zwar 8.339. Bon dieser Gesamtzahl haben sich 10.694 im Staate Newyork niedergelassen, während die übrigen nach den verschiedenen anderen Staaten weitergefahren sind. Sämtliche jüdische Einwanderer haben zusammen lii Summe von 344,959 Dollar mitgebracht, d. h. etwas weniger als 20 Dollar pro Mann, Frau und Kind. Jüdische Wohltätigkeit. Aus Newyork wird uns geschrieben: Der gewesene jüdische Bürgermeister von Patterson im Staate Jersey hat, wie von dort berichtet wird, der Staötgemeinde eine Viertelmillion Dollar zur Errichtung eines Hospit les gespendet. Nathan Barnett dies der Name des Philant-open hat schon bisher verschiedene große Spenden gemacht, so begründete er die jüdische freie Schule und erbaute auf eigene Kosten die große Synagoge in dieser Stabt, die auch seinen Namen trägt. Ebenso wurde das städtische Hospital bisher fast ausschließlich von Barnett erhalten. Aus diesem Anlasse wird eine interessante Reminiszenz aufgefrisch. Als im Jahre 1902 in Patterson ein großes Feuer wütete, das 10 Millionen Dollar Schaden angerichtet hatte, wurde auch die presbyterianische Kirche eingeäschert. Barnett ließ dem Bischof melden, daß er bereit sei, die von ihm erbaute Synagoge der Kirckenäemeinde zur Abhaltung des Gott"söi<'nstes zur Verfügung zu stellen, kis die neue Kirche wieder erbaut sein wird. Die Kirchevgmnein^e nahm das Anbot an, und ihre Bereitwilligk it dcfür irgend etwas zu zahlen, wurde von Varnett dankend abgelehnt. Auch sonst hat Barn-ät auf sozialem Gebiete verschtedeue Wohlfahrtseinrichtungen getroffen. Große Rabbmekon'ererz in Kische^ew. Der angesehene Kischenewer Rabbiner Zierelsohn hat für vorige Woche nach Kischenew eine Konferenz russischer Rabbiner einberusen, an welcher 60 Rabbiner und zwar nicht nur Kronräbbiner, sondern auch geistliche Rabbiner teilgenommen haben. Die Eröffnung der Konferenz konnte nicht am festgesetzten Tage stat finden, weil die Polizei den geistiichen Rabbinen, die nicht im Besitze offizieller Zeugniise, daß sie Rabbienerposten bekleiden, waren, den Zutritt zur Konse enz verweigerte. E st über Intervention des Rabbiners Zierelsohn beim Generalgouverneur konnte die Konferenz am anderen Tage ohne Störung ihre Beratungen beginnen. Von den angenommenen Beschlüssen seien erwähnt, die Resolutionen betreffend einer Erweiterung des hebräischen Sprachenunterrichts in den Chedarim. Bezeichnend ist auch der Beschluß, daß die Kaufe e :z an die Regie ung die Viite richte, zu gestatten, daß in den Chedarim auch die rustische Sprache obligat unterrichtet werde. Einen Einblick in die traurigen sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland, gewährt der Beschluß, daß jeder Jude, der ins Ausland reisen will, nur dann einen Auslandspaß erhalten möge, wenn er vom Rabbiner ein Zeugnis vorweist, daß von seiner Seite gegen die Auslandsreise des Betreffenden kein Hindernis vorliegt. Auf diese Weise soll das immer mehr überhand nehmende soziale Uebel der verlassenen Frauen (Agunoth) nach Tunlichkeit gemildert werden. Korrespondenzen. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israckiti'chen Kultusgemernve strdet Dienstag den 6. Jänner 1914, 10 Uhr vv'M ttags, I., Sätenstettengasse 4 2. Slrck statt. Tagesordnung: Konstituierung des Kultusvorstandes: 1. Wadl des E sten Vize-Präsidenten; 2. Wohl des zweiten Vize.PräsidlNten; 3. Wahl von 8 Mitgliedern des Vertreter- Kollegiums; 4. Wahl der Mitglieder in die Kommsstonen und Komitees,