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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-01-02 · 1 (2.1.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Dp, Bloch« Wochenschrift. Seite 5 Namens des Eynagogenvereines „Beth-Jsrael" und des Wohltätigkeitsvereines „Mazmiach Jeschna" hielt deren Präses Herr Ignaz Zolles tränenden Auges einen ergreifenden Nachruf. Es sprach noch Herr Rabbiner G o l d st e i n namens der vielen Wohltätigkeitsvereine, denen der Verblichene angehörte, Worte hervorragenden Lobes und wies auf die eminenten Eigenschaften des Dahingeschiedenen als Stütze der Armen und Leidenden hin. Die Gesänge wurden wieder vom Oberkantor Morgenstern und der imposanten Kantorenschar angestimmt und der Tote zu Grabe getragen. Am Grabe sang, für den Kantoren - Verein Oberkantor Dünnmann und für die Kantoren und Sänger Oberkantor B a s s e r das ergreifende „El mole racliamim". Zum Schlüsse würdigte noch Herr N. R e i tz e s in hebräischer Sprache die Verdienste des Verblichenen. Der Verewigte erfreute sich in der Tat einer großen Popularität. Wer ihn einmal an einem Freitag-Abend, umgeben von seiner Sängerschar, die er, wie einst König Saul, durch Größe, schöne Gestalt und vornehme Haltung überragte, bei der Begrüßung des Sabbat gesehen und gehört, dem bleibt -dies Bild, bleiben aber auch die kräftigen, herrlichen und dabei lieblichen Gesänge aus seinem Munde unvergeßlich. Jeder unserer auswärtigen Glaubensgenossen, der bei seinem Wiener Aufenthalte altjüdischen, liturgischen Gesang hören wollte, unterließ es nicht, Mayer S ch o r r in der Synagoge „Beth-Jsrael" aufzusuchen und seinen Gesängen zu lauschen. An den beiden letzten Neujahrstagen und ganz zuletzt bei Nussak am Jom Kippur fang er noch im Gotteshause vor seiner andächtig lauschenden Gemeinde. Unvergessen seiendie Bußgebete, die er am 1. Selichostage im vergangenen Herbst in früher Morgenstunde so ergreifend angestimmt hatte wie kaum zuvor. Die ergreifenden Töne von damals klingen uns noch heute nach und die vielen Freunde und Schüler, die Schorr im liturgischen Gesang ausgebildet — und sie haben viel vom „alten Chasonus" von ihm gelernt -- die vielen Familien zu denen.er durch seine religiösen Funktionen in nähere Beziehungen trat und alle die ihn außerdem als' Ehrenobmann, Obmann oder Vorstand bei jüdischhumanitären Vereinen kannten, widmen seinem Andenken Tränen wahrer Teilnahme. — Die vielen, herrlichen Tempelgesänge, die er durch Druck veröffentlichte, wie auch sein künstlerisch-kantorales Wirken, vereint mit einem innigreligiösen Lebenswandel, werden Oberkantor Mayer S ch o r r s Namen noch lange, lange fortleben lassen. Sein Andenken möge ein gesegnetes sein; doch den tieftrauernden Hinterbliebenen werde himmlischer Trost zuteil! Moritz Antscherl. Vom Aabrmarkt des Lebens. Antisemitischer Betrug. Ein Leser schreibt uns: Die christlich-soziale Partei hat jüngst in einer Vertrauensmänner-Versammlung — in der Diebssprache heißen solche Zusammenkünfte anders — in Beratung gezogen, wie der „Reichspost" weitere Mittel zur Verfügung gebracht werden und demgemäß den Beschluß gefaßt, daß das Ritualmordorgan in Hinkunft die jüdische Geschäftswelt um Inserate anbetteln soll. Die Moral ist fein, was? Rach der Aussage des Redaktionschefs kann dieses sogenannte christliche Blatt ohne jüdische Inserate nicht Nieiter bestehen. Wir möchten dazu uns eine bescheidene Bemerkung erlauben: Jetzt sind schon eine respektable Anzahl Inserate jüdischer Geschäftsleute in der „Reichspost" erschienen. Der Abschluß eines Jnseratengeschäftes ist ein Vertrag luie jeder andere. Bei Eingehen dieses Vertrages verpflichtet sich die das Inserat gegen Bezahlung übernehmende Zeitung, den Inserenten durch Einschaltung der Annonce seinen Lesern zu empfehlen, ihm also vermittels der Annonce Kunden zuzusühren. Das Blatt wird somit dafür bezahlt, eine vereinbarte Leistung zu vollbringen und hat diese eingegangene Verpflichtung, sowie jede Person oder Institution, die dafiir bezahlt wird, einwandfrei und derart, daß die beabsichtigte Wirkung erzielt werde, zu erfüllen.?tim kommt aber der Betrug! In derselben Nummer, — Sonntag 21. Dezember — in der es in der „Reichspost" von jüdischen Inseraten nur so wimmelt, erläßt sie vorne einen Aufruf an die Leser, nur bei Christen 311 kaufen!! Sie läßt sich also von Inden bezahlen um gerade das Gegenteil von dein zu tun. wozu sie verpflichtet ist: den jüdischen Inserenten die .Kunden abzutreiben! Demgemäß wollen wir die jüdischen Inserenten der ..Reichspost" darauf aufmerksam machen, daß das Inserat nicht bezahl zu werden braucht. Die Helden von der Strozzigasse sollen nur klagen, wenn sie sich trauen! Daß die bedungene Leistung nicht vollbracht wurde — es ist das hier gelinde gesagt — wird jedes Gericht zngeben müssen: es ist gemeiner Betrug! Offiziers Maceabiierfeier in London. L tzter Tage veranstalteten die Londoner jüdischen Gemeinden eine gemeinsame Maccabäecfeier in einem Vorstadttempel. Es ergab sich die überraschende Tatsache, daß nicht weniger als vierhundert jüdische Offiziere der Land- und Freiwilligenarmee (Territorial) der Einladung folgten. Der Chef-Rabbi von England hob in seiner zündenden Ansprache die Bedeutung dieses Umstandes hervor, daß so viele Juden freiwillig diesen ehren-aber gefahrvollen Beruf erwählten und hoffte, daß sie Großbritannien mit demselben Heldenmut und Erfolg dienen möchten, wie die Maccabäer der alten Heimat. Das aufgeseffene Antisemiteublatt. Das Pariser klerikal antisemitische Blatt „La eroix" ist wieder einmal ihrer Nnwiffenheit aufgesessen, die sie aber skrupellos, wie sie ist, ihren Lesern iveitergibt. In einer ihrer letzten Nummern führt sie als untrüglichen Beweis für den Ritualmord unter den Juden an, daß in einem jüdischen lithurgischen Buche ein Holzschnitt den Gott der Juden öarstelle, wie er im Blut badet. In Wirklichkeit handelt es sich um folgendes: Laut einer alten jüdischen Legende hat Pharao, um sich vom Aussatz zu heilen, häufig in Menschenblut gebadet. Es ist nun bekannt, daß die Erzählungen über den Auszug der Juden aus Aegypten in der Hagadah für Pessach verarbeitet sind. In einer solchen illustrierten Hagadah für spaniolische Juden die in Livorno gedruckt wurde, hat der naive Zeichner einen König mit der Krone auf dem Haupte, den Körper mit Anssatz bedeckt, dargestellt, wie er in einer Badewanne sitzt. Um ihn herum stehen Männer mit Turban auf den Köpfen und entreißen weinenden Trauen ihre Kinder, welche sie über der Badewanne haltend abschlachten. Unter diesem Bilde befindet sich die folgende Legende in spaniolischer Sprache: .."Pharao pue se lavava in la sangue des los ninos Judios por sanar de la sarna." (Deutsch: Pharao, der sich im Blute der jüdischen Knaben badete, um sich vom Aussatz zu heiligen. Dieses Motiv wurde schon im Mittelalter von Illustratoren der Hagadah bearbeitet. Eine unbeachtete Aeufferung Goethes. Gar manchem Leser dürfte es bekannt sein, einen welch ungeheuren Eindruck die Posse von Sessa „Unser Verkehr", die 1815 im Druck erschien und aus vielen

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