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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seit 949 Nr. 52 Dr. Blochs Wochenschrift. schlossen und hat in dessen Gesamtvorstand eine stimmberechtigte Vertretung^ In knapper Zusammenfassung möchte ich es versuchen, Ihnen nun Ziele und Zwecke des Bundes, dessen praktisches und ideales Programm darzustellen. Satzungsgemäß ausgedrückt ist der Zweck Des Bundes der Zusammenschluß: der-deutschjüdischen Frauenvereine und weiblicher Einzelpersonen zu gemeinsamer Arbeit im Interesse der jüdischen Frauenwelt. .] ' . Der Bund will sein Ziel besonders dadurch erreichen, daß er alle jene Bestrebungen fördert, welche die E r z i e h u n g des Volkes bezwecken, das E rwerbsleben jüdischer Frauen und Mädchen erleichtern wollen, auf die Hebung der Sittlichkeit und die B e kü m p f u n g d e s Mädchenhandels hinwirken, und geeignet sind, das jüdische G em e i n s ch a f ts b e w uß t s e i n zu stärken. Auf diesen Gebieten liegen die großen Aufgaben und weitschauenden Pläne, die nur von einem geschlossenen Verbände bearbeitet werden können. Nur eine solche Organisation, die jedem Verein unbeeinträchtigt seine Wirksamkeit und seine Tendenz läßt, kann die hohen Ziele für die jüdische Frau, für die jüdische Gesamtheit, und damit ihren Anteil an der .gesamten Kultur erfüllen. In den Jahren seines Bestehens ist der „Jüdische Frauenbund" durch seine innere Notwendigkeit stetig gewachsen und bat seine Werbekraft entfaltet. Langsam gelingt es auch, Fühlung mit der Arbeit und den Organisationen der Männer anzubahnen, denen somit der Beweis erbracht wird, daß auch die jüdische Frau an den sozialen und kulturellen Forderungen selbsttätigen Anteil nimmt. Im praktischen Programm des Bundes hat diese selbständige Betätigung der Frau bereits Ausdruck gefunden und zeitigt gute Erfolge. Es gibt Gebiete sozialer Tätigkeit, die nur von Bundesarbeit in Angriff genommen werden können. Eine Hauptaufgabe des Bundes ist es, überall Verständnis und Interesse für seine Bestrebungen zu wecken und erneute Vereinsanschlüsse zu gewinnen. .So haben sich in einer Anzahl deutscher Städte „Ortsgruppen" des Bundes gebildet, die nun ihrerseits eine propagandistische Tätigkeit für die allgemeinen Ziele und Aufgaben entfalten, und dadurch immer mehr ^jüdische Frauen für die großen Interessen der sozialen Hilssarbeit gewinnen. Ich nenne Ihnen nun einige dieser konkreten Arbeitsgebiete. Die Gründung von unentgeltlichen Stellenvermittlungen und Arbeitsnachweisen ist eine Bundesarbeit. Diese Arbeit hat in vielen deutschen Städten bereits so große Erfolge aufzuweisen, daß vom Bund ein Kartell für Arbeitsnachweis gegrünoet wurde, um das gleichzeitige Studium und die Regelung von Angebot und Nachfrage in den verschiedenen Städten zue ermöglichen. Durch das Zusammenarbeiten so vieler Einzel- - vereine und Einzelpersonen im Interesse einer Sache war es möglich, für Deutschland und über die Grenze hinaus, eine Liste von Vertrauenspersonen anzulegen. Diese Liste nennt Namen und Adressen von Männern, die sich bereit erklärt haben, in Fällen von Mädchen- und Kinderschutz jederzeit helfend mitzu- ' wirken. ' Jugendpflege und Jugendfürsorge sind auch eine Vundesarbeit. Es genügt nicht, daß man sich im Einzelnen mit der Jugend nur in seinem Hause und in seiner Stadt beschäftigt, es gibt allgemeine Er- LiehungsfLagen und Aufgaben, die der Bearbeitung harren. Während sich die Jugendpflege mit der normal Heranwachsenden Jugend erzieherisch beschäftigt, dient die Jugendfürsorge dem Schutze der gefährdeten Jugend, gefährdet durch Umgebung oder Veranlagung. Diesen letzteren Verhältnissen Rechnung tragend, gründete der Jüdische Frauenbund ein Heim in Ne u-I sen b urg. Ein solches Heim, dessen Zweck es ist, vorbeugende Fürsorge eintreten zu lassen und Schutz zu bieten in Fällen, bevor es zu spät ist, bestand in der konfessionell-jüdischen Vereinstätigkeit in Deutschland noch nicht. Es war somit ein Geschenk an alle jüdischen Gemeinden Deutschlands, die ihre schutzbedürftigen Zöglinge dem Heim einweisen und bedeutete gleichzeitig die Erfüllung einer Notwendigkeit aus dem Gebiete der modernen Jugendfürsorge. (Lebhafter allgemeiner Beifall.) Die Bekämpfung des Mädchenhandels, an dem bekanntlich die Juden bedauerlicherweise stark beteiligt sind, gehört nebst allen anderen Fragen in das Arbeitsgebiet des Bundes. Es ist eben Pflicht jeder Frau, sich mit dem Schicksal alleinstehender und alleinreisender Mädchen zu befassen. Zu deren Schutze haben sich verschiedene Verbände gebildet, die eine praktische B a h n h o f m i s s i o n ausüben. Diese Arbeit hat auch der Jüdische Frauenbund ausgenommen und wird von jüdischer Seite bisher in Dresden, Karlsruhe, Nürnberg, Stuttgart, neuerdings auch in Königsberg und Berlin als Bahnhofshilfe betrieben. Der Anchluß der jüdichen Bahnhofshilse an die der anderen Konfessionen ist . notwendig, da nur durch Zusammenarbeit praktische Resultate erzielt werden können. Als ein Erfolg dieser Bundesarbeit ist das Plakat zur Warnung alleinreisender Mädchen zu nennen, das jetzt von den drei Konfessionen gemeins a m herausgegeben wird, und in allen Eisenbahnzügen und an den Bahnhöfen ersichtlich ist. (Beifällige Zustimmung.) Für Oesterreich käme wohl in erster Linie eine praktische Bahnhofshilfe in Betracht, wo an den Grenzstationen durch die große Einwanderung aus dem Osten den Mädchenhändlern leider allzu viel Gelegenheit für ihr dunkles Treiben geboten ist. (Ruse: Sehr richtig!) Diese Ausführungen zeigen natürlich nur in großen Zügen das vielseitige Programm der Bundesarbeit, zu dessen Aufgaben stets neue hinzukommen. Der deutsch-jüdische Frauenbund hat noch ein großes Ziel vor Augen. Es besteht bereits das Bestreben, einen internationalen jüdischen Frauenbund zu gründen, der die Schwesterngemeinschasten aller Länder umfassen soll. Doch wir sind noch verhältnismäßig am Anfänge der neuen großen Bestrebungen, und es werden noch mannigfache Schwierigkeiten zu überwinden sein, um dieses noch höhere Ziel zu erreichen. Wenn ich nun nach allem Gesagten über die Grenzen meines neuen Heimatlandes in mein altes Vaterland blicke, so sehe ich zwei Möglichkeiten, denen Ausdruck zu geben ich mir gestatten möchte: um die lokale jüdische Frauenarbeit im Sinne der neuen Forderungen zu gestalten, schaL.sen Sie hier in Wien, der Pflanzstätte so mancher lebensvollen Tat, eine organisierte „Weibliche Fürsorge", die im Anschlüsse an die von der Gemeinde geführten Wohlfahrtsunternehmungen und Unterstützungsstellen, vor allen der „Zentralstelle für jüdisches Armenwesen" unter Betonung der Frauenwirksamkeit, eine sozial inhaltlich neue Tätigkeit entfalten wird.

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