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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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beitc 9*8 X>r. Blochs Wochenschrift. N-. 52 - msäsaam ständig fremd, und die Erziehung zu höheren Lebensformen tzegegnet daher oft großen Schwierigkeiten. Sö gelaugte der Verein „Weibliche Fürsorge" zü der Erkenntnis, noch viel weitgehendere Fürsorge auszuüben, und unternahm deN Versuch, diesen AermsteN unsrer MüUdensgenossen ein Stückchen Kultur in thv eigenes Land im Osten hinüberzuträgen. Auch diese unendlich schwierige Ausgabe ist nicht ganz erfolglos geblieben. Die Anregung, die jüdischen Hospitäler in Galizien ckwüs zu reformieren, ist eitte Rat des Vereines ^Weibliche Fürsorge", die in ihrer Tragweite nicht zu unterschätzen ist. Ferner wurden in Kolonieä Und Tar- Nvw Kindergärten geschaffen, eitttge Wanderbibliotheken eingerichtet, dereN Wirksamkeit durch manche Hindernisse in deN dortigen Ländern allerdings noch beeinträchtigt ist. Auch die Bekämpfung des MäüchenhüNdels als soziale Aufgabe findet langsam Einsicht und Verständnis. Diese stille Kulturarbeit in Osteuropa ist ein beredtes Zeugnis für den mutigen sozialen Fräuensiyn, der nicht davor zurückschreckt, Samenkörner heilbringender Arbeit auf ungepslügtes Feld zü streuen. Sie bildet aber vielleicht auch das schönste Ruhmesblatt in dem Frankfurter Verein „Weibliche Fürsorge", der in freier Großzügigkeit nicht nur die Anforderungen lokaler Hilfsarbeit wahrnimyrt, sondern in der Erkenntnis, daß die Juden aller Länder unsere Brüder und Schwestern sind, über ÜieLanöesgrenzen Hunans wahrhafte, weibliche Humanitätsarbeit verrichtet, nnd das Gefühl jüdischer Solidarität, das oft nur theoretischen Ausdruck findet, verwirklicht. (Allgemeiner lebhafter Beifall.) Kein Zweifel, daß nach dieser Richtung auch von Wien aus, durch Fraueninitiat i v e, neues Licht und neues Leben in dfe noch dunklen Stätten des östlichen Nachbarlandes dringen könnte. Es erschien mir nicht überflüssig, die Wirksamkeit dieses Vereines so ausführlich zu schildern, um Ihnen ein Beispiel zentralisierter Frauenarbeit vorzuführen. Ich weiß, daß die hiesige „Z e n t r a lstelle für jüdisches Armenwesen" bereits eine ersprießliche Tätigkeit für die Zentralisation der Unterstützungen und den Zusammenschluß mannigfacher Vereine entfaltet, doch fehlt ihr noch die Basis einer Frauenorganisation, die, ohne nach einer bestimmten charitativen Richtung hin zu wirken, moderne soziale Arbeit verrichtet. (Zustimmung.) Im Anschlüsse daran wird es von Interesse sein, zu erfahren ,datz in Frankfurt an hervorragender Stellung in der jüdischen Frauenarbeit eine „Frauen v e r e i n i g u n g" der Loge besteht, die eine Vereinigung zur Förderung sozialer, geistiger und ethischer Bestrebungen bildet. Die Arbeitsgebiete dieses Vereines sind „Hauspflege", d. h. die Vermittlung einer Pflegerin für Wöchnerinnen, die „Kleiöerverteilung" und die „Jugendgruppe". Deren Aufgabe besteht in der Heranbildung der Jugend zu sozialen Interessen. In diesem Heranziehen der jungen Mädchen liegt ein hochwichtiger Faktor der sozialen Frauenarbeit, denn es gilt, die nächste Generation für Zeit- und Kulturprobleme vorzubereiten und ihr soziales G e w i sse n z u erwecken. Die Frankfurter Jugenügruppe leistet bereits viel Erfreuliches, da eine Anzahl freiwilliger Helferinnen sich in Kinderhorten, Kindergärten, Kinderlesehallen, Suppenanstalten, Flickschulen, Krippen und im Mädchenklub betätigen. Jtt diesem Bilde darf der „M ä d ch e n k l ub", der auch aus der Initiative des Vereins >,Weibliche Fürsorge" hervörgegangen istnicht fehlen. Er bildet eine unendlich wertvolle Institution für Frankfurt und ist geradezu vorbildlich für andere Städte geworden, öä nach dessen Muster erst jüngst eine Ähnliche Gründung in Berlin und anderen Städters erfolgte. Die jungen Mädchen, die im Berufsleben stehen, finden hier nicht nur mannigfache Anregung, Unterricht und geselligen Zusammenschluß,' der Klub gibt auch einen Vereiniguügspunkt bei verschiedensten Elemente, die sich sonst nicht kennen und verstehen lernen würden. In unserem modernen Leben, für Tausende so arm cn Lichtblicken, und besonders für die Juden voll innerer und äußerer Kämpfe, ist es' doppelt notwendig, daß von gesinnungstreuen Männern und Frauen Stützpunkte für die jüdische Bevölkerung geschaffen werden, die ihr inmitten aller Aüfeindungen und dem schweren Existenzkämpfe die Kraft und die Möglichkeit geben, ihrer Tradition treu zu bleiben. Vor allem aber muß die jüdische Fraü Glaubett Md Zuversicht erwecken zur Ausführung dieser sozialen Notwendigkeit. Von besonderer 'Wichtigkeit für die Drirchsührnng der genannten sozialen Probleme ist die Tatsache, daß der Verein „Weibliche Fürsorge" in steter Fühlung mit den interkonfessionellen Vereinen und den Verbänden ange.chlossen ist. die sich in Frankfurt mit den Fragen der al l g e m e i n e n Fraueninteressen befassen. Mit öiesett Ausführungen habe ich versucht-, Ihnen eine annähernde Darstellung der praktischen Forderungen sozialer jüdischer Frauenarbeit uttd deren teitweiser Ausführung zu geben. Diese Tätigkeit. die eine Fülle von Kleinarbeit enthält, must naturgemäß jeweils auf lokalem Gemein öebch d en erwachsen.um den heimatlichen Verhältnissen entsprechenö, sich sachgemäß entwickeln zu können. Wir sehen auch, daß gemeinnützige Einrichtungen, wie sie heute jede große jüdische Gemeinde unabweislich braucht, nicht nur ihren speziellen Zwecken dienen, sondern daß sie die Frauen in einigender Arbeit schulen und ihr- Gemeinschastsbewußtsein erwecken und stärken. Trotz aller Fortschritte der'geschlossenen Arbeit einer Stadt genügt dieselbe doch nur, NM innerhalb derselben Hilfe zu schaffen, und die sozialem Verhältnisse daselbst zu bessern. Die Probleme, die in einer kleinen Gemeinschaft gelöst werden, gelten aber auch in erweitertem Umfange nach außen hin Und sö ergeben sich aus der lokalen Arbeit Fragen, die NNr von einer großen Organ i s a t i o n in Angriff genommen werden können. Für diese Zwecke erschien der Zusammenschluß aller deutsch-jüdischen Frauenvereine als eine Notwendigkeit. Diese Erwägungen führten zur Gründung des „Jüdischen F r ä u e n- 6« n ö e s" in Deutschland. Bor acht Jahren wurde diese Idee durch die Initiative von Frl. Bertha Pappenheim verwirklicht. Der „Jüdische Frauenbund" ist der y r g a n isierte Zusammenschluß der bedeutendsten deutsch-jüdischen Frauenvereine. Der Bund umfaßt heute 160 Vereine mit 35000 Einzelmitgliedern. (Allgemeiner Beifall.) Diese Zahlen zeigen die Größe der Entwicklung des Bundes, sie sind aber auch ein deutlicher Beweis dafür, daßdie jüdischen Frauen in geschlossenem Gemeinschastsbewutztsein eingetreten sind als Mitarbeiterinnen in die ge m e i n s a m e A r b e i t d e r F r äu e n g e s a m theit. Denn der „Jüdische Frauenbund" ist. dem Bunde deutscher F r a u e n v e r e i n e ' ange-

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