Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 52 (26.12.1913)
- Date
- 1913-12-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. B2 tag und fordert die. Delegierten. auf, nunmehr jeder in seinem Wirkungskreise im Sinne der Tagung, weiterzuwirken. Die Delegierten und Gäste, blieben noch lange beisammen und schieden in später Nachtstunde im Bewußtsein, ein zukunftsreiches Werk sür das Judentum geschaffen zu haben. Dumadeputiert« Friedmann Mer den Kampf gegen das Schachten m RiiWand. Einem Journalisten gegenüber äußerte sich der der jüdische Dumadeputierte Friedmann über den Antrag der rechten Fraktionen der Duma, wegen Einführung eines Schächtverbotes in Rußland ungefähr folgendermaßen: ,,Der Gesetzentwurf, den die reaktionären Parteien in der Schächtfrage.eingebracht haben, .enthält drei Hauptpunkte: und zwar erstens die Abschaffung der jüdischen Fleischsteuer (Korobka), zw eitens Einfüh rung eines Schächtverbotes und drittens Beschießung eines Gesetzes, wonach für ganz Rußland eine einzige Schlachtmethode festgesetzt werden soll. Die rechten Fraktionen geben unverhohlen zu, daß die Durchdringung ihres Antrages das sicherste Mittel wäre, eine schleunige Massenemigration der - Juden aus Rußland herbeizuführen. Die Begründung des Gesetzantrages verrät eine ungeheure Unwissenheit und leichtfertige Gewissenlosigkeit der Antragsteller. Es ist gar kein Zweifel, daß derAntrag in der Duma durchfallen wird, weil er die religiösen Interessen nicht nur der Juden, sondern auch der Mohamme daner und Kaceiten berührt. Dir mohmmedanrschen Deputierten sind wegen dieses neuen Stückchens reaktionärer Politik fücchtbar aufgeregt. De: Antrag dürfte in ungefähr einem Monate darankommen, und wird ohne jede Debatte einer Rommission zugewiesen werden, wo er wahrscheinlich so lange wird liegen bleiben, bis man an ihn vergessen wird. Auf die Frage, ob die jüdischen Deputierten den jetzigen Moment für geeinet halten, in der Duma einen Antrag auf gesetzliche Gleichberechtigung der Juden zu stellen, meint Friedmann, daß der jetzige Moment hiefür vollständig ungeeignet sei. Die antisemitische Agitation, welche im Zusammenhänge mit dem Beiliß-Prozesse mit besonderer Schärfe eingesetzt hat, hat noch immer nicht nachgelassen, und wird ungeschwächt weitergeführt. Unter den Oktobristen gibt es heute viel mehr Antisemiten als früher, und ein solcher Gesetzentwurf könnte jetzt nicht um einen Schritt weitergebracht werden, als es in der dritten Duma der Fall war, und bloß zu demonstrieren hat jetzt gar keinen Zweck. Belohnungen für Kiew. Nicht nur Pranaitis soll sür seine Unwissenheit und Gewissenlosigkeit belohnt werden, indem er zum Bischof ernannt wird, sondern auch der berüchtigte Antisemit Samislofsky soll nicht umsonst in seiner Eigenschaft als Privatkläger im Beilißprozesse die Juden in gemeinster Weise beschimpft haben. Wie nämlich in eingeweihten Petersburger Kreisen verlautet, kann es als bestimmt angenommen werden, daß Samislofsky in nächster Zeit zum Staatsanwalt am Obersten Gerichtshöfe in Petersburg ernannt 'werden wird, seine Eignung hat Samislofsky in dem Beilß-Prozeß allerdings im ausgiebigsten Maße gezeigt. Auf der anderen Seite wird der Verteidiger des Beiliß, Maklakoff, ein Bruder des gleichnamigen russischen Ministers des Innern, vom Moskauer Gerichte wegen „Verbreitung falscher Nachrichten, die geeignet erscheinen, gegen die Regierung Haß zu erwecken", verfolgt. Der Prozeß soll Maklakoff. der Samislofsky und Konsorten im Kiewer Gerichtssaale mit so großem Erfolge entgegengetreten ist, wegen der schneidigen Artikel, die er in den „Rußkoje Vjedomosti" über den Bei- Seite 945 liß-Prozeß veröffentlicht hat. gemacht werden. Sollte Maklakoff schuldig erklärt werden, so erwartet ihn eine große Strafe. Jüdisch-historische Gefeit'chaft in Amerika. Die 22. Jahresversammlung der jüdischhistorischen Gesellschaft in Amerika wird am Sonntag den 22. und Montag den 23. Februar 1914 in Philadelphia stättfinden. Das Sekretariat der Gesellschaft und zwar Herr Albert M. Friedenberg 38. Pak Row. .New-Port City N.-D, ersucht in einem Zirkular, alle diejenigen, welche an dieser Versammlung Vorträge oder Referate über jüdische Geschichte halten wollen, dies mit Angabe des Themas dem genannten Schriftführer der Gesellschaft bis spätestens 15. Jänner 1914 bekannt gebenmögen. In dem Zirkular wird insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß die Themata sich nicht ausschließlich, auf die Geschichte der Juden in Amerika beschränken müssen, da die Tätigkeit der Gesellschaft sich auch auf die Förderung des Studiums der Geschichte der Juden im All-, gemeinen erstreckt. Der Präsident der amerikanischen Arbeiter-Federation. Am jüngsten Parteitag der amerikanischen Arbeiterfederation wurde der bekannte Arbeiterführer Samuel Gompers abermals zum Präsidenten dieser einfluß-eichen gewaltigen Organisation gewählt. Gompers stammt von jüdischen Ellern und hat selbst wohl seine Religion nicht gewechselt, doch gehört er keinerlei Synagogen an. Vermischtes. Albert G. Fischer > mer. Direktor der israel. Kmderbewahransta? t. Der als Fachmann des Kindergartenwesens und der Kleinkindererziohung weitbekannte Direktor Albert S- Fis che r ist am 11. Dezember 1913 im 84. Lebensjahre gestorben. Fischer stammte aus Triesch in Mähren, wurde Liehrer in Lundenburg, 'trieb philosophische, pädagogische und Sprachstudien und kam', in jungen Jahren nach Wien. Von 18o€j—18B3 . war .er Oberlehrer undf Hauptschuldirektor 'in Raab-Sziget und wurde dann Leiter der im Jahre 1843 von Josef Ritter v. Wertheim er gegründeten israelischen Kindepbewahraustalt in der Leopoldstadt, wo er uiit seiner Gattin Josephine jahrzehntelang verdienstlich wixkte. Das Ehepaar Fischer hat zuerst die Idee des Volkskindergartens verwirklicht und in die Bewahranstalt, welche sich auf die bloße Behütung der Jugend vor leiblichen Schaden beschränkte, die allseitig fördernden Spiel- und Beschäftigungsmittel Fröbels eingeführt. Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der israelitischen Kinderbewahranstalt veröffentlichte Fischer 1868 die „Anregung zur Errichtung eines Bildungskurses für Gehilfinnen an Bewahranstalten, Bonnen und Kindermädchen" mit dem Erfolge, daß er noch in demselben Jahre einen Bildungskurs für Kindergärtnerinnen, den ersten in Oesterreich, eröffnen , konnte. Im Jahre 1878 gründete er den Verein für Kindergärten in Oesterreich, dessen erster langjähriger . Präsident er war und dessen Organ, die „Zeitschrift für das Kindergartenwesen" er redigierte. Von seinen Erziehungswerken haben „Ter Kindergarten" und „Poetisches Schatzkästlein" tveite Verbreitung gefunden. Auf ein weiteres. Gebiet' bezogen sich die ans früherer Zeit stammenden. Werke „Palästina" und „Palmen und Cedern", eine Samlung von biblische Stoffe behandelnden Gedichten- Fischer wurde auch als Experte des Unterichtsministerinms organi- Dr. Blochs Wochenschrift.