Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 52 (26.12.1913)
- Date
- 1913-12-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 944 DL. Blochs Wochenschrift. } 1 Gemeinde- und Berufsleben ein klares Bild der gesamten Organisation. Nachdem schon vormittags eine Plenarsitzung des provisorischen Komitees zur Besprechung aktueller Fragen der Organisation stattgefunden hatte, versammelten sich die Delegierten und Gäste um 3 Uhr zu der Delegierteu-Versammlung im großen Saale des Casinos. Dr. Abraham Hirsch - Halberstadt, stellvertretender Vorsitzender des provisorischen Komitees, eröffn. Le die Versammlung mit einer warmen Begrüßungs-Ansprache und skizzierte die Aufgaben der Tagung. Hierauf ergriff Rabbiner Dr. Auerbach-Halberstadt als Orts-Rabbiner das Wort und begrüßte die versammelten Rabbiner und Delegierten als wahrhafte der gesetzestreuen Judenheit im ganzen Deutschen Reiche. Er sieht in der Agudas Israel das in die Erscheinung getretene Sinnbild der jüdischen Gemeinschaft überhaupt Und wünscht, daß die Ergebnisse der Tagung die jüdische Gemeinschaft näher bringen mögen jenem Ziel-, das der göttliche Wille dem Judentum verheißen hat. Namens der Agudas Jsroel-Ortsgruppe Halberstadt richtet Rabbiner Josef .N.o b e l - Halberstadt eine tiefdurchdachte und zündend wirkende Begrüßungsrede an die Erschienenen und löst mit seinen begeisterten Worten in der Versammlung tiefes Verständnis aus für die^ Bestrebungen tnr Agudas Jisroel. Hierauf bgrüßt Herr EmiN B a e r - Halberstadt die Versammlung namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Halberstadt. In der darauffolgenden Wahl des Büros wurden die Herren Dr. Abraham H i'r sich - Halberstadt zum Präsidenten, Direktor Dr. L a n g e - Frankfurt a. M. und Rabbiner Dr. L i ch t i g - Hamburgs zuMVize-Präsidenten,^ Dr. °Josi f Carlebach- Berlin, Zahnarzt Ehrmann - W rdeu und Heinrich Sichel- BreslauTzu^Schriftführern-gewählt. Hierauf erstattete Herr Jakob Roienhe im, Frankfurt am Main, seinen, Bericht über ^die bisherige Tätigkeit der Agudas Jisroel im allgemeinen und über Stand und Aussichten der ^Organisation^ in Deutschland im besonderen. In gewohnter meisterhafter Weise skizzierte er das Programm der Agudas Jisroel als die Wiedererweckung des alten Klal Jisroel- Gedanke^ns und die aus diesem'Wiedererwachen sich ergebenden Aufgaben des auf Basis des Thdrawertes neu o r gavisierten Klol. Hieran anschließend legte der Redner im einzelnen dar, welchen Weg die Organisation seit^ der Kattowitzer Versammlung bis zur Stunde zurückaelegt hat und konstatierte mit Genugtuung, daß trotz aller Schwierigkeiten, die mit der Schaffung eines solchen großen Werkes verbunden sind, bereits eine große Menge Arbeit geleistet wurde, so daß die vorbereitenden Schritte zur Schaffung eines Definitivums für die Bewegung in nicht zu langer Z-it das Ziel erreicht haben werden. Unter stürmischem Be.fall der Versammlung schloß der Redner mit einem Apprll au die Erschienenen, das begonnene Werk mit Ausdauer und nicht versagender Arbeitslust zu Ende zu führen und dem großen Ideale zum Siege zu verhelfen. Das zweite offizielle Referat hielt Herr Baruch Stern, Frankfurt a. M., über die organisatorischen Grundlagen der Agudas Jisroel. Der Referent erläutert in erster Reihe die ideellen Grundlagen der Agudas Jisroel, die sich aus der herrschenden Stellung ergeben, die dem Thoragei sie in dieser Organisation eingeräumt ist. Die Thoragemäßheit der Organisation macht es zur Notwendigkeit, daß in ihr zum ersten Male seit Jahrhunderten wieder ein Gremium geschaffen wird, das sich aus den geistigen Führern der gesitzestreuen Judenheit allerLänder zusammensetzt. Durch diesen „Rabbinischen Rat" wird dem Judentume eine Institution geschaffen, deren heilsame Wirkung für die Zukunft nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Als formale Grundlage der Organisation bezeichnete der Redner den demokratischen Aufbau der Agudoh, wodurch jedem Nr. 52 einzelnen Mitgliede der Organisation die Möglichkeit gegeben wird, sein bestes Können und Wissen in den Dienst der Gesamtheit zu stellen. Demokratische Organisation im Einklang mit den von der Thoratreue geforderten Einrichtungen schaffen die Basis, apf der-allein eine jüdische Gesamtheit ihrer historischen Aufgabe gerecht werden kann. Auch dieses Referat faud^ lebhaften Beifall in der Versammlung und damit fand der öffentliche Teil des Delegierteu-Tages seinen Abschluß. In der darauffolgenden Pause versammelten sich die Hrlberstädter Freunde der Agudas Jisroel im Logensaale, um unter dem Eindruck der gehörten Reden auch in Halberstadt die Gründung einer Jugendgruppe vorzunehmen. In der geschlossenen Sitzung der Delegierten wurde sodann der Entwurf eines provisorischen Statutes sür die neu zu schaffende Landesorganisation im einzelnen durchberaten und angenommen. An der Diskussion zu den einzelnen Punkten des Statutes beteiligten sich viele Delegierte und brachten die Gesichtspunkte zur Geltung, die für die künftige organisatorische und praktische Betätigung des deutschen Gruppeu-Verbandes maßgebend sein werden. Besonders begrüßt und allseitig gebilligt wurde die Arbeit der Leitung zur Schaffung einer Jugendorganisation auf Basis des Agudoh-Programmes. Mit der Annahme des Statutes wurde der Gruppen- Verband der Agudas Jisroel in Deutschland ^alsZ konstituiert erlärt und für die Zeit bis zum nächsten Delegiertentag H a l b e r st a d t zum Vorort gewählt. Die Wahl in den Vorstand des Gruppen-Verbandes ergab folgendes Resultat: Rabbiner Dr. A^u e^r b a°ch,^Rabbiner'^ Dr. Frank!, Gottfried G o l d s ch m i d t, Hermann Schwab und Nathan Stern — Halberstadt; Direktor Dr. Lange — Frankfurt a. M; Oberrabbiner^Dr. Ser n e r — Altona; Carl Bod e'nH esi m e r —^.Hamburg";. Rabbiner '^Dr. Biberfeld — Berlin; Dr. B. Cohn — Straßburg i. E; Heinrich Sichel — Breslau; Sallo G e l l e r t — Posen; Rabbiner Dr. K^l e i n — Neuernberg; Felix Feuchtwanger — München; Rabbiner Dr. Carlebach — Lübeck; M. A l t m a n n ~ — Karlsruhes Zahnarzt Ehrmann — Werden; Gottfried A l t m a n n — Beuthon O. S.; und Koschmann W r e s ch n e.r — Obornik. Der Deliertentag? beschloß^hierauf der gegenwärtig in Amerika weilenden Delegation der Agudas Jisroel seinen Glück zu entbieten. Sodann'wurden die^in großer Zahl eingelaufenen Begrüßungsbriefe- und Telegramme verlesen. Solche gingen ein von: Jakobs S t r'a u ß, Dr.^ S.^ ^B^a m b e r g e r, Dr. I. Feuchtwanger, Hugo Weinga rten, Joel Sänger, Dr. I. H e i n e m a n n,^Hermann F°r a n k e n t h a l, Wanderredner^der freien Vereinigung, Frau Rabbiner Dr. Auerbach, Aron Kober — Breslau; Rabbiner Dr. Schiffer — Karlsruhe; Rabbiner Dr. Butterwi es er, V. I. A. — Straßburg -^Rabbiner L M a r^x, Rabbiner M. M arx — Darmstadt f Rabbiner Iosseliowsky — Menel; Zahnarzt^Karl L e> v— Mannheim^L oewy — Rawitsch; Rabbiner M ilak o w s k y Komerzienrat Marx — Königsberg; Dr. Rothschild — Dinslaken; Rabbiner Rose u a k — Bremen; Ortsgruppe — Basel; Martin Feist, FelixHS't r'a u ß, ^Ortsgruppe — Paris, Ortsgruppe Pathach Tikwah. Direktor Dr. L a n g o — Frankfurt a. M. sagt namens des^neugegründeten Gruppen-Verbandes ' dem provisorischen Komitee Dank für die bisherige fruchtbare Arbeit in Deutschland und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es auch weiterhin dem Gruppon-Verbaunde zur Seite stehen werden. £5 Das Schlußwort erhält Rabbiner Dr. Carlebach — Lübeck, der als ältester der anwesenden Delegierten dem Präsidium sür die umsichtige Leitung der Verhandlungen Dankt sagt. Der Präsident schließt den ersten Delegierten-