Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022035-3022088--22748-3047910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 5Ö Dr. Bkochs Wochenschrift. «eite 94! Ein intere sanier archaok-gischer Fund. Aus Konstantinopel wird berichtet: In der Moschee Dschanri-ul-hayat in Aleppo befindet sich in eine Wand eingemauert eine Platte, mit einer hebräischen Inschrift aus...Welcher hervorgeht, daß diese Mauer im Jahre 553 in. der Aera der Seleukiden durch Hillel Hakohen Sohn des Nathan errichtet wurde. Eine arabische Chronik berichtet, dass als Seleukos Nicätor dieses Land eroberte berief er dahin die Juden, gab ihnen Boden zur Verfügung, befreite sie von allen Steuern, damit sie sich in voller Freiheit dem Handel widmen können, UM auf solche Weise die Prosperität dieses neueroberten Gebietes herbeizuführen. Die Juden vermehrten sich bis auf eine halbe Stunde außerhalb des Stadtviertels. Sie erbauten nacheinander drei Synagogen, von denen eine noch existiert, die zweite vollständig zerstört wurde, so daß auch keine Spur von ihr vorhanden ist, während die dritte Synagoge die heutige Moschee Dschami ul-Hayat, wo sich die obenerwähnte Inschrift befindet. Im Jahre 242 der christlichen Zeitrechnung, welche dem Jahre 1004 jüdischer Zeitrechnung entspricht, hat Hillel Hakohen, - Sohn des Nathan, an diesem Baue Adaptierungen. vorgenommen, und jene Mauer aufgeführt, welche hr.'.te seine Inschrift trägt. Ein Kongretz spanishe; Juden in Tok do Vor KürZönt hat der von uns seinerzeit angekündigte Kongreß für kommerzielle und kolckal? Geografie in-. Barcelona stattgefunden. W'e erinner.ich bat ti' 'p Nische Regierung eine starre Propaganda für eine Be Eßigung der.sm Orient lebenden spanischen Juden an diesem.KoügrMe eingeleitet. Tatsächlich haben auch Zahlreiche Juden dem Rufe Folge geleistet. Der aus seinen früheren Schriften zu Gunsten der späniolischkii Juden bekannte Schriftsteller Senator Angel Pulido hielt ern Referat über die Notwendigkeit und die Möglichkeit eine geistige und wirtschaftliche Verbindung zwischen den sephardisch--jüdischen Kolonien und ihrem historischen Vaterlande herzustellen. Es wurden verschiedene Anregungen gemacht, UM eine hispano sephardische Annäherung zum Wohle Spaniens und des im Erste lebenden Volkes möglich zu machen. Zu diesem Behuf? nahm der Kongreß eine Resolution an. in welcher die spanische Negierung, die Handels- und Gewerbekammern, sowie die Literatur- und Kulturvereine aufgefordert werden, sich für diese Bewegung zu interessieren, und ständige, wirtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Teilen berbeizuführen. Im Sinne dieser Resolution schlägt jetzt der hervorragende spanische Publizist Saturnino Limenez in dem großen Madrider Blatte ,,El Mundo" vor. in die jüdisch-historische Stadt Toledo im nächsten Jahre einen Kongreß der spanischen Juden aus allen Weltteilen einzüberufen. Die spanische Regierung würde diesem ^Kongresse — so versichert Dimenez — die weitestgehende Unterstützung angedeihen lasten. Dieser Kongreß wäre von großer moralischer Bedeutung und würde ein historisches Ereignis ersten Ranges darstellen. Gegen die Dramatisierung des Beiliß-Prozesses. In Amerika haben verschiedene Theater- und Varieteeunternehmungen mit echt amerikanischer Fixigkeit . den Beiliß-Prozeß zu kapitalisieren versucht. Nicht weniger als drei verschiedene Dramen wurden in der Schnelligkeit zusammengeschustert ^und auf die Bühne gebracht. Es ist nur. begreiflich, daß die Geschmacklosigkeit jüdischer Theaterbesitzer auch von nichtjüdischec Seite Nachahmung gefunden hat. Gegen diese Herabwürdigung des ganzen Falles und gegen die bewußte und auch unbewußte Entstellung des ganzen Prozesses haben die führenden jüdischen Organisationen in Amerika in der heftigsten Weise Stellung genommen. In Bersammlungsbeschlüssen und Zeitungsartikeln verwahren sich die maßgebenden jüdischen Körperschaften und Persönlichkeiten gegen eine solche Verunglimpfung des Beiliß, als auch gegen die ganze Art. in welcher der alte traurige Fall ausgebeutet wird. Diese Stellungnahme hat in Amerika den bedeutendste,'. Eindruck gemacht. Eit? Beweis"des „Ritualmsrvrs." Das Lodzer Morgenblatt berichtet über den folgenden interessanten Fall: In Ostrvlenkv überfielen Mörder den Juden Rabbinowitsch und verübten an demselben einen Raubmord. Der Polizeihauplmann des Städtchens berichtete an seine Vorgesetzte Behörde über den Fall in folgendem Protokoll: „Ich fand auf dem Körper des ermordeten Rabbinowitsch vierzig Wunden, es ist fast zweifellos, daß der Mord zu rituellen Zwecken verübt wurde. Als Beschuldigte habe ich den notorischen Dieb Kwizinsky und seine Geliebte Sofia verhaftet". Der Sprachenstreit. Der Sprachenstreit zwischen Zionisten und Hilfsverein hat sich nach der Ankunft Paul Nathans in Palästina noch wesentlich verschärft und nimmt jetzt Formen an, die geradezu beänstigend wirken. Als Antwort auf die Boykottpropaganda der Hebräisten entließ der Hilfsverein alle streikenden Lehrer und setzte an deren Stelle gefügigere Lehrkräfte ein, deren Einführung ins Amt aber nur mit Hilfe des deutschen Konsulates und der türkischen Polizei vor sich gehen konnte, da die zionistischen Lehrer das Lehrerseminar besetzt hielten und mit Polzeigewalt entfernt werden mußten. — Diesem unerquicklichen Schauspiele folgten einige Radauszenen auf dcr Straße. Väterchen Zar. Wer das in Krakau erscheinende Tageblatt „Jllustrowany Äuryer codzienny", Nr. vom 11. Dezember 1914 zur Hand nimmt, wird es nunmehr begreifen, aus welchem Grunde im heiligen Rußland Prvgrome und Beiliß-Prozesse in Szene gesetzt werden. Man muß nämlich in Petersburg einen Blitzableiter haben, um die Augen der Welt von dem Schlafzimmer des Zaren resp. der Zarin abzuleiten und auf das Sünöenopfer, auf die Juden zu Lenken. Unter dem Titel: „Sensationelle Enthüllungen ans den Geheimnissen des zarischen Hofes" lesen wir im obgenannten Blatte — dem wir die Berantwortnng für die Richtigkeit dieser Mitteilung überlassen — daß über den Zarenhof eine Menge Legenden zirkulieren, von denen die eine schrecklicher und oerwunderungswürdiger ist als die andere. Hie und da läßt wohl die ausländische Presse einen Blick in den Hof des Zaren werfen, allein diese Blicke sind sehr ver verschleiert, da die Ohrenbläser des Zaren dessen Geheimnisse stark überwachen und selbst der Kühnste wegen der überaus großen Verantwortung den Mund zuschließen muß. Doch eristiert im Reiche des Zaren, in der Mitte der dem Hofe nahestehenden Sphären so manches, das imstande ist, die Zungen zu lösen und einen Teil dieser ganz dunklen Geheimnisse in die Oeffentlichkeit zu bringen. Dies wunderbare Instrument ist der Rubel oder der Schnaps; es hängt davon ab, mit wem man es zu tun hat und unter welchen Umständen die Sache sich abspielt. Dank einem dieser Mittel gelang es dem Korrespondenten des obenerwähnten Blattes einen kleinen Zweig dieser Geheimnisse in seine Aktentasche zu pflücken, der allgemein betitelt wird „Tragödie des zarischen Schlosses". — Bei dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.