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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Är. 52 Dr. Blochs Wochenschrift. Leite 982 dem entsprechenden Mut s.hlt, der lebhaften antisemitisch.n Agitatiton gegen die Naturalisation der Juden entgegenzutreten. Die „Liga culturala“ hat sich über Mangel an Erfolg ihrer ebenso geräuschvollen als gehüfs gen Agitation nicht zu beklagen. Diese ist neuerdings in unpassendster Weise organisiert worden. In allen Städten und Dörfern werden Versammlungen gegen die Verleihung politischer Gleichberechtigung an die Juden abgehalten, und der Fanatismus und die Instinkte des Glaubenshasses werden beim niedrigen Volke durch alle rednerischen Mittel geschürt. Was da geleistet wird, grenzt nahe an die Aufforderung des Pogroms. Einer der Anttsemitenhäupllinge der Univerfitätsprofssor C u z a, hat vorigen Monat in Jassy den Juden gedroht, daß heute wie im Pogromjahr 1866 „ru mänische Schlächter bereit seien, ihre Mtffer zu wetzen, und daß es noch Synagogen zu zerstören gbt". Das Oraan der nationalistischen Studenten drohte den Juden mit Zustande^, daß .Rußland mit seinen Pogroms uad Riluatmorüen ein gelobtes Land für sie sein werde". Angesichts dieser immcr gewalttätiger auftretenden Agitation beginnt sich in jüdischen Kreisen schon eine Panikstimmung einzustellen. Es ist in Jassy auch bereits zu bedenklichen Demonstrationen gekommen. Man fürchtet, wenn die Regierung nicht die moralische Kraft besitzt, diesen gesetzwidrigen Treibereien entgegenzutreten, könne Rumänien bald wieder der Schauplatz wirklicher Pogroms werden — und das fünfundzwanzig Jahre, nachdem den Juden des Landes in einem internationalen Vertrag die Gewährung der Rechte zugesagt wurde, die man ihnen mit so schmählichen Mittrlu streitig m§cht. Dar Krestauer Tagung der jüdische« Hehreeverdaude». Breslau, den 15. Dezember 1913. Noch vor Jahresschluss vom 28. Dezember an, wird der Verband der jüdischen Lehrer-Vereine im Deutschen Reiche in Breslau tagen. Von den Schulmännern, die aus allen Gauen Deutschlands hier Zusammenkommen, wird mancher erstaunt sein, über den großstädt schen Eindruck, den die er so weit nach dem fernen Osten vorgeschobene Mittelpunkt deutscher Kultur Hervorrufi. Dem allgemeinen Stadtebild entspricht genau der Geist dieser jüdischen Großgemeinde. Er hat verständisvoll Schritt gehalten mit allen neuen Bestrsebungen unserer Zeit. Er ist aber nicht nur ein Kind der Gegenwart, sondern ein Erzeugnis der jahrhundertelangen Kulturentwicklung: denn die große Gemeinde, die heute in Breslau blüht, sieht auf eine lange und wechselvolle Vergangenheit zurück. Schon um 1150 gehörte das Dorf Klein-Tins, dicht bei Breslau, jüdischen Glaubensgenossen, und um 1200 wurden Joseph und Chaskel als die Besitzer des Falknerdorfes genannt, des Teiles des jetzigen Breslau, das zwischen der Oderstraße und dem Königsplatze liegt Verhältnismäßig ruhig saßen die Juden zwischen den Slaven. Das änderte sich, als mit dem Zustrom deutscher Ansiedler auch die Kirche größere Macht gewann, ihre bürgerliche Stellung und ihr religiöses Leben überall einengte und beschränkte. Hilfe kam ihnen in diesen argen Zeiten nur noch vom Landesherrn. So gab ihnen Herzog Heinrich von Breslau einige Privilegien, erlaubte ihnen aber ebenfalls als einzigen Erwerbszweig den Geldhandel. Trotz alledem blieben sie ihrer Religion treu und gründeten sich im Schutze der herzoglichen Burg, der jetzigen Universität, ihr ideales Reich, dessen Mittelpunkt das Gotteshaus, zugleich die Schule, war. An ihrer Spitze stand der Judenbischof, Rabbiner, Vorbeter, Lehrer und Schächter in einer Person. Selbst ein Friedhof war seit dem Jahre 1246 vorhanden, dessen Steine jedoch mit Erlaubnis des Königs Johann von Böhmen vom Magistrat zur Ausbesserung der Stadtmauer verwendet wurden. Daher kommt es, daß nur wenige Grabschriften, die einzigen literarischen Denkmäler aus jener Zeit, erhalten si Hart lastete damals der Steuerdruck auf ihnen, doppelt hart, weil sie durchaus nicht im Belize großer Reichtümer waren. Schlimmer jedoch gestalteten »ich die Verhältnisse, als der Schwarze Tod ins Land kam und mit ihm die Geißelbrüder. Der Brunnenvergiftung und der Brandstiftung verdächtig t, wurden die Juden allerorten hart verfolgt. Dem Blutbade in Breslau vom Mai 1349 entgingen nur sehr wenige von den 63 ortsangesessenen Familien. Ihr Hab und Gut teilten König und Stadt. Heimatlos waren sie für ewige Zeiten, die allerdings nur kurze Frist währten: denn schon zwischen 1320 und 1360 fanden sich wieder 133 bis 140 Familienväter in der schlesischen Hauptstadt zusammen und gründeten unter Leitung des Bischofs Isacrk eine neue Gemeinde. die bereits am 25. Juni 1350 durch eine neue Verfolgung derart vernichtet wurde, daß von 1364 ab nur noch eine einzige jüdische Familie in der unwirtlichen Stadt lebte. Das dauerte bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, wo man, dem Drucke der Verhältnisse nachgebend, von neuem, reiche Juden nach Breslau berief. Sie machten sich wieder auf der Arsulinerstraße ansäßig, eröffneten Synagoge, Lehranstalt und Badehaus, und ergriffen Besitz von ihrem alten Friedhof. Doch die Hussitenkriege brachten ihnen neue Verfolgungen, und nach dem Regierungsantritt Kaiser Albrechts sahen sich nur wenigen Millionäre vor Unbill geschützt. Trotzdem pflegten sie ihr religiöses Leben, bis endlich der Fanatismus des Mönchs Capistrano. der am 13. Februar 1453 nach Breslau kam. in den Tagen vom 5. bis 7. Mai die Katastrophe herbeiführte. Gefoltert gaben sie alles zu, was man ihnen andichtete und so wurden sie verbrannt oder aus der Stadt gehetzt: ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. ihre unmündigen Kinder der Taufe zugesührt. Am 30. Januar 1455 erhielt Breslau von König Ladislaus das Recht, keine Juden mehr auszunehmen, ein Recht, das um des Handels nach Polen willen nicht dauernden Bestand hatte. Allerdings erhielten nur die polnischen Juden freien Verkehr, der ihnen um 1537 wieder zeitweise ve sagt wurde. An all diesen Dingen änderte auch die Reformation nichts. Erst die Nöten des dreißigjährigen Krieges brachten die Rechte der Stadt in Vergessenheit. Schon 1635 wird einigen Juden erlaubt, in den Vorstädten zu wohnen. und bald erhielten sie unbeschränkten Zutritt zu den freien Jahrmärkten, ja sie eröffneten sich durch Bestechung der Torwachen sogar die Möglichieit. innerhalb der Stadtmauern zu wohnen. Die „würklichen pohlnischen Handelsjuden" durften sich sogar eigene Vethäuser errichten, von denen die „Lemberger Schul" sich bis zum heutigen Tage erhallen hat. Nach und nach eröffneten auch andere Juden Andachtsstätten, so die „Glogauer Schul" und die „Landschul". die noch jetzt bestehen. Vergeblich suchte die Judenordnung von 1702 und ihre harte Durchführung allen gegenüber, die nicht zahlen konnten oder lügen wollten, dem Wachstum Der Breslauer Gemeinde vorzubeugen: immer wieder wußten sich die Juden Eintritt zu verschaffen. Seit 1724 bestand unter ihnen die noch heute wirkende „Fromme Brüderschaft", deren Hauptaufgabe war, die Toten zu bestatten. Der nächste Friedhof befand sich damals in Dyhernfurth: erst 1761 erhielt die Breslauer Gemeinde wieder einen eigenen Begräbnisplatz auf dem Schweidnitzer Anger, der jetzigen Claassenstraße. Als Schlesien an Preußen fiel, milderte sich die Strenge gegen die fremden Juden nicht. Friedrich der Große gewährte nur 12 priviligierten Familien^ das Wohnrecht und ließ außerdem den polnischen und den Glogauer wie den Zülzer Juden d^s Recht des freien

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